AUSTRALIAN OPEN: Bärenstarker Nadal zwingt Federer in die Knie

Nichts wird aus dem erhofften Schweizer Final am Australian Open. Federer muss sich in einem guten Spiel dem grossartig aufspielenden Rafael Nadal mit 0:3-Sätzen geschlagen geben. Nadal trifft am Sonntag auf Stanislas Wawrinka, der erstmals in einem Grand-Slam-Finale steht.

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Roger Federer gratuliert Rafael Nadal zum Sieg. (Bild: Keystone)

Roger Federer gratuliert Rafael Nadal zum Sieg. (Bild: Keystone)

Schade! Der Taum vom ersten reinen Schweizer Grand-Slam-Final ist ausgeträumt. Roger Federer unterliegt dem überragend aufspielenden Rafael Nadal in drei Sätzen mit 6:7, 3:6 und 3:6. Dabei spielte Roger Federer keineswegs schlecht, er fand aber während keiner Phase des Spiels kein probates Mittel gegen den bärenstarken Spanier. Nun wartet am Sonntag Stanislas Wawrinka auf Nadal. Ein Schweizer Happy End in Australien ist also auch nach Federers Niederlage noch immer möglich.

Jetz wird es ganz eng für Federer. Rafael Nadal zeigt kaum eine Schwäche. Er nimmt Federer ein weiteres Mal den Aufschlag ab und führt im dritten Satz mit 5:3. Nun braucht Federer schon ein Tenniswunder, um doch noch als Sieger vom Platz zu gehen.

Rafael Nadal dominiert auch den dritten Satz und schafft gleich zu Beginn ein weiteres Break. Doch Federer kämpft bravourös und kann seinerseits dem Spanier den Aufschlag abnehmen – und zwar zum ersten Mal in diesem Spiel. Federer führt im dritten Satz mit 3:2.

Auch der zweite Satz wird eine Beute von Rafael Nadal. Rafael Nadal überzeugt auf der ganzen Linie und liegt verdient mit 7:6 und 6:3 in Führung. Federer findet bislang einfach kein Rezept, wie der grossartig aufspielende Spanier zu knacken wäre.

Nun ist es passiert. Nachdem er im bisherigen Spielverlauf bereits elf Breakbälle abwehren konnte, musste Federer nun das erste Break hinnehmen. Noch schlimmer als die 5:2-Führung des Spaniers im zweiten Satz ist die Tatsache, dass der Spanier jedes seiner Aufschalgspiele mit scheinbarer Leichtigkeit durchbringt, während Federer mit derselben Konstanz bei jedem seiner Aufschlagspiele zu kämpfen hat.

Beim Stand von 1:0 im zweiten für Rafael Nadal muss der Spanier sein erstes Medical Tie-Out nehmen. Die Blase an seiner linken Hand ist wieder aufgeplast und muss vom Pfleger verarztet werden. Doch nach dieser kurzen Unterbrechung geht es weiter und Federer gleicht mit einem starken Aufschlagspiel zum 1:1 im zweiten Satz aus.

Rafael Nadal dominiert das Tie-Break klar, gewinnt ihn mit 7:4. Der Gewinn des ersten Satzes schmerzt Federer besonders, denn er spielte auf Augenhöhe, konnte aber im entscheidenden Moment nicht zusetzen. Der zweite Satz wird somit für den Schweizer bereits zu einer Art «Alles oder nichts»-Angelegenheit.

Das Spiel ist nach wie vor sehr ausgeglichen. Es steht 6:6 und das Tie-Beak muss über den Gewinn des ersten Satzes entscheiden.

Der erste Satz nähert sich dem Ende. Und obwohl er sehr gut spielt, hat Federer immer mehr Mühe, seine Aufschläge durchzubringen. Er musste bereits drei Breakbälle abwehren, während er selbst noch keine Break-Möglichkeit herausspielen konnte. Dennoch: Federer führt mit 5:4.

Sowohl Federer als auch Nadal sind gut ins Spiel gestartet. Beide bringen ihre Aufschlagspiele sicher durch. Bei Nadal fällt auf, dass er bisher alle seiner 1. Aufschläge ins Ziel gebracht hat. Seine Handverletzung scheint ihn also in keinster Weise zu behinden. Nach einer knappen halben Stunde Spielzeit steht es 3:3 im ersten Satz.

Geht es nach der Statistik, so hat Roger Federer im Halbfinale des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres in Melbourne einen schweren Stand. 32 Mal ist der Baselbieter gegen den Spanier Rafael Nadal angetreten, nur 10 Mal konnte Federer den Platz als Sieger verlassen. 2013 konnte Nadal gar alle 4 Spiele gegen Federer für sich entscheiden.

Doch die Vorzeichen stehen für den Schweizer gar nicht so schlecht, die Nummer 1 der Welt in die Schranken zu weisen: Federer präsentiert sich in Australien in der Form seiner besten Tage. So beeinfruckte er mit einer Weltklasseleistung im Viertelfinale gegen Andy Murray, den er in vier überzeugenden Sätzen besiegte. Nadal hingegen scheint von seiner Bestform ein Stück entfernt zu sein, zudem kämpft der Spanier mit einer schmerzhaften Blase an seiner linker Schlaghand. Wie sehr ihn diese Verletzung beeinträchtigt, wird sich zeigen.

Ein weiterer Trumpf von Federer ist sein neuer Coach Stefan Edberg. Der ehemalige schwedische Weltklassespieler scheint seinem Schützling genau jene Inputs geben zu können, welche es dem 32-jähriigen Schweizer wieder ermöglichen, auf absolutem Weltklasse-Niveau zu spielen.

Ernst Zimmerli / luzernerzeitung.ch