Australian Open
Rafael Nadal gewinnt Fünfsatz-Krimi nach 0:2-Satzrückstand und schnappt sich den 21. Grand-Slam-Titel

Was für ein dramatisches Endspiel! Rafael Nadal dreht die Partie und sichert sich nach 5:24 dramatischen Stunden den Sieg an den Australian Open mit 2:6, 6:7, 6:4, 6:4, 7:5 gegen den Russen Daniil Medwedew.

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Historisch! Rafael Nadal schnapp sich die 21. Grand-Slam-Trophäe. Der 35-jährige Spanier gewinnt die Australian Open zum zweiten Mal.

Historisch! Rafael Nadal schnapp sich die 21. Grand-Slam-Trophäe. Der 35-jährige Spanier gewinnt die Australian Open zum zweiten Mal.

Keystone

Rafael Nadal hat in einem hochdramatischen Final der Australian Open die magische 21 geknackt und sich zum König der Grand-Slam-Turniere gekrönt. Der 35 Jahre alte Superstar besiegte den Weltranglistenzweiten Daniil Medwedew aus Russland im Hexenkessel von Melbourne nach grandiosem Comeback 2:6, 6:7 (5:7), 6:4, 6:4, 7:5 und steht als alleiniger Major-Rekordchampion ab sofort eine Stufe über seinen grossen Rivalen Roger Federer und Novak Djokovic.

Nadal gewann mit dem Triumph in dem 5:24 Stunden langen Thriller weit nach Mitternacht (Ortszeit) seinen insgesamt 21. Titel bei den vier wichtigsten Tennisturnieren der Welt - Federer und der vor dem Turnier nach einem weltweit beachteten juristischen Tauziehen ausgewiesene Weltranglistenerste Djokovic stehen bei 20. Zum vierten Mal in seiner Karriere und erstmals seit 2007 drehte der Mallorquiner einen 0:2-Satzrückstand - im Finale von Melbourne war dies noch nie einem Profi gelungen.

Daniil Medwedew erscheint in der Rod Laver Arena.
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Auch Rafael Nadal winkt den begeisterten Zuschauern zu, als er auf dem Centre Court auftaucht.
Das Foto mit der Trophäe: Für den Balljungen sicherlich ein grosser Moment.
Daniil Medwedew ist zu Beginn der Partie trotz seiner Grösse von 1,98 Metern schnell und agil unterwegs.
Rafael Nadal seinerseits schwitzt sehr stark.
Bereits nach wenigen Games muss deshalb ein erstes Mal der Platz getrocknet werden – von Hand.
Der Spanier findet im ersten Satz nicht zu seinem Spiel.
Der Russe hingegen zeigt starkes Tennis und holt sich den ersten Durchgang dank zwei Breaks mit 6:2.
Daraufhin wird Rafael Nadal stärker und holt sich im zweiten Satz sein erstes Break.
Medwedew gibt aber nicht auf, streckt sich nach jedem Ball und bleibt dem Spanier auf den Fersen.
Beim Stand von 5:3 stürmt ein Zuschauer den Platz. Die Sicherheitsleute bringen die Situation unter Kontrolle. Den beiden Akteuren passiert nichts.
Bei Rafael Nadal macht sich die Enttäuschung breit. Im Game, das vom Platzsturm unterbrochen wird, hat er Satzball, muss aber gleichwohl noch das Break hinnehmen.
Doch auch der jubelnde Rafael Nadal ist nicht weit: Hier gewinnt der das Game zum 6:5.
Daniil Medwedew ist enttäuscht, weil auch im Tiebreak ins Hintertreffen gerät.
Doch wenig später jubelt der Russe trotzdem über den Gewinn des zweiten Satzes.
Zum Start in den dritten Satz ist der Russe erneut der bessere Spieler und scheint näher an einem Break.
Rafael Nadal hadert zwischenzeitlich.
Aber Rafael Nadal wäre nicht Rafael Nadal, wenn er nicht noch etwas Kraft aufbringen würde. Beim Stand von 2:3 vereitelt er drei Breakchancen von Medwedew.
Dann kommt er beim Stand von 4:4 selbst zum Break und holt sich im Anschluss den dritten Satz mit 6:4.
Dem Russen Medwedew läuft es zu diesem Zeitpunkt nicht nach Wunsch.
Zwischenzeitlich enerviert er sich auch über die Zwischenrufe der Zuschauer.
Nadal holt sich derweil ein Break und präsentiert seinen Bizeps.
Daniil Medwedew muss sich am Oberschenkel behandeln lassen.
Wenig später holt er sich das Break zurück und gleicht zum 2:2 aus.
Nadal insistiert und kommt zum nächsten Aufschlags-Durchbruch. Es ist das 3:2 im vierten Satz.
Schiedsrichter John Blom muss die Zuschauer immer wieder ermahnen, die Spieler – vor allem Medwedew – zwischen den Aufschlägen nicht zu stören.
Kurz vor Mitternacht brüllt Rafael Nadal in den Nachthimmel von Melbourne. Er holt sich auch den vierten Satz und erzwingt einen fünften und damit entscheidenden Durchgang.
Im fünften Satz geht das Spiel dann an die Substanz. Nadal atmet einmal tief durch.
Nach 5:24 Stunden verwertet Nadal seinen ersten Matchball und bejubelt seinen 21. Grand-Slam-Titel.

Daniil Medwedew erscheint in der Rod Laver Arena.

Hamish Blair / AP

Für Nadal, der im vieldiskutierten Rennen um die Rolle als grösster Spieler der Geschichte vor allem Djokovic einen schwer zu verkraftenden Rückschlag verpasste, ist der nach grossen Verletzungsproblemen unverhoffte Triumph ein echter Meilenstein. Er komplettierte auch als erst vierter Spieler nach Djokovic sowie den australischen Ikonen Roy Emerson und Rod Laver seinen zweiten Karriere-Grand-Slam, die Australian Open hatte er zuvor einzig 2009 gewonnen.

Medwedew mit zweiter Finalniederlage gegen Nadal

Medwedew verpasste es dagegen nach seinem Triumph in New York im vergangenen September, sofort den zweiten Majortitel nachzulegen, was noch keinem Spieler seit Einführung des Profitennis 1968 gelungen ist. Für den 25-Jährigen war es in Down Under die zweite Finalniederlage in Folge, im vergangenen Jahr hatte er klar gegen Djokovic verloren, den er auch in der Weltrangliste angreifen wollte. Doch er vergab die Chance, ganz nah an die Nummer eins heranzurücken, was ursprünglich auch der Plan des früh gescheiterten Alexander Zverev war.

French Open 2005: Im Alter von 19 Jahren gewinnt Rafael Nadal seinen ersten Titel auf Stufe Grand Slam. In Paris gewinnt er den Final gegen Mariano Puerta mit 6:7, 6:3, 6:1 und 7:5.
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French Open 2006: Neues Jahr, altes Bild bei Roland Garros. Rafael Nadal heisst der strahlende Sieger. Er bezwingt Roger Federer mit 1:6, 6:1, 6:4 und 7:6.
French Open 2007: Dem Spanier gelingt der «Hattrick» in Paris. Wiederum heisst der Finalgegner Roger Federer und wiederum gewinnt Nadal in vier Sätzen – mit 6:3, 4:6, 6:3 und 6:4.
French Open 2008: Diesmal erteilt Nadal Federer eine regelrechte Lektion, überlässt ihm auf dem Weg zum vierten Erfolg in Paris nur gerade vier Games. Der Spanier gewinnt 6:1, 6:3 und 6:0.
Wimbledon 2008: Noch heute sprechen viele vom besten Grand-Slam-Final aller Zeiten. Rafael Nadal gewinnt ihn auf dem heiligen Rasen gegen Roger Federer mit 6:4, 6:4, 6:7, 6:7 und 9:7.
Australian Open 2009: Sein sechster Titel ist der erste in Melbourne. Ein weiteres Mal bezwingt Rafael Nadal Roger Federer in einem Grand-Slam-Final. Der Spanier siegt mit 7:5, 3:6, 7:6, 3:6 und 6:2.
French Open 2010: Nach einem Jahr Unterbruch holt sich Nadal den Titel bei den French Open von Roger Federer zurück. Er besiegt seinen Bezwinger aus dem Vorjahr, Robin Söderling, mit 6:4, 6:2 und 6:4.
Wimbledon 2010: Seinen zweiten Triumph in Wimbledon holt sich Rafael Nadal dank eines Sieges gegen Thomas Berdych. Er gewinnt in drei Sätzen – mit 6:3, 7:5 und 6:4.
US Open 2010: Der Spanier gewinnt das vierte Grand-Slam-Turnier des Jahres und feiert damit einen historischen Erfolg: Dank des Triumphes hat er im Alter von 24 Jahren alle vier Grand Slams mindestens einmal gewonnen. Er bezwingt Novak Djokovic im Final von New York mit 6:4, 5:7, 6:4 und 6:2.
French Open 2011: Einmal mehr heisst der Geschlagene Roger Federer. Rafael Nadal feiert derweil seinen sechsten Paris-Erfolg – dank eines 7:5, 7:6, 5:7 und 6:1 über den Schweizer.
French Open 2012: Nachdem er zuvor in drei Grand-Slam-Finals hintereinander gegen Novak Djokovic verliert, bezwingt er den Serben in Paris mit 6:4, 6:3, 2:6 und 7:5.
French Open 2013: Gegen seinen spanischen Landsmann David Ferrer siegt Rafael Nadal bei Roland Garros mit 6:3, 6:2 und 6:3.
US Open 2013: Wieder einmal stehen sich Rafael Nadal und Novak Djokovic in einem Grand-Slam-Final gegenüber. Das bessere Ende behält der Spanier für sich. Er gewinnt mit 6:2, 3:6, 6:4 und 6:1.
French Open 2014: Wieder muss Novak Djokovic dem Spanier zum Sieg gratulieren. In Paris gewinnt er neuerlich – in vier Sätzen: 3:6, 7:5, 6:2 und 6:4 lautet das Verdikt.
French Open 2017: Nach einer dreijährigen Durststrecke holt sich Rafael Nadal wieder einen Grand-Slam-Titel. Es ist der insgesamt zehnte in Paris. Er lässt Stan Wawrinka keine Chance und siegt 6:2, 6:3 und 6:1.
US Open 2017: In New York holt sich Nadal seinen 16. Grand-Slam-Sieg. Er besiegt den Südafrikaner Kevin Anderson in drei Sätzen. Am Ende steht ein 6:3, 6:3 und 6:4 auf der Anzeigetafel.
French Open 2018: Dieses Bild kennen wir – Nadal jubelt in Paris. Er bezwingt Dominic Thiem mit 6:4, 6:3 und 6:2.
French Open 2019: Und auch ein Jahr später führt kein Weg in Paris am Spanier vorbei. Er bezwingt Dominic Thiem erneut, diesmal in vier Sätzen. Nadal sieg mit 6:3, 5:7, 6:1 und nochmals 6:1.
US Open 2019: Diesmal heisst Daniil Medwedew der Finalgegner in New York. Dieser hindert Rafael Nadal aber nicht an seinem vierten Triumph in Flushing Meadows. Er siegt 7:5, 6:3, 5:7, 4:6 und 6:4.
French Open 2020: Wegen Corona wird Roland Garros in den Herbst verschoben. Der strahlende Sieger heisst dennoch Rafael Nadal. Im Final behält er gegen Novak Djokovic die Oberhand. Der Spanier gewinnt in drei Sätzen – 6:0, 6:2, 7:5 und holt den 20. Grand-Slam-Titel.
Australian Open 2022: Historisch! Rafael Nadal dreht das Finalspiel gegen Daniil Medwedew nach 0:2-Satzrückstand und gewinnt nach 5:24 Stunden hartem Kampf mit 2:6, 6:7, 6:4, 6:4, 7:5. Es ist der 21. Grand-Slam-Titel für den Mallorquiner.

French Open 2005: Im Alter von 19 Jahren gewinnt Rafael Nadal seinen ersten Titel auf Stufe Grand Slam. In Paris gewinnt er den Final gegen Mariano Puerta mit 6:7, 6:3, 6:1 und 7:5.

Keystone

Am Tag nach der grossen australischen Party und dem vielumjubelten ersten Heimsieg seit 44 Jahren durch Ashleigh Barty spürte Nadal sofort, wie schwer ein Erfolg gegen Medwedew werden würde. Den ersten Satz dominierte der fast fehlerfreie Russe.

Das Publikum feuerte Nadal lautstark an, der hatte im Turnierverlauf stets betont, dass der Grand-Slam-Rekord nicht über sein Glück entscheide. Nach Monaten mit Fussschmerzen und sogar Rücktrittsgedanken hatte er schon nach dem Finaleinzug Tränen der Rührung vergossen. Jetzt kämpfte der Ausnahmespieler verbissen darum, ins Match zu finden. Das gelang im zweiten Satz, und Nadal, der Medwedew 2019 im Finale von New York besiegt hatte, agierte nun auf Augenhöhe und breitete jubelnd die Arme nach dem dritten Durchgang aus.

Der Linkshänder bekam die zweite Luft und spielte im vierten Satz noch einmal deutlich aggressiver, Medwedew liess sich dagegen immer wieder auf Scharmützel mit dem Publikum ein und verlor zeitweise den Fokus.

Das Finale bot Hochspannung und war ein glänzender Schlusspunkt eines Turniers, das zu Beginn lange im Schatten des juristischen Tauziehens um die Einreise des ungeimpften Topstars Djokovic gestanden hatte. Nadal nutzte die Abwesenheit des Branchenprimus eiskalt aus. (sid)