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AUTOMOBIL: Gewitter über Sepang – Wolken über Vettel

Der Crash von Singapur am vorletzten Wochenende bleibt in Erinnerung: Im Saisonendspurt hat er Sebastian Vettel der WM-Chancen beraubt. Und doch gibt es vor dem Formel-1-GP von Malaysia Dinge, die den Deutschen noch hoffen lassen.
Wieder startklar: Formel-1-Pilot Sebastian Vettel. (Bild: Diego Azubel/Keystone (Singapur, 17. September 2017))

Wieder startklar: Formel-1-Pilot Sebastian Vettel. (Bild: Diego Azubel/Keystone (Singapur, 17. September 2017))

Sechs Sekunden haben alles verändert für Sebastian Vettel. Nur ein paar Augenblicke war der Ferrari-Pilot in Singapur unaufmerksam, doch der dann folgende Startunfall hatte Einfluss auf das ganze Jahr – er könnte Vettels Saison zerstört haben. Am Sonntag (9 Uhr MESZ/SRF zwei) beginnt mit dem Grossen Preis von Malaysia in Sepang das erste der letzten sechs Rennen, und Vettel ist gegen Mercedes-Star Lewis Hamilton klarer Aussenseiter.

«Einen solchen Rückschlag muss man wegstecken», sagt Vettel. «Ich kämpfe weiter.» Doch gut möglich, dass sich nun eine Vision erfüllt, die Toto Wolff schon im Frühjahr hatte. «Ich denke, der Kampf um die WM wird durch einen Ausfall entschieden», sagte der Mercedes-Motorsportchef damals angesichts des engen Duells. Vettels Unfall war nun die Premiere. Im 14. Saisonrennen kam erstmals einer der beiden Rivalen nicht ins Ziel – ausgerechnet auf der Strecke, die aufgrund ihrer Charakteristik fest eingeplant war für einen Ferrari-Sieg. Vettel hat jetzt 28 Punkte Rückstand auf Hamilton. Holt der Engländer am Sonntag seinen vierten Sieg in Serie und Vettel wird nicht Zweiter, darf schon wieder gerechnet werden: Dann nämlich könnte Vettel nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden. Hamilton würden fünf zweite Plätze in den restlichen Rennen auf jeden Fall reichen.

Und genau deshalb war es ein so riskantes, unüberlegtes Manöver, das Vettel in Singapur wagte. Als Titelkandidat mit allen Trümpfen in der Hand «gehe ich in der ersten Kurve nicht ein solches Risiko ein», sagt auch Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams. Und Hamilton frohlockte zuletzt in einer Talkshow, es sei «grossartig», dass Vettel in diesem Jahr schon so manche Schwäche offenbart habe.

Mercedes-Stallorder am Sonntag in Malaysia?

Hamilton liegt nach Problemen zu Saisonbeginn mittlerweile klar auf Kurs für seinen vierten Titel, auch seinen Stallrivalen Valtteri Bottas (51 Punkte zurück) hat er abgehängt. So gross ist der teaminterne Vorsprung, dass auch eine Stallregie bei Mercedes allmählich möglich scheint, das wäre ein weiteres Problem für Vettel.

Alles verloren also? Es gibt durchaus noch Ansätze, die dem viermaligen Champion Hoffnung machen dürfen. Zum einen hatte Mercedes trotz des Sieges in Singapur grosse Probleme mit der Balance des Autos, der Ferrari funktionierte erneut gut. Zum anderen gebe es eben «noch genügend Rennen, um den Rückstand aufzuholen. Ich glaube fest daran», sagt Vettel. Und in diesen Rennen dürfte das Kräfteverhältnis nicht ganz so eindeutig sein, wie es auf den ersten Blick wirken mag. Malaysia ist zwar Mercedes-Land, «die Charakteristik der Strecke mit ihren flüssigen Kurven und langen Geraden sollte unserem Auto gut liegen», sagt Wolff.

Allerdings sind über Sepang in der ganzen Woche Gewitter möglich, ein Qualifying oder Rennen im Regen würde vieles ändern.

Für den anschliessenden Grand Prix in Japan (8. Oktober) und den vorletzten WM-Lauf in Brasilien (12. November) darf Ferrari sich zudem gute Chancen ausrechnen, in Mexiko (29. Oktober) und beim Final in Abu Dhabi (26. November) scheinen Überraschungen zumindest möglich. Als absolute Mercedes-Strecke bleibt also nur noch der Kurs in Austin (22. Oktober).

So oder so wird Vettel zusätzlich wohl zumindest einen grösseren Aussetzer von Hamilton benötigen. Aber für einen solchen reichen ja schon wenige Sekunden.

Thomas Weitekamp (SID), Sepang

sport@luzernerzeitung.ch

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