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AUTOMOBIL: «Ich habe zwei Gesichter»

Marcel Fässler hofft, das 24-Stunden-Rennen in Le Mans mit Audi zum vierten Mal zu gewinnen. Der 40-jährige Einsiedler ist motivierter denn je.
Daniel Wyrsch
Entspannt sich mit Kajakfahren auf dem Sihlsee: der Einsiedler Marcel Fässler. (Bild Nadia Schärli)

Entspannt sich mit Kajakfahren auf dem Sihlsee: der Einsiedler Marcel Fässler. (Bild Nadia Schärli)

Daniel Wyrsch

Erst kürzlich hat Marcel Fässler einen neuen Mehrjahresvertrag mit Audi unterschrieben. Heute (ab 15.00, Eurosport) und am Sonntag visiert er mit den beiden Teamkollegen André Lotterer (De) und Benoît Tréluyer (Fr) nach 2011, 2012 und 2014 den vierten Sieg beim prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen von Le Mans an.

Den 40. Geburtstag hat er am 27. Mai mit seiner Familie (Ehefrau Isabel und den vier Töchtern Shana, Elin, Yael und Delia) sowie Freunden gefeiert. Doch das fortgeschrittene Alter ist für den Profi kein Grund, künftig kürzer zu treten. Fässler stellt klar: «Je älter ich werde, desto motivierter bin ich. Ich habe immer noch extrem Spass am Fahren – vor allem an den Rennen.»

Entspannen am Sihlsee

Der Einsiedler macht nach wie vor einen topfitten Eindruck. Bei unserem Besuch vor zwei Wochen in Gross am Sihlsee fährt er Kajak und lässt seine Muskeln spielen. Er erklärt, dass er sofort zu Muskelmasse komme und wegen des Gewichts aufpassen müsse, nicht zu schwer fürs Rennauto zu werden. Der See und die attraktiven Mountainbike-Strecken sind nicht nur der ideale Ort zum Trainieren, sondern auch zum Entspannen.

Eingespieltes Fahrertrio

Gerade in der Woche vor Le Mans herrsche bei den Beteiligten eine extreme Anspannung, sagt Fässler. «Ich spüre den Druck bereits zu Hause. Doch das ist keine Belastung, die Anspannung ist leistungsfördernd.» Ein Trumpf des Audi-Teams sei, dass er mit Lotterer und Tréluyer bereits die siebte gemeinsame Saison fährt. «Wir sind das erfolgreichste Trio, das derzeit aktiv ist. Wir sind charakterlich völlig verschieden, aber die Zusammenarbeit klappt. Wenn wir drei Super-Egos wären, würde es nicht funktionieren.»

Der Schwyzer gilt bei den Mitarbeitern, Fans und Journalisten als einer der freundlichsten Piloten. Ist er also eher ein Teamplayer? Fässler antwortet spontan und betont: «Man darf nicht vergessen, ich bin Zwilling und habe zwei Gesichter.» Er erklärt: «Egal, um welche Sportart es geht, wenn ich eine Startnummer habe, bin ich ein anderer, und der Ehrgeiz treibt mich an.» Das Verhältnis zu seinen Teamkollegen ist so gut, dass er Lotterer auch schon in dessen Wahlheimat Japan besucht hat. Aber jetzt zählen für das «Landei» Fässler, dem selbst das Dorf Einsiedeln als Wohnort zu gross ist, nicht die positiven Erlebnisse in der «sehr gut organisierten und sauberen Millionenstadt Tokio» sowie die kulinarischen Höhenflüge in derselbigen, sondern ein weiterer Erfolg in Frankreich: «Le Mans zu gewinnen, ist das wichtigste Ziel der Saison, das ist ein Prestigesieg, der weltweit beachtet wird.»

Einziger Schweizer Le-Mans-Sieger

Mit Neel Jani (Porsche) und Sebastien Buemi (Toyota) hat Fässler Landsleute als harte Konkurrenten. «Wir sind zwar Gegner auf der Strecke, verstehen uns aber sonst gut», sagt Fässler. Der Schwyzer ist übrigens bislang der einzige Schweizer Sieger in der Geschichte von Le Mans.

Zwischen 3:15 und maximal 4 Stunden – so lange ein Reifensatz hält – dauern die Einsätze von Fässler am legendären 24-Stunden-Rennen. Danach folgt eine Pause von 6:30 Stunden. Kann er in den Pausen schlafen? «Mittlerweile geht es recht gut, ich kann mich erholen, es ist aber mehr dösen als schlafen.»

In seinem Audi-Team wird stets eine Reihenfolge der Fahrereinsätze eingehalten. «Ich fahre ab 21.30 Uhr als Erster in die Nacht hinein. Später, beim nächsten Einsatz, fahre ich aus der Nacht heraus in den Morgen.» Bei Dunkelheit sehe er auf der grösstenteils unbeleuchteten Strecke nur die Lichtkegel der Scheinwerfer. «Da fühlt man sich schon allein. Orientierung geben die Katzenaugen an den Leitplanken, um den richtigen Bremspunkt zu finden.»

Fässler weiss: «Für die Fans herrscht in Le Mans eine Riesenstimmung. Es gibt viel Party, die meisten schauen nur den Start und den Zieleinlauf. Diese besondere Atmosphäre möchte ich nach meiner Karriere auch mal erleben.» Für den früheren DTM-Profi ist es ein Traum gewesen, an diesem berühmten Rennen überhaupt zu starten. Bei den ersten fünf Teilnahmen ist er nicht ins Ziel gekommen. Mit Audi wurde er beim ersten Mal Zweiter – und schon beim zweiten Start für den deutschen Hersteller siegte Fässler. «Ich hätte nie gedacht, dass ein Sieg so emotional sein kann. Le Mans ist wie im Skisport Kitzbühel und im Tennis Wimbledon – dort zu siegen, ist einfach überwältigend.»

Support von Mutter und Schwester

Seine Frau und die vier schulpflichtigen Töchter, die ihn auch schon in Spa (Be) unterstützt haben, werden nicht nach Le Mans reisen. Dafür kommen seine Mutter und die Schwester erstmals an das wichtigste Langstreckenrennen der Welt. «Schön, erleben sie das Rennen zusammen», freut sich Fässler und hofft, dass sie am Sonntag nach 15 Uhr mit ihm den vierten Le-Mans-Triumph feiern können.

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