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AUTOMOBIL: Medienmogul nimmt nochmals Fahrt auf

John Malone ist in den USA seit 40 Jahren einer der einflussreichsten Medienunternehmer – auch wenn er in der Öffentlichkeit eher unbekannt ist. Jetzt steigt er in die Formel 1 ein.
Renzo Ruf, Washington
Neuer Besitzer der Formel 1: John Malone (75) will von der Beliebtheit des Motorsports in den USA profitieren. (Bild: Getty/Drew Angerer)

Neuer Besitzer der Formel 1: John Malone (75) will von der Beliebtheit des Motorsports in den USA profitieren. (Bild: Getty/Drew Angerer)

Renzo Ruf, Washington

75 Jahre alt und mehr als sieben Milliarden Dollar schwer: Eigentlich könnte John Malone nun an den Ruhestand denken. Doch der gewiefte Unternehmer will sich nicht auf die faule Haut legen. Nachdem er im vorigen Jahr mit einer Mega-Fusion den amerikanischen Kabelfernsehmarkt aufgemischt hatte, versucht sich der Medienunternehmer nun im Geschäft mit schnellen Flitzern. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Liberty Media Corporation, die von Malone kontrolliert wird, die Firma Delta Topco vollständig übernehmen wird – die Muttergesellschaft der Formel 1. 8,5 Milliarden Dollar lässt sich Malone den Deal kosten.

Das neue Unternehmen soll den Namen ­Formula One Corporation tragen und von der neu gewonnenen Beliebtheit des Motorsports in den USA profitieren. Die Konkurrenz ist allerdings hart: Bereits jetzt kämpfen in Amerika die Nascar-Flitzer – aufgedonnerte Serienwagen – mit den Boliden der Indycar Series um Fernsehzuschauer und Werbedollars.

Cablecom übernommen

Ein Blick in die Biografie von Malone zeigt aber, dass er bereits weit grössere Herausforderungen bewältigt hat. An der Spitze der Firma TCI – dem eigentlichen Pionier der Kabelfernsehbranche in den USA – sorgte der Absolvent der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (Maryland) in den 1970er- und 1980er-Jahren dafür, dass sein Unternehmen massiv expandierte. Mit einer Reihe von komplexen Transaktionen, seiner eigentlichen Spezialität, behielt das in Denver (Colorado) domizilierte Unternehmen in einer stark regulierten Branche die Oberhand. 1998 erfolgte der Verkauf an den Telekommunikationskonzern AT&T für 48 Milliarden Dollar und die Ablösung von Malone als «King of Cable».

Der Multimilliardär suchte sich ein neues Betätigungsfeld und begann in Firmen zu investieren, die ­Medieninhalte (auf Englisch: «Content») produzierten und vertrieben. Über seine Holding­gesellschaften kaufte er sich Anteile von Firmen wie AOL, News International (dem Vehikel von Medienbaron Rupert Murdoch) und dem Satellitenradio-Anbieter Sirius XM. Auch in der Schweiz wurde Malone aktiv. 2005 übernahm Liberty Global – zuständig für das Geschäft ausserhalb der USA – für 2,83 Milliarden Franken die Cablecom, die heute unter dem Namen UPC auftritt.

24 Millionen Kunden

2013 folgte die Rückkehr in das Telekommunikationsgeschäft. Malone stieg als Minderheitsaktionär bei Charter Communications ein, einem 1993 in Missouri gegründeten Kabelunternehmen. Obwohl er das Unternehmen, das nun in Connecticut domiziliert ist, nicht offiziell kontrollierte (sein Aktienpaket belief sich anfänglich auf etwa 27 Prozent), galt er doch als der starke Mann des aggressiv auftretenden Konzerns. «Wenn er spricht, höre ich ihm zu», sagte Charter-Konzernchef Thomas Rutledge der «New York Times». «Ich weiss, was er denkt, und er weiss, was ich denke.» Ihr eigentliches Gesellenstück lieferten Rutledge und Malone vor einem Jahr ab, als Charter Communications die Übernahme von Time Warner Cable und Bright House Networks bekannt gab, für den stolzen Preis von insgesamt 67,1 Milliarden Dollar. Bei Time Warner Cable handelt es sich um die frühere Kabelsparte des Medienhauses Time Warner, das Filme produziert und Zeitschriften herausgibt. Malone ist Minderheitsaktionär von Time Warner. Mit der Übernahme wurde Charter zum zweitgrössten Kabelfernsehanbieter der USA mit einem Kundenstamm von rund 24 Millionen Menschen.

Grösster privater Landbesitzer

Dank dieses Deals hat sich John Malone seinen alten Titel – «King of Cable» – zurückerobert. Im Gegensatz zu seiner ersten Regentschaft kontrolliert er nun nicht nur den Vertrieb, sondern auch die Produktion von Unterhaltungsprogrammen. So ist er am Shopping-Sender QVC beteiligt. Zudem besitzen die Malone-Firmen Liberty Media und Liberty Interactive Anteile an einem Baseballteam (den derzeit miserablen Atlanta Braves), einem Online-Reisebüro (Expedia), einem virtuellen Kreditbüro (LendingTree) und einer Online-Boutique (Zulily). Hinzu kommt auch noch der Bezahlsender Starz Entertainment.

Weniger bekannt ist die private Seite des unermüdlichen Unternehmers. Seit einigen Jahren gilt Malone als der ­grösste private Landbesitzer Amerikas, nachdem er sich in Maine rund 400 000 Hektaren Wald gekauft hatte. Dank weiterer Grundstücke in Colorado, New Hampshire, New Mexiko und Wyoming sollen seine Güter rund 900 000 Hektaren gross sein. Experten sagen, dass Malone das Land vor allem gekauft habe, um es vor der wirtschaftlichen Ausbeutung zu schützen. Trotz seines Reichtums gilt Malone als bescheiden. Angeblich reiste er jahrelang mit seiner Gattin und den Familienhunden im privaten Wohnmobil durch das Land. Ganz billig war dieses Gefährt aber nicht. Unter Insidern ist die Rede von einem Kaufpreis von mehr als einer Million Dollar. Am nötigen Kleingeld fehlt es John Malone nicht.

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