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AUTOMOBIL: Mit dem «Start des Lebens» zum Sieg

Valtteri Bottas holt sich beim Grand Prix von Österreich seinen zweiten Sieg in der Formel 1. Der 27-jährige Finne triumphierte in Spielberg nach einem Start auf Messers Schneide vor Sebastian Vettel.
Valtteri Bottas (Bild: keystone, 9. Juli 2017)

Valtteri Bottas (Bild: keystone, 9. Juli 2017)

Mit der Steiermark verbindet Valtteri Bottas besonders schöne Momente. Vor drei Jahren erreichte er auf dem Circuit in Spielberg erstmals in seiner Formel-1-Karriere einen Podestplatz, im neunten Rennen dieser Saison durfte er zum zweiten Mal nach Ende April in Sotschi die oberste Stufe des Podestes besteigen. Die Grundlage hierfür legte Bottas mit einem Start, der für viel Diskussionsstoff sorgte. Der Nordländer nahm volles Risiko und zog beim Erlöschen der Lichter von der Pole-Position aus auf und davon. Die Reaktionszeit des Finnen im Mercedes betrug 0,201 Sekunden (Vettel: 0,369 Sekunden), womit sofort der Verdacht aufkam, er habe einen Frühstart (Jump Start) begangen. Einen solchen konnten die Rennkommissäre aufgrund der Sensordaten letztlich aber nicht ausmachen. Bottas’ Timing beim Spiel mit dem Feuer passte perfekt: «Das war der Start meines Lebens.» Derweil sich der Finne uneingeschränkt freute, konnte sich Sebastian Vettel mit der Millisekunden-Entscheidung pro Bottas unmittelbar nach dem Rennen nicht wirklich abfinden.

So spektakulär der Start war, so ereignisarm verlief das Rennen in der Folge. Bottas vergrösserte zunächst den Vorsprung gegenüber Vettel zusehends – bei Rennhälfte und vor dem ersten Boxenstopp waren es mehr als sechs Sekunden. Im Finale kam Vettel nochmals bedrohlich nahe an den Sieger heran. Eine Rennrunde mehr, und der im Thurgau wohnhafte Hesse wäre möglicherweise an Bottas vorbeigezogen. Dieser absolvierte mehr als die Hälfte des Rennens mit der weichsten Reifenmischung, klagte nach dem Boxenstopp jedoch über «massive Blasenbildung an den Hinterreifen».

Nun ist es ein Drei- statt Zweikampf

Seit Monaten ist von einem Titelduell zwischen Vettel und Lewis Hamilton die Rede, der erfolgreichste Fahrer der letzten drei Grands Prix ist mit 61 Punkten jedoch Bottas. Aus einem Zwei- könnte auch langfristig durchaus ein Dreikampf werden. Bottas jedenfalls glaubt kurz vor Saisonhälfte an seine Chance. «Ich war nie raus aus der Entscheidung um den Titel», so der Dritte der Gesamtwertung. Sein Rückstand auf Leader Vettel beträgt 35 Zähler, jener auf Teamkollege Hamilton deren 15.

Bottas’ Leistungen in dieser Saison sind umso erstaunlicher, als er sich bei Mercedes eigentlich noch immer in einer Anpassungsphase befindet. Er absolvierte erst neun Rennen für die Silberpfeile, betrieb in diesen jedoch beste Eigenwerbung. Nach dem unerwarteten Rücktritt von Nico Rosberg wurde der Finne vor einem halben Jahr lediglich mit einem Einjahresvertrag ausgestattet. Eine Notlösung, wie viele Skeptiker zunächst dachten, sieht allerdings anders aus.

Null Punkte für Sauber, acht für Grosjean

Das Team Sauber musste die Heimreise aus Spielberg nicht unerwartet ohne Zähler antreten. Pascal Wehrlein (14.) und Marcus Ericsson (15.) besassen keine reelle Chance, um in den Kampf um die Top 10 eingreifen zu können.

Positiv aus Sicht des Hinwiler Rennstalls, dessen Suche nach einem neuen Teamchef noch nicht abgeschlossen ist, war einzig der Umstand, dass sich McLaren-Honda ebenfalls keine Punkte gutschreiben lassen durfte und der 9. Rang in der Konstrukteurswertung so weiterhin Tatsache ist. Die jüngste Performance-Entwicklung spricht im Kampf um den vorletzten Platz allerdings für McLaren.

Einen starken Auftritt legte im neunten Rennen des Jahres Romain Grosjean hin. Als Sechster gestartet, verteidigte der Genfer mit französischer Lizenz diese Position gekonnt. Seinem Team Haas bescherte er zum vierten Mal in den vergangenen fünf Grands Prix WM-Punkte. Diesmal waren es gar deren acht.

Roman Eberle (SDA)

sport@luzernerzeitung.ch

GP von Österreich

Spielberg. 71 Runden à 4,318 km/306,452 km: 1. Bottas (FIN), Mercedes, 1:21:48,523 (224,757 km/h). 2. Vettel (GER), Ferrari, 0,658 Sekunden zurück. 3. Ricciardo (AUS), Red Bull-Renault, 6,012. 4. Hamilton (GBR), Mercedes, 7,430. 5. Räikkönen (FIN), Ferrari, 20,370. 6. Grosjean (FRA/SUI), Haas-Ferrari, 73,160. 7. eine Runde zurück: Perez (MEX), Force India-Mercedes. 8. Ocon (FRA), Force India-Mercedes. 9. Massa (BRA), Williams-Mercedes. 10. Stroll (CAN), Williams-Mercedes. 11. Palmer (GBR), Renault. 12. Vandoorne (BEL), McLaren-Honda. 13. Hülkenberg (GER), Renault. 14. Wehrlein (GER), Sauber-Ferrari. 15. zwei Runden zurück: Ericsson (SWE), Sauber-Ferrari. 16. drei Runden zurück: Kwjat (RUS), Toro Rosso-Renault. – 20 Fahrer gestartet, 16 klassiert und am Ziel. – Schnellste Runde: Hamilton (69.) mit 1:07,411 (230,597 km/h). – Ausfälle: Verstappen (1. Runde/Startplatz 5): Kollision mit Kwjat/Alonso. Alonso (2./19. Platz): Kollision mit Kwjat. Magnussen (30./16.): Hydraulik. Sainz (45./14.): Ölsystem.

WM-Stand (9/20). Fahrer: 1. Vettel 171. 2. Hamilton 151. 3. Bottas 136. 4. Ricciardo 107. 5. Räikkönen 83. 6. Perez 50. 7. Verstappen 45. 8. Ocon 39. 9. Sainz 29. 10. Massa 22. 11. Stroll 18. 12. Hülkenberg 18. 13. Grosjean 18. 14. Magnussen 11. 15. Wehrlein 5. 16. Kwjat 4. 17. Alonso 2. – Teams: 1. Mercedes 287. 2. Ferrari 254. 3. Red Bull-Renault 152. 4. Force India-Mercedes 89. 5. Williams-Mercedes 40. 6. Toro Rosso-Renault 33. 7. Haas-Ferrari 29. 8. Renault 18. 9. Sauber-Ferrari 5. 10. McLaren-Honda 2.

Hinweis

Nächstes Rennen: Grand Prix von Grossbritannien in Silverstone am 16. Juli.

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