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AUTOMOBIL: Vettel schliesst Frieden mit Crash-Pilot Verstappen

Erst ausgebremst, dann abgeschossen: Sebastian Vettel erlebt beim Grossen Preis von China ein Debakel. Dass es in Schanghai nur zu Platz acht reicht, liegt am Strategiefehler von Ferrari – und an Max Verstappen.
Christian Menath (sid), Schanghai
Hatte nichts zu lachen: der Deutsche Sebastian Vettel. Bild: Diego Azubel/EPA (Schanghai, 15. April 2018) (Bild: Diego Azubel/EPA (Schanghai, 15. April 2018))

Hatte nichts zu lachen: der Deutsche Sebastian Vettel. Bild: Diego Azubel/EPA (Schanghai, 15. April 2018) (Bild: Diego Azubel/EPA (Schanghai, 15. April 2018))

Christian Menath (SID), Schanghai

sport@luzernerzeitung.ch

Die Standpauke für Crash-Pilot Max Verstappen beendete Sebastian Vettel (30) mit einer grosszügigen Geste der Versöhnung. Der enttäuschte Ferrari-Star klopfte «Mad Max» nach klaren Worten im Vieraugengespräch aufmunternd auf die Schulter. Seinen von Verstappen verschuldeten Absturz beim Grossen Preis von China und den ersten Rückschlag im WM-Duell mit Weltmeister Lewis Hamilton konnte Vettel verschmerzen.

«Er hat sich entschuldigt», sagte der Deutsche, für den das Rennen in Schanghai nicht zuletzt wegen des Unfalls mit Verstappen zum Debakel geworden war. Von der Pole-Position startend reichte es beim Sieg des Australiers Daniel Ricciardo (Red Bull) nur zu Platz acht. Im Titelrennen mit Hamilton (Mercedes) gab Vettel nach den Siegen in Australien und Bahrain wichtige Punkte und einen sicher geglaubten Vorteil aus der Hand.

Dennoch verlässt er China als WM-Führender, denn Hamilton selbst kam nicht über den ebenfalls enttäuschenden vierten Rang hinaus. Vettel hat mit nun 54 Punkten noch neun Zähler Vorsprung auf den Briten.

«Beide Rennen zerstört»

Die Fehler lagen am Sonntag nicht beim Deutschen. Zu einem Zeitpunkt, als Vettel die Führung in Schanghai längst verloren hatte, knallte Verstappen völlig übermotiviert in den Ferrari des viermaligen Weltmeisters. Beide Boliden drehten sich. «Er war zu spät auf der Bremse», erklärte Vettel, der wenig Verständnis für das heikle Manöver des Red-Bull-Piloten aufbrachte: «Ich hätte ihn später ohnehin vorbeilassen müssen. So hat er beide Rennen zerstört. Er hätte locker auf das Podium fahren können. Ich habe Glück gehabt, dass ich noch weiterfahren konnte.»

Immer wieder Max Verstappen. Nicht zum ersten Mal sorgte der talentierte Niederländer mit seiner aggressiven Fahrweise für brenzlige Situationen. In Bahrain hatte er sich bei einem gescheiterten Überholmanöver den Hinterreifen bei Hamilton aufgeschlitzt, in Schanghai war Vettel der Leidtragende. Der 20-jährige Verstappen suchte das Gespräch mit Vettel und zeigte sich ungewohnt einsichtig. «Das war scheisse», sagte er. «Natürlich war es meine Schuld.» Verstappen kassierte eine Zehn-Sekunden-Strafe und rutschte dadurch noch auf Platz fünf hinter Lewis Hamilton ab.

Die einzige Ursache für Vettels Niederlage war Verstappens Rammstoss allerdings nicht. Ferrari hatte sich deutlich früher einen groben taktischen Fehler geleistet: Mercedes schickte den am Ende zweitplatzierten Valtteri Bottas vor Vettel zum Reifenwechsel und traf damit die richtige Entscheidung. Auf frischen Pneus war der Finne deutlich schneller unterwegs. Ferrari liess Vettel trotz dieser Gefahr noch zu viele langsamere Runden auf alten Reifen drehen. Als Vettel nach seinem Stopp am Ende der Boxengasse wieder auf die Strecke einbog, zog Bottas vorbei. Der Vorteil der Pole war damit leichtfertig aus der Hand gegeben. Die Fehleinschätzung ärgerte Vettel noch mehr als der spätere Crash. «Wir hatten das Rennen im Griff», sagte Vettel, «wir waren uns sicher, dass es mit dem Abstand reicht. Da haben wir uns ein bisschen vertan.»

Schwacher Hamilton

Grosser Frust herrschte auch bei den Silberpfeilen. Zwar stand Bottas wieder auf dem Podium, das Ergebnis auf dem Mercedes-Kurs in Schanghai war dennoch unbefriedigend. «Es lief das ganze Wochenende nicht gut. Das war nicht das Level, das wir uns erhofft haben», sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Insbesondere Weltmeister Hamilton, mit sechs Erfolgen Rekordsieger in China, zeigte ein schwaches Rennen – und zog als Vierter nur wenig Profit aus Vettels Debakel.

GP von China

Schanghai. 56 Runden à 5,451 km/305,066 km: 1. Ricciardo (AUS), Red Bull-Renault, 1:35:36,380 (191,451 km/h). 2. Bottas (FIN), Mercedes, 8,894 zurück. 3. Räikkönen (FIN), Ferrari, 9,637. 4. Hamilton (GBR), Mercedes, 16,985. 5.* Verstappen (NED), Red Bull-Renault, 20,436. 6. Hülkenberg (GER), Renault, 21,052. 7. Alonso (ESP), McLaren-Renault, 30,639. 8. Vettel (GER), Ferrari, 35,286. 9. Sainz (ESP), Renault, 35,763. 10. Magnussen (DEN), Haas-Ferrari, 39,594. 11. Ocon (FRA), Force India-Mercedes, 44,050. 12. Perez (MEX), 44,725. 13. Vandoorne (BEL), McLaren-Renault, 49,373. 14. Stroll (CAN), Williams-Mercedes, 55,490. 15. Sirotkin (RUS), Williams-Mercedes, 58,241. 16. Ericsson (SWE), Alfa Romeo Sauber-Ferrari, 62,604. 17. Grosjean (FRA/SUI), Haas-Ferrari, 65,296. 18.** Gasly (FRA), Toro Rosso-Honda, 66,330. 19. Leclerc (MON), Alfa Romeo Sauber-Ferrari, 82,575. 20. Hartley (NZL), Toro Rosso-Honda (nicht am Ziel). – * 10 Sekunden Zuschlag (verschuldete Kollision mit Vettel). – ** 10 Sekunden Zuschlag (verschuldete Kollision mit Hartley).

Ausfall: Hartley (52. Runde/20. Platz): Getriebe.

WM-Stand (3/21). Fahrer: 1. Vettel 54. 2. Hamilton 45. 3. Bottas 40. 4. Ricciardo 37. 5. Räikkönen 30. 6. Alonso 22. 7. Hülkenberg 22. 8. Verstappen 18. 9. Gasly 12. 10. Magnussen 11. 11. Vandoorne 6. 12. Sainz 3. 13. Ericsson 2. 14. Ocon 1. – Teams: 1. Mercedes 85. 2. Ferrari 84. 3. Red Bull-Renault 55. 4. McLaren-Renault 28. 5. Renault 25. 6. Toro Rosso-Honda 12. 7. Haas-Ferrari 11. 8. Alfa Romeo Sauber-Ferrari 2. 9. Force India-Mercedes 1. 10. Williams-Mercedes 0.

Nächstes Rennen: Grand Prix von Aserbaidschan in Baku am 29. April.

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