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Grandioses Tennis-Comeback

Timea Bacsinszky gewinnt in der 1. Runde der Australian Open erstmals seit ihrer Handgelenksoperation gegen eine Top-Ten-Spielerin. Die Waadtländerin deklassiert Daria Kassatkina 6:3, 6:0.
Interview: Simon Häring, Melbourne
Nach der Verletzungspause wieder mit viel mehr Biss: Timea Bacsinszky. (Bild: Andy Brownbill/AP (Melbourne, 15. Januar 2019))

Nach der Verletzungspause wieder mit viel mehr Biss: Timea Bacsinszky. (Bild: Andy Brownbill/AP (Melbourne, 15. Januar 2019))

Anderthalb Jahre musste Timea Bacsinszky (29) auf einen Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier warten. Nach zahlreichen Verletzungen war die Romande in der Weltrangliste weit zurückgefallen. Aber nun gelang ihr mit einem 6:3, 6:0-Sieg gegen die ­favorisierte Russin Daria Kassatkina (WTA 10) der Befreiungsschlag. Mit Natalja Wichljanzewa (WTA 134) trifft sie jetzt auf eine weitere Russin. Nach ihrem Sieg sprach Bacsinszky über ihr Martyrium.

Timea Bacsinszky, woran haben Sie sich in den letzten Monaten geklammert, als Sie dauernd verloren und der Körper streikte?

Ich habe mir einfach gesagt, dass es nur besser werden kann. Den Tiefpunkt hatte ich erreicht, als ich im letzten Herbst in Montreux gegen Ylenia In-Albon ­verloren habe. Dort dachte ich: Jetzt höre ich auf. Ich will nicht mehr in dieser Situation sein. Ich führte dann viele Gespräche. Mit meinem Verlobten, meinem Trainer Erfan, mit Benni, meinem Konditionstrainer, und mit der Psychotherapeutin. Das war der Wendepunkt.

Sie sind bereits drei Monate nach Ihrer Operation an der Hand zurückgekehrt. War das zu früh?

Ja, definitiv zu früh. Doch ich hatte auch Pech, dass ich die ersten neun Partien verlor. Es war ein Albtraum. Ich sagte: «Liebe Tennisgötter, gebt mir eine Gegnerin, die nicht in Form ist!»

Aber Sie haben nie auf­gegeben.

Ich hatte immer den Traum, dass ich wieder Tennis auf hohem Niveau spielen kann. Ich bin sehr stolz auf mich und dankbar. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, von so guten Leuten um­geben zu sein. Sie haben mir durch eine schwierige Zeit in meinem Leben geholfen. Es war für sie nicht immer ein­ fach, mich in einer dermassen schlechten mentalen und körperlichen Verfassung zu sehen.

Wie war das für Ihren Ver­lobten?

Er hat mit den Antrag gemacht, er wusste also, auf was er sich ­einlässt. (lacht) Im Ernst: Er war jeden Tag an meiner Seite. Er musste viel aushalten, wenn ich den ganzen Tag zu Hause war und schlechte Laune hatte. Ich danke aber auch meinen Schwestern und meiner Mutter. Dieser Sieg ist auch für sie.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich habe kein riesiges Selbst­vertrauen, aber ich bin stolz ­darauf, wie ich meinen Weg ­gegangen bin. Denn ich stellte mir viele Fragen. Wenn du 29 Jahre alt bist, hast du viele ­Zweifel. Du weisst, dass es das letzte Drittel der ­Karriere ist. ­ Ich fühlte mich, als laufe mir die Zeit davon. Als Sportler ist deine Zeit beschränkt. Deshalb fühlst du ­dich verwundbarer. Rock­stars haben mehr ­Jahre. (lacht)

Wie lange wollen Sie denn noch Tennis spielen?

Vielleicht bin ich durch meine Pause nun noch motivierter, weil ich durchatmen konnte. Wenn du dauernd unterwegs bist, ist das ermüdend. Vielleicht habe ich dadurch jetzt nicht mehr nur noch zwei, sondern sechs Jahre. Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass mein Weg noch lange ist.

Hat es also auch geholfen, dass Sie Ihre Karriere einmal für mehrere Monate unterbrochen haben?

Ich kam zu früh zum Tennis, war zu früh zu gut. Ich brauchte eine Pause, in der ich darüber nachdenken konnte, was ich gerne tue. Vorher gab es immer Leute um mich herum, die mir gesagt haben, was ich zu tun habe. Aber mein Leben gehört mir, und ich treffe die Entscheidungen. Die Pause war für mich ein Augenöffner. Ich habe danach mehr ­erreicht, als ich mir je erträumt hätte. Heute glaube ich: Jeder ist ohne Limit.

Bei Andy Murray hat der Körper entschieden, wann die Karriere endet. Was denken Sie darüber?

Es macht mich traurig, und ich musste weinen, weil ich mich an Situationen erinnert habe, in denen ich mich ähnlich gefühlt habe. Das ist es, was ich am meisten fürchte: Nicht selber entscheiden zu können, wann und wie ich meine Karriere beende.

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