BADMINTON: Vom Diskus zu Racket und Shuttle

Früher warf und stiess Lene Schelbert Urner Rekorde in der Leichtathletik. Nun scheffelt die 56-Jährige nationale Titel im Badminton. Inzwischen hat sie bereits deren 13 auf ihrem Konto.

Urs Hanhart
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Noch kein bisschen wettkampfmüde: die 56-jährige Lene Schelbert aus Flüelen. (Bild: Urs Hanhart (Stansstad, 2. Mai 2017))

Noch kein bisschen wettkampfmüde: die 56-jährige Lene Schelbert aus Flüelen. (Bild: Urs Hanhart (Stansstad, 2. Mai 2017))

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

In der Trainingshalle des Badmintonclubs Stansstad fliesst der Schweiss in Strömen. Auf vier Feldern wird gleichzeitig trainiert. Die Wettkampfspieler dreschen die Shuttles im Sekundentakt über die Netze. Lene Schelbert, eine von zwei Urnerinnen, die für den Nidwaldner Verein das Racket schwingen, ist noch mit ihrem Aufwärmprogramm beschäftigt, muss aber immer wieder kleine Pausen einlegen.

Während dieser Pausen stossen Vereinskollegen zur 56-jährigen Athletin, um ihr zur tollen Leistung zu gratulieren, die sie kürzlich an der Schweizer Seniorenmeisterschaft in Bern abgeliefert hat. Schelbert holte im Frauen-Doppel zusammen mit ihrer Partnerin Silvia Lüthi-Tripet die Goldmedaille. Und auch im Mixed-Doppel durfte sie gemeinsam mit Pascal Estermann zuoberst auf das Podest steigen. Nebst diesen beiden goldenen Auszeichnungen gewann die Urnerin im Einzel noch eine Bronzemedaille.

Inhaberin des ältesten Urner Rekords

Mit dieser stolzen Ausbeute avancierte die gebürtige Dänin zur erfolgreichsten Akteurin unter den 367 Teilnehmenden. «Das war ein sehr intensives Turnier für mich. Insgesamt habe ich an den beiden Wettkampftagen 33 Sätze gespielt. Ich war zwar sehr müde, aber umso glücklicher, dass es mir derart gut gelaufen ist», resümiert Schelbert.

Die 1,86 Meter grosse Sportlerin weist eine ungewöhnliche Karriere aus. Im Alter von 24 Jahren kam sie der Liebe wegen ins Urnerland und war schon bald Mitbegründerin des LC Altdorf, den sie dann später während zehn Jahren auch präsidierte. Als aktive Leichtathletin machte sich Schelbert vor allem als starke Werferin und Kugelstösserin einen Namen. Mit den 1986 erzielten 34,28 Metern hält sie im Diskuswerfen noch immer den mittlerweile ältesten Urner Rekord bei den Frauen.

1989 beendete sie ihre Leichtathletiklaufbahn und fand Mitte der 1990er-Jahre zum Badminton. «Zunächst habe ich nur hin und wieder hobbymässig gespielt. Aber mit der Zeit hat mich das Wettkampffieber wieder gepackt», verrät Schelbert und fügt an: «Badminton ist eine faszinierende, weil sehr dynamische Sportart, denn man wird sehr vielfältig gefordert. Gefragt sind ein gutes Reaktionsvermögen, taktisches Geschick, eine gute Kondition und im Doppel auch eine grosse Portion Teamgeist.»

Bereits 13 nationale Titel errungen

Schelbert, die in einer Urner Pharmafirma als Prüfleiterin arbeitet, trat dem Badmintonclub Altdorf bei und begann, regelmässig Turniere zu bestreiten. Später wechselte sie dann nach Stansstad, weil sie dort in der Meisterschaft eine Liga höher spielen konnte. In den vergangenen rund 20 Jahren hat die dänisch-schweizerische Doppelbürgerin Erfolg an Erfolg gereiht. Ihr Palmarès ist höchst eindrücklich. An Schweizer Seniorenmeisterschaften hat sie mittlerweile bereits 31 Medaillen geholt, darunter nicht weniger als 13 goldene.

Dass sich die Wahl-Flüelerin erst in der Schweiz dem Badminton verschrieben hat, ist schon etwas speziell. In ihrem Heimatland Dänemark gehört diese olympische Sportart nämlich zu den populärsten überhaupt, gleich hinter Handball und Fussball. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die Skandinavier immer wieder Weltklassespieler hervorgebracht haben. «Als Jugendliche habe ich nur sporadisch etwas Federball gespielt. Für mich hatte die Leichtathletik damals erste Priorität.»

Aufhören ist derzeit kein Thema

«Meine Stärken sind dank meiner Körpergrösse die grosse Reichweite, meine Reaktionsfähigkeit, die ich als Leichtathletin gut schulen konnte, mein Wille und meine grosse Spielfreude», weiss Schelbert und ergänzt selbstkritisch: «Noch verbesserungswürdig ist bei mir der Bewegungsablauf nach hinten. Diesbezüglich ist die Körpergrösse eher ein Nachteil.» Um das Spielniveau zu halten oder gar noch verbessern zu können, absolviert der grosse Fan von Katzen in der Regel wöchentlich zwei Trainingseinheiten.

Das Racket an den Nagel zu hängen, ist für Schelbert vorderhand kein Thema. «Solange mir das Badmintonspielen Spass bereitet und meine Knochen sowie Gelenke der Belastung standhalten, mache ich weiter.» Es ist also durchaus denkbar, dass ihre immense Medaillensammlung in den nächsten Jahren noch weiteren Zuwachs erhalten wird ...