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Bänz Friedli über den FCL-Trainer: «Für Häberli wäre YB ein zu grosses Gebilde»

Der Berner Autor, Kabarettist und Sprachkünstler Bänz Friedli ist seit Jahrzehnten YB-Fan. Er erklärt, warum FCL-Trainer Thomas Häberli in Bern so beliebt ist, und wie er den designierten YB-Meistertrainer Gerardo Seoane erlebt.
Daniel Wyrsch
Erhielt als einziger YB-Spieler überhaupt ein Abschiedsspiel: Thomas Häberli. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone (Bern, 9. Oktober 2009))

Erhielt als einziger YB-Spieler überhaupt ein Abschiedsspiel: Thomas Häberli. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone (Bern, 9. Oktober 2009))

Thomas Häberli wird am Donnerstag 45 Jahre alt. Am Mittwoch (18.45 Uhr) versucht der Trainer mit dem FC Luzern zum zweiten Mal innerhalb eines Monats, Meister YB in der Swisspor-Arena zu besiegen.

In Bern ist der Seetaler Häberli nach wie vor beliebt, als Stürmer schoss er für YB 74 Ligatore. Doch kann das nicht der einzige Grund für seine Popularität sein. Wir fragten beim prominenten YB-Fan und Häberli-Bekannten Bänz Friedli (54) nach, was die Beliebtheit von Häberli ausmacht. Friedli steht übrigens wie YB vor einem Luzerner Gastspiel; der Kabarettist tritt vom 16. bis 20. April viermal im Kleintheater auf.

Seit Thomas Häberli den FC Luzern trainiert, macht es fast ausnahmslos Spass, der Mannschaft beim Spielen zuzuschauen. Überrascht Sie sein gelungener Einstand?

Kabarettist Baenz Friedli.(Bild: Michel Canonica/Tagblatt)

Kabarettist Baenz Friedli.
(Bild: Michel Canonica/Tagblatt)

Bänz Friedli: Höchstens, weil Luzern unter Häberli so einen überschwänglichen und prickelnden Fussball spielt. «Häbi» ist in seiner unverstellten Art der Bauernbub aus «Baubu» (Ballwil; Anm. der Red.) geblieben. Er ist kein Glamour Boy und kein Guardiola, der pausenlos nervös an der Seitenlinie gestikuliert. Wer ihn nicht kennt, würde daher vielleicht einen behäbigeren Spielstil erwarten. Aber Häbi drückt genauso an den richtigen Knöpfen. Wegen seines menschlichen Umgangs mit den Spielern überrascht mich sein Erfolg gar nicht.

Sie sind ein persönlicher Bekannter von Thomas Häberli. Was macht ihn als Mensch und Trainer aus?

Wahrscheinlich die Bescheidenheit. Er hat keine lineare Biografie. Heute sind viele Fussballer lebensfremde Menschen. Breel Embolo kann nichts dafür, dass er schon in jungen Jahren mehrfacher Millionär ist. Von den Beratern hat er kaum mitbekommen, dass sie zur Maximierung der Rendite langjährige Mieter aus seinem Wohnblock in Basel werfen. Häbi dagegen ist erst mit 26 Jahren Profi geworden, familiär lief bei ihm nicht alles immer problemlos. Er beweist, man kann im Leben Schwierigkeiten haben – und diese meistern.

Häberli hat für YB viele Tore erzielt, doch warum verehrt man ihn in Bern derart?

Lustigerweise hat man in Bern bodenständige Leute gern. Mit Guillaume Hoarau hat man jetzt einen richtigen Rockstar, der auf seine Art aber auch ein demütiger Mensch ist. Vor ihm hat es drei absolute Fanlieblinge gegeben, alles Fussball-Arbeiter, die etwas im Kopf haben: Erich Hänzi, den wir ohne Ironie «Fussball-Gott» nannten, Christoph Spycher und eben «Häbi-Gool», obschon er mit 74 Toren in 279 Spielen gar nicht die Traumquote eines Topstürmers hatte.

Einen Monat nach der 0:4-Klatsche im Cup muss YB am Mittwoch wieder beim FCL antreten. Befürchten Sie eine weitere Schlappe?

YB sei gewappnet, versichern die Spieler. Ich bin in einem Dilemma, mag Häbi jeden Sieg gönnen, doch nicht am Mittwoch gegen Gelbschwarz. Von unseren Kunstrasen-Künstlern will ich einfach keine Ausreden mehr hören wegen des Naturrasens.

Egal, wie das Nachtragsspiel in Luzern ausgeht, die Berner werden wieder Meister. Was halten Sie vom Luzerner YB-Trainer Gerardo Seoane?

Ich spüre ihn noch nicht. Sein Vorgänger Adi Hütter hat sich auch wahnsinnig beherrscht gegeben – und doch war er manchmal verschmitzt. Falls YB, wie es geplant ist, am nächsten Sonntag beim FC Zürich den Titel holt, hoffe ich, dass Gerry Seoane auch mal aus sich herauskommt. Er ist die schiere Beherrschtheit, das Gegenteil von Häbi.

Seoane, das haben wir in Luzern erfahren, packt seine Chance beim Schopf, sobald sie kommt. Falls er im Sommer YB verlässt, wer könnte sein Nachfolger werden?

Das ist eine Fangfrage! Häbi ist keiner, der zu YB gehen würde. Er hat die Chance als Chefcoach in Bern nie bekommen. Zudem wäre YB für ihn wohl ein zu grosses Gebilde. Ich befürchte, dass schon Luzern für Häbi ein zu grosses Haifischbecken ist. Der einzige vernünftige Klub der Liga ist Thun, dorthin würde Häbi passen. Wer YB-Trainer wird, damit mag ich mich nicht beschäftigen. Für mich ist klar: Seoane geht, falls er kann.

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