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Balsam für die Surseer Stürmerseele

Das Spiel gegen Island nahm auch für Stürmer Haris Seferovic ein glückliches Ende.
Jakob Weber, St. Gallen
Seferovic: ein lauter «Jaaa»-Schrei. (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus (St. Gallen))

Seferovic: ein lauter «Jaaa»-Schrei. (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus (St. Gallen))

Es läuft die 57. Minute. Soeben hat Haris Seferovic den Ball zum 4:0 im isländischen Tor untergebracht. Ein lauter «Jaaa»-Schrei, Kollege Shaqiri im Arm – doch dann pfeift der Schiedsrichter und hebt den Arm. Als Seferovic das sieht, macht er das Gesicht eines hungrigen Kleinkindes, dem der Vater soeben den Löffel mit Schokomousse am Mund vorbeigeführt und selber gegessen hat. Offside. Kein Tor. Keine Erlösung. Statt zu jubeln, winkt Seferovic mit dem Zeigefinger in Richtung Schiedsrichter. Doch der hatte richtig entschieden.

In diesem Moment ist Seferovic wieder der «Chancentod». Der Stürmer, der unter Coach Vladimir Petkovic meistens spielt und trotzdem seit über einem Jahr kein Plichtspieltor mehr für die Schweiz geschossen hat. In diesem Moment kommt alles wieder hoch: kaum Einsatzzeiten bei Benfica, die Pfiffe in der Barrage gegen Nordirland, die unglückliche WM in Russland. Seferovic war angezählt. Schon im dritten Gruppenspiel gegen Costa Rica und im Achtelfinal gegen Schweden setzte der Nati-Coach nicht mehr auf den Mann aus Sursee. «Was gewesen ist, ist gewesen.» So lautet Seferovics Standardantwort. Egal ob es um seine persönliche Degradierung zum Ersatzspieler in Klub und Nati oder um die Doppeladler-Diskussion geht. Der Blick geht nach vorne: «Wenn ich jetzt nicht nachlasse, kommt alles gut.»

Dieser Satz gilt in diesen Tagen auch für Seferovics Klubkarriere. Fast elf Monate lang war er bei seinem Verein Benfica Lissabon aussen vor. Seit Oktober letzten Jahres stand Seferovic in der Liga nicht mehr in der Startelf. Eingewechselt wurde er nur selten und wenn – dann nur für wenige Minuten. Doch der Stürmer gab nie auf und wurde Ende August belohnt. Im entscheidenden Champions-League-Quali-Spiel gegen Paok Saloniki (4:1) steht er plötzlich in der Anfangself. Vier Tage später setzt Benfica-Trainer Rui Vitoria gegen National Funchal (4:0) erneut auf den 26-Jährigen. Seferovic trifft zum 1:0 und bereitet das 2:0 vor. «Ich bin froh, eine Chance bekommen und diese genutzt zu haben», sagt der Mann aus Sursee.

Die langersehnte Erlösung für den Surseer Seferovic

Auch für Seferovic sollte der Galaabend in St. Gallen ein Happy End bereithaben. Weil die Schweiz zu diesem Zeitpunkt gegen die überforderten Isländer fast aus jedem Angriff eine Torchance macht, hat Seferovic gar keine Zeit, dem nicht gegebenen Treffer nachzutrauern. Zehn Minuten nach dem Offsidegoal legt Fabian Schär den Ball mit der Hacke perfekt auf den Angreifer zurück. Seferovic schliesst überlegt und platziert ab und lässt dann die ganze Anspannung raus. Dieser Treffer ist die langersehnte Erlösung und Balsam für die angeknackste Stürmerseele.

«Wir haben als Team geglänzt, aber jedes Tor tut mir gut», sagt Seferovic. Wie gut, zeigt der Stürmer anschliessend auf dem Feld. Nach der Einwechslung von Stürmer Albian Ajeti kommt er vermehrt über die rechte Seite. Natürlich hat Island zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben. Trotzdem: Die Schweizer Offensive kreiert Chancen im Minutentakt. In der 69. Minute schiesst Seferovic sein zweites Offsidegoal. Wieder sieht er sich fälschlicherweise im Recht. Doch jetzt kann Seferovic darüber lachen. Zwei Minuten später legt er für Ajeti auf, der den Ball zum 5:0 über die Linie drückt. Nach der Chance im Klub hat er auch die Chance in der Nati genutzt.

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