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Baseball: Pfiffe für Trump, Billigpizza und eine späte Erlösung

Wie es dazu kam, dass sich die Washington Nationals vom Gespött der ganzen Liga zu den neuen Baseball-Königen von Nordamerika entwickelten.
Nicola Berger
Die späte Erlösung. Die Washington Nationals feiern den Sieg in der World Series, der Finalserie der besten Baseball-Liga der Welt. (Bild: AP Photo/David J. Phillip)

Die späte Erlösung. Die Washington Nationals feiern den Sieg in der World Series, der Finalserie der besten Baseball-Liga der Welt. (Bild: AP Photo/David J. Phillip)

Im März verloren die Washington Nationals ihren wertvollsten Spieler: der Mormone Bryce Harper schloss sich den Philadelphia Phillies an, für 13 Jahre und 330 Millionen Dollar. Die «Washington Post» fragte darauf besorgt, ob sich das Zeitfenster für einen Titelgewinn ohne den telegenen Superstar nun geschlossen habe. Die Nationals lieferten auf diese Frage eine eindrückliche Antwort, in der Nacht auf Donnerstag gewannen sie erstmals in der Klubgeschichte die World Series, dank einem 6:2-Sieg im entscheidenden siebten Spiel der Finalserie beim Favoriten Houston Astros.

Es war der denkwürdige Schlusspunkt eines bizarren Duells, in welchem das Gastteam jede Partie gewann, ein Unikum in der 115-jährigen Geschichte der World Series. Auch in der NHL und NBA hat es eine solche Häufung an Auswärtssiegen noch nie gegeben.

Die Feierlichkeiten in der Kabine kennen keine Grenzen. (Bild: Epa)

Die Feierlichkeiten in der Kabine kennen keine Grenzen. (Bild: Epa)

Die tragische Historie der Washington Nationals

Die Historie des amerikanischen Nationalsports in der Hauptstadt hatte zuvor etwas Tragisches gehabt. Der letzte Titel eines Teams aus Washington lag 95 Jahre zurück, zwei Franchisen hatten die Stadt verlassen, eine nach Minnesota und eine nach Texas, ehe der jüdische Geschäftsmann Ted Lerner 2004 die Montreal Expos nach DC holte, 33 Jahre nach dem Wegzug der Senators nach Arlington.

An der Misere änderte das zunächst wenig. Die Nationals fanden immer neue und groteskere Wege um zu scheitern – seit 1982 hatte die Organisation keine Playoff-Serie mehr gewonnen. Lange schien es, als bliebe das auch 2019 so, von ihren ersten 50 Partien verloren die Nationals 31, sie waren das Gespött der Liga, wieder einmal. Doch aus der Aussenseiterrolle vermochte das mit einem Durchschnittsalter von über 31 Jahren älteste Team der Liga Kraft zu schöpfen. Es wurde mehrfach totgesagt, auch im Playoff, und liess sich doch nie unterkriegen.

Mehr zu feiern als ein bisschen Schadenfreude

Zuletzt rangen sie die deutlich besser besetzten Astros, eines der am cleversten gemanagten Sportunternehmen der USA, trotz 2:3-Rückstand in der Serie nieder. Als wertvollster Spieler der Finalserie wurde Stephen Strasburg ausgezeichnet, ein 31 Jahre alter Werfer, der wie exemplarisch für die Entwicklung dieses Teams steht. Strasburg, ein ehemaliger Nummer-1-Draftpick, war bisher vor allem für das Kuriosum bekannt gewesen, dass die Nationals ihn im Playoff von 2012 aussetzen liessen, weil sie ihn nicht strapazieren wollten. Es war nie ganz klar geworden wofür das Team ihn schonen wollte. Doch sieben Jahre später hat das Management recht erhalten: Strasburg pitchte gegen die Astros für die Ewigkeit.

Nicht einmal Donald Trump konnte die World Series für die Nationals ruinieren. Trump hatte als erster US-Präsident seit George W. Bush ein Playoff-Finalspiel besucht – und war in Washington nach Kräften ausgebuht worden. Nicht anders war es Bryce Harper ergangen, als er mit den schon in der Qualifikationsphase schmählich gescheiterten Philadelphia Phillies nach Washington zurückgekehrt war. Eine lokale Pizzakette hatte für jenes Spiel ein Sonderangebot offeriert: Pizzas für drei Dollar nach jedem Strikeout Harpers. Das Restaurantunternehmen hatte da noch nicht ahnen können, dass die Nationals bald mehr zu feiern haben würden als ein kleines bisschen Schadenfreude.

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