FC Basel

Der FCB vor dem Spiel bei Xamax: Eine besorgniserregende Breite im Kader

Wegen anwährenden Verletzungen und auslaufenden Verträgen dünnt sich das FCB-Kader immer mehr aus. Ausgerechnet vor dem Mammut-Program, das nun ansteht.

Céline Feller
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Kevin Bua bei seinem wohl letzten Einsatz für den FCB im Cup gegen Lausanne. Er wollte trotz drohendem Engpass nicht bis Saisonende bei den Baslern bleiben.

Kevin Bua bei seinem wohl letzten Einsatz für den FCB im Cup gegen Lausanne. Er wollte trotz drohendem Engpass nicht bis Saisonende bei den Baslern bleiben.

freshfocus.ch

Die Antwort fällt knapp aus. «Das kann man schon so sagen», erwidert Marcel Koller am Sonntag auf die These, dass die mangelnde Breite im Kader des FC Basel den Unterschied ge- genüber der Spitze der Liga ausmache. Das könne man so sagen, meint der Cheftrainer der Basler, nachdem er eben erst mit 1:2 dem FC Luzern unterlegen ist. Es sind wenige Worte, aber vielsagende.

Koller musste in Luzern auf diverse wichtige Spieler verzichten. Valentin Stocker und Raoul Petretta fehlten gesperrt. Edon Zhegrova und Ricky van Wolfswinkel sind verletzt; Kevin Bua war abwesend, weil sich bereits am Sonntag abgezeichnet hatte, was am Montag dann schliesslich kommuniziert wurde: Der Romand bleibt dem FCB nicht über den 30. Juni hinaus erhalten. Taulant Xhaka, der in Stockers Abwesenheit am Sonntag die Captainbinde trug, wollte die fehlenden Akteure nicht als Entschuldigung für die Niederlage ins Spiel bringen und tat es mit seiner Aussage eben doch gerade.

Unbestritten: Die Absenzen hatten einen Einfluss auf das Spiel der Basler. Mindestens vier der genannten stünden im fitten Zustand in der Startelf. Zuletzt taten dies alle auf dem Flügel. Sprich: Im Couloir der Basler akzentuiert sich das Problem der nicht vorhandenen Kader-Breite. Denn: Fehlen wie am Sonntag all diese Spieler, dann geht nichts mehr. Weder Afimico Pululu noch Samuele Campo konnten gegen Luzern wie auch schon zuvor im Couloir Eigenwerbung betreiben. Viel mehr bewiesen sie, dass sie nicht genügen (Pululu) oder schlicht zu langsam sind (Campo).

Zwar kehren heute gegen Neuchâtel Xamax (Anpfiff 18.15 Uhr auf der Maladière) sowohl Stocker als auch Petretta zurück. Nur: Für das Restprogramm von zwölf Spielen in sechs Wochen reichen diese zwei Optionen nicht. Aber sie werden spielen, wenn sie fit sind. Denn viel mehr Optionen bleiben nicht. Bua wird wohl nie mehr für den FCB auflaufen, auch nicht bis zum Ende seines Vertrags. Die Angst vor einer Verletzung ist zu gross beim 26-Jährigen.

Für Zhegrova ist die Saison wohl zu Ende. Und van Wolfswinkel kämpft mit Wadenproblemen, gegen Xamax reicht es noch nicht. Wann er wieder fit ist, ist unklar. Ebenso wie sein Zustand nach seiner immens langen Pause. Bleiben also tatsächlich nur Stocker und Petretta, derweil Letzterer dringend eine Reihe weiter hinten benötigt würde. Dort unterstrich Blas Riveros in den zwei Spielen nach der Coronapause seine defensiven Mängel erneut.

Neulinge in Basel, Schwergewichte in Bern

Die neusten personellen Umstände zeigen, dass das Kader des FCB nur dann breit genug ist, wenn alle fit sind. Wirklich alle. Denn nach der Stammelf fehlt es den Basler Spielern schnell an Substanz. Die Ersatzbank am Sonntag illustrierte dies eindrücklich. Für Orges Bunjaku – ebenfalls noch ziemlich neu in der Welt der Profis – kam Lirik Vishi zum Einsatz. Ein Name, der nur einer Handvoll Menschen im Zusammenhang mit der ersten Mannschaft vor Sonntag ein Begriff war. Eine weitere Option wäre der kaum erfahrenere Tician Tushi gewesen. Und obschon Vishi einen guten Job ablieferte, wurde er zum Sinnbild des ausgedünnten FCB-Kaders.

So wie Julian von Moos im Januar. Im Spitzenspiel gegen YB wurde er eingewechselt, als der FCB die Wende herbeiführen wollte. Es blieb beim Versuch. Die Basler verloren. Damals konterte Koller Fragen nach der Breite seines Kaders noch mit Aussagen, dass er 28 Spieler zur Verfügung habe, «und YB denke ich auch». Den Unterschied im Vergleich mit YB konnte er so dennoch nicht schönreden. Denn während Marcel Koller damals wie am Sonntag auf Super-League-Neulinge zurückgreifen muss, kann sein Berner Pendant Gerardo Seoane Super-League-Schwergewichte wie Guillaume Hoarau und Miralem Sulejmani von der Bank bringen.

Die Situation bei den Baslern könnte sich eher noch zuspitzen. Denn noch ist unklar, was mit den Leihspielern Arthur Cabral, Eric Ramires und Emil Bergström passiert. Ihre Verträge enden am 30. Juni.
Das ausgedünnte Kader im Endspurt ist einer der Punkte, der den Unterschied im Meisterrennen machen dürfte. Oder ihn schon gemacht hat. Denn ohne Stocker, Petretta und Co. handelte sich der FCB seinen Rückstand von nun acht Punkten ein. So heisst es ab jetzt in jedem Spiel: verlieren verboten. Sonst läuft der FCB Gefahr, gar noch Platz drei aus der Hand zu geben.