Super League

Frankfurt hat jetzt Priorität: Nach dem 0:0 gegen Thun ist die Meisterschaft definitiv vor dem letzten Spiel gegessen

Der Fokus liegt jetzt ganz klar auf der Europa League: Nach dem 0:0 der Basler A-Elf gegen Thun dürfte am Montag gegen Luzern die zweite Garde ran.

Jakob Weber
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Hier setzt Ridge Munsy den Ball kurz vor Schluss nochmals knapp am Tor vorbei.
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Valentin Stocker lässt sich trotz Druck nicht vom Ball ablenken.
Die Thuner kämpfen um jeden Ball - das kriegt auch Blas Riveros zu spüren.
FC Thun - FCB
Leonardo Bertone macht Samuele Campo das Leben schwer.
Jasper van der Werff setzt sich gegen Miguel Castroman durch.
Auch Silvan Widmer spürt den Druck. Hier von Gregory Karlen.
Arthur Cabral wieder artistisch.
Der auffällig offensive Blas Riveros setzt sich durch.

Hier setzt Ridge Munsy den Ball kurz vor Schluss nochmals knapp am Tor vorbei.

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Wenn es im einen Wettbewerb um Nichts mehr geht, im anderen aber noch um sehr viel, stellt sich für die betroffenen Vereine die Frage: Spieler schonen oder Spielrhythmus geben? Marcel Koller entschied sich am Freitag in Thun klar für die Variante: Spielrhythmus geben. Der FCB-Trainer schickte beim letzten Auswärtsspiel der Saison seine beste Elf aufs Feld. Obwohl der FCB im Berner Oberland das 13. Spiel in nur 47 Tagen absolvierte, wollte Koller, dass sich sein Team noch mal einspielen kann. Denn am kommenden Donnerstag soll eine ähnliche Formation in der Europa League gegen Eintracht Frankfurt den Einzug ins Finalturnier klarmachen.

Auch Fairplay spielte bei Kollers Überlegungen eine Rolle. «Wenn wir gegen Thun mit der U21 gespielt hätten, wäre das nicht korrekt gewesen. Wir wollten den Barrage-Kampf nicht verfälschen.» Eine noble Geste der Basler.

Das mit dem Rhythmus ist sehr individuell

Captain Valentin Stocker stand beim 0:0 in Thun bei auch am Abend immer noch knapp 30 Grad 79 Minuten auf dem Platz. Erschöpft erklärt er nach dem Spiel: «Das mit dem Rhythmus ist sehr individuell. Der eine braucht viele Minuten, der andere eher eine Pause.» Einer, der selten pausiert ist Silvan Widmer. Der Rechtsverteidiger gehört zu den Spielern, die Spielrhythmus brauchen. «Die Kräfte sind noch da. In solchen Spielen ist sowieso der Kopf entscheidend», sagt er nach dem Spiel, in dem er nach eigener Aussage alles gegeben hat.

Doch was ist das eigentlich genau, dieser Spielrhythmus? Widmer muss ein bisschen überlegen und beschreibt es dann so: «Die Spannung vor dem Spiel. In den Aktionen alles rauszuhauen. Das kannst du nicht trainieren. Dafür brauchst du Spiele und wenn du die machst, hast du Rhythmus.» Unabhängig vom Ergebnis und der Spielweise.

Von spielerischem Rhythmus ist am Freitag in Thun nämlich nur wenig zu sehen. Teilweise wirkt es so, als würden sich die FCB-Spieler auf dem Feld insgeheim doch ein wenig schonen. In den Zweikämpfen und vor dem Tor fehlt die letzte Konsequenz. Basel hat nur 43 Prozent Ballbesitz. Nur zwei Abschlüsse verdienen sich das Prädikat «Torchance». Doch Arthur Cabral trifft nur die Brust von Thun-Goalie Guillaume Faivre und Blas Riveros bekommt aus guter Position nicht mal den Ball aufs Tor. Thun dagegen ist bissig und gewillt, nach St. Gallen und YB auch den FCB nach dem Restart zuhause zu schlagen.

Thun ist über die verpasste Chance sauer

Eine für das Spiel exemplarische Szene spielt sich in der 33. Minute ab. Samuele Campo bekommt in der eigenen Hälfte den Ball. Er dreht sich zweimal um die eigenen Achse, wird dann von Nicolas Hasler mit einer harten Grätsche von Ball getrennt. Doch statt die gute Konterchance auszunutzen, schliesst Thuns Topskorer Ridge Munsy überhastet ab und verfehlt das Tor deutlich. Immer wieder stellt sich der Tabellenachte vor dem FCB-Gehäuse wenig clever an. Simone Rapp und Munsy vergeben weitere Chancen. Und so steht am Ende auch bei den Berner Oberländern die Null. «Bei Basel hat heute der Wille gefehlt. Es war viel mehr drin», bilanziert ein enttäuschter Thun-Captain Stefan Glarner. Doch durch das Unentschieden kann sein Team der Barrage am letzten Spieltag beim FCZ aus eigener Kraft entrinnen.

Und der FCB? Ja der hat am Montag bereits das nächste Spiel, in dem es um nichts mehr geht. Diese Aussage rutscht am Freitag nach dem Spiel sogar Marcel Koller raus, doch der Trainer fügt sofort an: «aus tabellarischer Sicht natürlich.» Der FCB ist durch das 0:0 und den Sieg der St. Galler definitiv Dritter. Und ob der nächste Gegner Luzern am Ende Fünfter oder Sechster wird, ist weniger schicksalhaft als Thuns Kampf um die Barrage. «Wir schauen wer fit ist und wer noch spielen will», sagt Koller. Doch er kündigt bereits an, dass er am Montagabend den ein oder anderen Spieler schonen wird: «Frankfurt hat jetzt oberste Priorität.»

Das Telegramm:

FC Thun – FC Basel 0:0

Stockhorn Arena. – 1000 Zuschauer. – SR Alain Bieri.
Tore: Keine.

FCT: Faivre; Glarner, Havenaar, Stillhart, Hefti; Bertone; Karlen (83. Ahmed), Castroman (72. Tosetti), Hasler; Munsy, Rapp.

FCB: Nikolic; Widmer, Cömert, Alderete, Riveros (70. Petretta); Xhaka, van der Werff; Stocker (79. Tushi), Campo, van Wolfswinkel (65. Oberlin); Cabral (65. Ademi).

Bemerkungen: FCT ohne Bigler, Hediger und Kablan (alle verletzt). FCB ohne Omlin, Pululu, Ramires, Zuffi (alle verletzt) und Fabian Frei (gesperrt). Ersatzbank FCB: Ademi, Isufi, Marchand, Oberlin, Petretta, Pukaj und Tushi. – Gelb-Rot: 71. Alderete (Foul). Verwarnungen: 44. Cabral (Foul). 67. Alderete (Foul). 82. Hefti (Foul). 90. Campo (Foul). 92. van der Werff (Foul). – 12. Riveros rettet auf der Linie nach Kopfball von Rapp. 28. Lattenschuss Hefti.