Leichtathletik

«Ich bin ja eigentlich gar kein Läufer»

Josef Leutenegger läuft Marathons am Fliessband – und das wohlverstanden mit 69 Jahren. Die Leidenschaft am Sport entdeckte Leutenegger durch seine drei Kinder. «Vorher war ich 36 Jahre lang völlig unsportlich», blickt er zurück.

Jonas Burch
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Josef Leutenegger bei seinem Lieblingslauf, dem «Zermatter». zvg

Josef Leutenegger bei seinem Lieblingslauf, dem «Zermatter». zvg

Es macht wenig Sinn, Josef Leutenegger zu fragen, an wie vielen Läufen er schon teilgenommen hat. «Puuuh, das waren so einige», sagt er mit einem Lächeln. Um die Anzahl grob zu formulieren, rechnet er vor: «Etwa 25 Läufe pro Jahr, und das seit mittlerweile 33 Jahren.» Sprich: 825 Läufe. Wobei diese Zahl wahrscheinlich noch zu knapp bemessen ist. Seinen letzten Auftritt hatte Leutenegger jüngst an seinem Heim-Marathon in Basel. In seiner Kategorie – 60 bis 69 Jahre – war er der Schnellste. Wie so oft.

Bewegung und Spass im Vordergrund

«Mir geht es überhaupt nicht ums Resultat oder um Bestzeiten. Ich will mich einfach bewegen und Spass am Sport haben», hält der 69-Jährige fest. Mit dem Luzern Marathon Ende Oktober steht in wenigen Wochen die nächste Herausforderung an. Nach dem Jungfrau-Marathon, dem «Zermatter» und dem LGT in Liechtenstein ist dies bereits der fünfte grosse Marathon mit Beteiligung des Bubendörfers. Kleinere Läufe ausgeschlossen.

Kinder brachten ihn zum Laufen

Die Leidenschaft am Sport entdeckte Leutenegger durch seine drei Kinder. «Vorher war ich 36 Jahre lang völlig unsportlich», blickt er zurück. Seinem Nachwuchs wollte er die Nähe zu Bewegung und Natur aktiv vorleben. Aus dem Hobby wurde eine Faszination. Mit 37 Jahren hat er begonnen, regelmässig an Läufen teilzunehmen. Mit der ganzen Familie. «Dabei bin ich ja eigentlich gar kein Läufer», sagt Leutenegger und legt die Hand auf seinen Bauch: «Die anderen Athleten sind viel schlanker als ich», sagt er augenzwinkernd. Diesen «Nachteil» macht der gebürtige Basler mit seinem Ehrgeiz wett. Dreimal pro Woche dreht er seine Runden. Alleine und ohne technischen Schnickschnack – so wie es ihm schon immer am liebsten ist.

Dem Alter Tribut gezollt

Aber auch das Alter geht nicht spurlos an Leutenegger vorbei. Die Diagnose Arthrose zwang ihn vor gut zehn Jahren zu einer Reduktion seines Trainings-Pensums. Sieben Meniskus-Operationen hat er schon hinter sich. Leutenegger gibt zu: «Ich muss dem Alter Tribut zollen. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass ich mich an diese Umstände anzupassen habe.»

Der Begeisterung am Laufsport tut dies keinen Abbruch. Zu schön sind die Läufe, zu prägend das Erlebte. In all den Jahren haben sich so viele Anekdoten aneinandergereiht, dass Leutenegger gar nicht weiss, wo er anfangen soll, zu erzählen. Nur so viel: In den drei Jahrzehnten ist ihm der «Zermatter» am meisten ans Herz gewachsen. «Ein unfassbares Gefühl, in dieser Gegend laufen zu können.» In diesem Jahr war er zum 12. Mal im Wallis am Start. Sein Ziel sind 15 Teilnahmen. Sonst gibt sich Leutenegger gewohnt bescheiden. Er sagt nur: «Solange mein inneres Feuer noch brennt, laufe ich weiter.» Fernab von Ergebnissen und Bestzeiten.