Fussball

Kléber, Rossi, Ergic und Co. – die Helden von damals

Die Fussball-Kulturbar «Didi Offensiv» widmet den FCB-Spielern von früher eine Fotoausstellung. Ein Besuch in der Kultbar.

Jasmin Krähenbühl
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Sébastien Barberis wird am 28. Mai 2005 vor der Muttenzerkurve verabschiedet.

Sébastien Barberis wird am 28. Mai 2005 vor der Muttenzerkurve verabschiedet.

Martin Heimann

Massimo Ceccaroni wird ein letztes Mal von den Fans bejubelt. Julio Hernan Rossi stemmt den Meisterpokal schreiend und mit nacktem Oberkörper in die Höhe. Sébastien Barberis wird von seinen Teamkollegen auf den Schultern getragen. Die Fotos hängen nebeneinander, golden eingerahmt. Man muss nahe an die weiss gestrichene Holzwand treten, um die Szenen auf den Bildern zu erkennen. Die Bildlegenden findet man auf einem separaten Infoblatt, an den Wänden hängen keine. Denn Erklärungen sind eigentlich gar nicht nötig.

«Die Spieler und deren Emotionen stehen im Vordergrund. Die Fotos sollen die Betrachter bewegen – von welcher Partie sie stammen, ist am Ende nebensächlich», sagt Benedikt Pfister, Geschäftsführer der Fussball-Kulturbar «Didi Offensiv». Im gemütlichen Lokal am Erasmusplatz in Basel wurde gestern Abend die Fotoausstellung «Zeit der Helden» eröffnet. In 20 Bildern des Pressefotografen Martin Heinmann leben die grossen Erfolge des FC Basel von 2002 bis 2006 wieder auf.

Geschäftsführer der Fussball-Kulturbar «Didi Offensiv» Benedikt Pfister lässt in seinem Lokal die Erfolge des FCB von 2002 bis 2006 wieder aufleben

Geschäftsführer der Fussball-Kulturbar «Didi Offensiv» Benedikt Pfister lässt in seinem Lokal die Erfolge des FCB von 2002 bis 2006 wieder aufleben

Nicole Nars-Zimmer

Pfister hat nicht zu viel versprochen: Anfangs irritiert über die umständlichen Bildlegenden, wird das Infoblatt bei längerer Betrachtung der Fotos überflüssig. Die Bilder sprechen für sich. Sie transportieren den Geist einer Zeit, die für viele Basler wohl unvergesslich ist. Einer Zeit, in der Rot-Blau das Gesprächsthema Nummer eins in der Stadt war. Einer Zeit, in der der FC Basel und seine Fans neue Erfolgsgefühle kennen lernten. Einer Zeit, in der Gewinnen noch keine Selbstverständlichkeit war.

Denkwürdige Nächte

«Die Spieler von damals haben heute Heldenstatus», sagt Pfister. Ergic, Gimenez, Zuberbühler, die beiden Yakins und Delgado, Helden von damals. Schwärmerisch zählt er die Erfolge dieser Zeit auf: 2002 der erste Schweizer-Meister-Titel nach 22 Jahren – und das gleich im Double mit dem Cupsieg. Darauf der fantastische Sieg gegen Celtic Glasgow und die erste Qualifikation für die Champions League. Die «Night to remember» mit dem 3:3 gegen Liverpool in der Zwischenrunde. Weitere unvergessliche Spiele, weitere Schweizer-Meister-Titel und Cupsiege folgten.

Und obwohl die Fotos vor rund zehn Jahren aufgenommen wurden, sind sie heute hoch aktuell. Im Schweizer Fussball kriselt es seit geraumer Zeit. Nicht nur des FCB wegen, aber mit ihm als Hauptdarsteller: Der FC Basel wird wohl bald seinen achten Titel in Serie feiern, ist in der Super League unantastbar. Mitfiebern, hoffen, bangen? Fehlanzeige. «Vielen FCB-Fans fehlen die Spannung und die Emotionen. Mit unserer Ausstellung wollen wir diese wieder hervorholen», sagt Pfister, «und wir wollen zeigen, welch aussergewöhnliche Leistung der FCB heute eigentlich vollbringt.»

Kléber, Matias Delgado, Julio Hernan Rossi und Ivan Ergic (v.l.n.r.) feiern am 28. Mai 2005 den Meistertitel.

Kléber, Matias Delgado, Julio Hernan Rossi und Ivan Ergic (v.l.n.r.) feiern am 28. Mai 2005 den Meistertitel.

Martin Heimann

Bei der Auswahl der Fotos tauchte Pfister sichtlich mitfühlend in diese ersten Erfolgsjahre ein. Er kann sich noch gut an die intensive Zeit erinnern, könnte zu jedem Foto eine Geschichte erzählen. Obwohl «Zeit der Helden» nicht die erste Fotoausstellung im «Didi offensiv» ist, ist es für Pfister eine besondere: «Wir arbeiteten zum ersten Mal mit einem Fotografen zusammen und konzipierten die Ausstellung in einem engen Dialog mit ihm.» Zum ersten Mal organisierte das «Didi Offensiv» auch eine Vernissage. «Diese Würdigung hat Martin Heimann verdient», findet Pfister.

Barbetrieb im Vordergrund

Die Zusammenarbeit zwischen Heinmann und dem «Didi Offensiv» kam durch Zufall zustande. Heinmann, früher selbst ein aktiver Fussballer beim FC Amicitia Riehen, besuchte die Bar letzten Herbst mit ehemaligen Teamkollegen und wurde auf die vorhergehende Fotoausstellung aufmerksam.

Benedikt Pfister, Geschäftsführer «Didi Offensiv

«Vielen FCB-Fans fehlen die Spannung und die Emotionen. Mit unserer Ausstellung wollen wir diese wieder hervorholen.»

Der Basler, der unter anderem für die Schweizer Fotoagentur Keystone und den deutschen Axel-Springer-Verlag gearbeitet hatte, verfügte über einen reichen Fundus an FCB-Fotos. Er nahm Kontakt mit Pfister auf und schlug ihm eine Zusammenarbeit vor. Drei Monate lang bereiteten der Geschäftsführer und der Fotograf die Ausstellung vor, sortierten Unmengen von Fotos, haderten und entschieden sich für 20 Bilder. «Mehr hätten nicht Platz gehabt», sagt Pfister.

Mit dem Resultat ist er mehr als zufrieden: «Die Ausstellung passt perfekt in das Bar-Ambiente.» So solle es auch sein – kein Museum, sondern eine Erweiterung der Bar. Eine Fussball-Kulturbar eben. Danach ist die Ausstellung aufgebaut. Die Fotos drängen sich nicht auf, sind ihrer geringen Grösse wegen beinahe unscheinbar. Doch man muss nur nahe genug herantreten und die Mimik der Fussballer studieren. Dann leben die fast vergessenen Emotionen umso stärker auf.