FC Basel

Neue Corona-Regeln der Fifa geben den FCB-Bossen im Lohnstreit recht – Arthur Cabral äussert sich zu seinem Fall

Der Weltfussballverband Fifa stellt sich im Lohnverzichtsstreit beim FC Basel auf die Seite des Klubs und beantwortet auch eine andere offene Frage. Nämlich die, wie es mit den Spielern, deren Verträge am 30. Juni 2020 auslaufen weitergeht.

Jakob Weber
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Marcel Koller und Arthur Cabral dürften länger in Basel bleiben – zumindest ein paar Wochen.

Marcel Koller und Arthur Cabral dürften länger in Basel bleiben – zumindest ein paar Wochen.

Freshfocus

Über Ostern konnte keine Einigung erzielt werden. Es ist immer noch unklar, ob die FCB-Spieler auf einen Teil ihres Lohns verzichten, um ihren Verein in der Coronakrise zu unterstützen. Der Vorschlag, den Jahreslohn der Spieler um 17,5 Prozent zu senken, wurde vergangene Woche abgelehnt. Die Verhandlungen laufen seitdem weiter. Nachdem bereits der FCB-Vorstand mit der Bekanntgabe des Scheiterns der ersten Verhandlungsrunde öffentlich Druck auf die eigenen Spieler ausgeübt hatte, bestärkt der Weltverband Fifa mit seinen neuen Corona-Regulatorien (die bz berichtete) die Bosse in ihrem Handeln.

Hier geht es zum Fifa-Dokument

In dem seit einer Woche auch öffentlich zugänglichen Dokument heisst es: «Vereine und Mitarbeiter werden nachdrücklich dazu ermutigt zusammenzuarbeiten, um angemessene Vertragsanpassungen zu finden.» Sollte keine Einigung erzielt werden und der Fall bei der Fifa landen, kündigt der Weltverband an, fünf Punkte zu prüfen.

Erstens: Hat der Klub versucht, eine Lösung mit den Angestellten zu finden? Beim FCB wäre das der Fall. Zweitens: Wie sieht die wirtschaftliche Situation des Klubs aus? Der FCB muss sparen. Im Jahr 2018 hat der Verein Rückstellungen von 13 Millionen Franken aufgelöst, um die Bilanz auszugleichen. Der Geschäftsbericht für 2019 ist noch nicht veröffentlicht, doch es wäre nicht verwunderlich, wenn die übrigen 22 Millionen an Reserven erneut angezapft wurden. Und die Coronakrise dürfte dafür sorgen, dass der FCB auch im Jahr 2020 mehr ausgibt als er einnimmt.

Drittens: Sind die Vertragsmodifizierungen verhältnismässig? Durch die Pandemie ist der Marktwert der FCB-Spieler um durchschnittlich 17 Prozent gesunken. Es mag Zufall sein, dass der FCB seinen Spielern auch den Jahreslohn um 17,5 Prozent kürzen will, doch der Wertverlust ist ein starkes Argument, dass diese Grössenordnung richtig ist. Ausserdem untersucht die Fifa das Netto­einkommen nach der Kürzung und prüft, ob alle Spieler gleich behandelt wurden. Letzteres ist bei Rotblau der Fall, und da der FCB im nationalen Vergleich durchschnittlich immer noch die höchsten Löhne zahlt, bringt auch eine Kürzung um 17,5 Prozent niemanden in finanzielle Engpässe. Die Fifa-Regulatoren lassen den FCB-Spielern also kaum Argumente, die Lohnkürzung nicht anzunehmen.

Arthur Cabral meldet sich zu Wort

Auch in einem anderen Punkt bringt die Fifa Licht ins Dunkel: bei den Verträgen. Auslaufende Arbeitspapiere enden nicht mehr am 30. Juni, sondern dann, wenn die Saison zu Ende gespielt ist. Das gilt beim FCB für Kevin Bua, der aktuell bei Besiktas und Nürnberg auf der Liste steht. Aber auch für Ricky van Wolfswinkel, Zdravko Kuzmanovic und natürlich auch für Trainer Marcel Koller. Ebenso für die Leihspieler Arthur Cabral, Eric Ramires und Emil Bergström. Die Fifa schreibt ausserdem, dass Ablösezahlungen erst fällig werden, wenn die Saison beendet ist. Für den FCB ist das vor allem in einem Fall interessant: Bei Arthur Cabral.

Der Brasilianer hat bekannterweise eine Kaufverpflichtung in seinem Leihvertrag. Gemäss brasilianischen Medien soll diese knapp 4 Millionen Franken betragen und fällig werden, wenn Cabral 12 Saisontore schiesst. Aktuell steht der 21-Jährige bei neun Toren. «Wir können uns die schon leisten», hatte Sportchef Ruedi Zbinden im September im bz-Interview gesagt. Sieben Monate später ist das nicht mehr ganz so sicher. Edon Zhegrova muss den Verein verlassen, weil der FCB die Investition von 3,5 Millionen in diesen Zeiten für «nicht opportun» erachtet. Vielleicht hatte der Klub da schon im Hinterkopf, dass Cabral sogar noch etwas mehr kostet und der FCB zahlen muss, wenn der Spieler drei weitere Tore schiesst.

Ich möchte unbedingt mit dem FCB Trophäen sammeln und meinen Namen in der Vereinsgeschichte hinterlassen.

(Quelle: Arthur Cabral)

Der Stürmer selber hat vergangene Woche im brasilianischen Fernsehen seinen Masterplan erklärt: «Ich möchte unbedingt mit dem FCB Trophäen sammeln und meinen Namen in der Vereinsgeschichte hinterlassen. Anschliessend möchte ich den Schritt zu einer besseren europäischen Mannschaft machen und mir in Europa einen Namen machen.» Cabral will eines Tages für die brasilianische Nationalmannschaft spielen. Er fühlt sich in der Schweiz sehr wohl und sieht seine positive Entwicklung. Um diese fortzusetzen, würde Cabral gerne in Basel bleiben. Damit der FCB diese Lösung aber ebenfalls für «opportun» hält, könnte es helfen, wenn bald schon eine Einigung im Lohnverzichtsstreit erzielt würde.