Fussball

Sein Name ist Programm: Urs als Hecht- und Menschenfischer

Wie tickt Urs Fischer als Privatperson? Sechs Gespräche bringen uns den Trainer des FC Basel näher.

Markus Brütsch
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Urs Fischer ist keiner, der sein Privatleben in der Öffentlichkeit ausbreitet.

Urs Fischer ist keiner, der sein Privatleben in der Öffentlichkeit ausbreitet.

Mario Heller

Seit 32 Jahren ist Urs Fischer im Fussballgeschäft. Von 1984 bis 2003 als Spieler, danach als Trainer. Er ist mit sagenhaften 545 Einsätzen Rekordspieler in der höchsten Spielklasse und vierfacher Nationalspieler. Seit er im vergangenen Sommer Trainer des FC Basel geworden ist, steht der 50-jährige Zürcher mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit. Man weiss, dass er mit seinen Spielern einen respektvollen Umgang pflegt, seine Mannschaft meist im 4-2-3-1-System spielt, er gerne rotiert und Fragen zu Muskelverletzungen nicht mag.

Fischer ist keiner, der sein Privatleben in der Öffentlichkeit ausbreitet. Man weiss: Er lebt mit seiner Familie in Zürich Affoltern in einem Einfamilienhaus, ist verheiratet mit Sandra und hat mit Riana und Chiara zwei Töchter. Die eine spielt Fussball beim FCZ, die andere hat sich dem Reitsport verschrieben. Wie tickt Urs Fischer als Familienmitglied, Freund, Kunde, Weggefährte — als Privatperson?

Riana Fischer: «Seine Frisur? Eine Jahrhundertfrisur! Ich kenne ihn nicht anders.»

Riana Fischer: «Seine Frisur? Eine Jahrhundertfrisur! Ich kenne ihn nicht anders.»

Mario Heller

Riana Fischer (21), Tochter: «Die ganze Familie ist extrem stolz auf ihn und das, was er als Trainer leistet. Aber er ist auch ein guter Vater. Er ist immer für uns da und hat ein offenes Ohr für alles. Wenn wir etwas brauchen, dann rennt er sofort und versucht, uns zu helfen. Wenn er zu Hause ist, denke ich oft: Gönn dir doch mal zwei freie Stunden. Denn er hat die Tendenz, noch mal rasch ins Büro zu gehen, ein Telefon zu machen, eine Videoanalyse ... In den Weihnachtsferien aber gehört er jeweils ganz der Familie. Die zwei Wochen in den USA sind das Schönste im ganzen Jahr. Seine Frisur? Eine Jahrhundertfrisur! Ich kenne ihn nicht anders.»

Carmen Ryser (49), Coiffeuse: «Ich kenne Urs seit 17 Jahren. Er kommt alle fünf bis sechs Wochen und sitzt dann eine halbe Stunde auf dem Stuhl. Früher hatte er immer eine Igelfrisur, dann haben wir gewechselt, die Haare laufen etwas mehr nach vorne und werden bei der Stirnpartie aufgestellt. Urs ist überhaupt nicht eitel, die Frisur muss bequem sein. Ich bin FCZ-Fan und war sehr wütend, als Urs entlassen wurde. Wir sprechen aber kaum über Fussball, wenn er da ist. Er muss ja sonst genug darüber reden. Urs ist ein sehr angenehmer, umgänglicher Mensch. Auch seine beiden Töchter kommen zu mir. Er hat es sicher verdient, mit Basel Meister zu werden.»

Hermann Burgermeister: «Ich habe immer gesagt, aus ihm wird einmal ein grosser Trainer. Ich gönne ihm den Titel sehr.»

Hermann Burgermeister: «Ich habe immer gesagt, aus ihm wird einmal ein grosser Trainer. Ich gönne ihm den Titel sehr.»

Keystone

Hermann Burgermeister (68), Masseur: «Ich kenne Urs seit Urzeiten. Es muss im Jahr 1975 gewesen sein, als wir uns erstmals über den Weg liefen. Er war Ballbub im Letzigrund, ich Masseur beim FCZ. Ich habe seinen Weg hautnah mitverfolgt. Als Freund schätze ich, wie korrekt und aufrichtig er ist. Als FCB-Trainer hat er sich nicht verändert, er hat nicht abgehoben. Er ist aber auch ein Mensch, der das Leben zu geniessen weiss. Unvergessen bleibt ein langer Abend – Urs war damals noch FCZ-Captain – , den wir zusammen mit Marc Hodel und André Wiederkehr bei einem Bierchen auf meinem Boot im Zürichsee verbrachten. Wir quatschten stundenlang über Fussball, Gott und die Welt. Man kann mit Urs nämlich sehr gut auch über andere Dinge als über Fussball sprechen. Ich habe immer gesagt, aus ihm wird einmal ein grosser Trainer. Ich gönne ihm den Titel sehr.»

Reto Burri (35), Burris Fischeregge: «Ich führe zusammen mit meinem Bruder den Fischeregge, einen Laden für Fischereiartikel und Bootsvermietung in Willerzell am Sihlsee. Ich bin seit zwanzig Jahren FCB-Fan. Als bekannt wurde, dass Urs FCB-Trainer wird, haben wir spontan ein Fest gemacht. Urs hatte früher mal im Spass gesagt: Um Trainer in Basel zu werden, würde er zu Fuss dorthin laufen. Leider haben wir während der Fischereisaison etwas weniger Zeit, um in den St. Jakob-Park zu fahren. Für die Meisterfeier gehen wir aber sicher hin. Ich freue mich sehr für Urs.

Ich bin schon oft mit ihm hinaus auf den Sihlsee gefahren. Seit er in Basel ist, aber noch nie. Er hat kaum noch Zeit. Aber wir telefonieren wöchentlich miteinander. Obwohl ich als ehemaliger Spieler des FC Aarau sehr am Fussball interessiert bin, sprechen wir auf dem Wasser eigentlich nie über Fussball. Urs redet dann lieber über das Fischen. Er ist ein herzensguter Cheib, ehrlich, ein offener Typ, nie hochnäsig.

Grosser Tag im Leben des passionierten Fischers Urs Fischer: Zusammen mit seinem Freund Reto Burri (rechts) hat er einen 1,25-Meter-Hecht aus dem Sihlsee gezogen.

Grosser Tag im Leben des passionierten Fischers Urs Fischer: Zusammen mit seinem Freund Reto Burri (rechts) hat er einen 1,25-Meter-Hecht aus dem Sihlsee gezogen.

Urs ist auch ein guter Fischer. Ich habe mit ihm etwas Besonderes erlebt. Wir waren draussen, als ich meinen bisher grössten Hecht — 1,25 Meter! — fing. Wir waren nervös und voller Adrenalin. Ich tat etwas, was ich sonst nicht tue: Ich gab das Netz in andere Hände. Der Hecht hätte noch immer entwischen können. Aber ich hatte Vertrauen zu Urs — und er holte das Prachtexemplar raus!»

Jolanda Fischer (77), die Mutter: «Urs war im Grossen und Ganzen ein pflegeleichter Bub. Immer verbunden mit dem Fussball. Zum Essen musste man ihn jeweils holen. In der Schule war er fleissig, denn er wusste, er durfte nur Fussball spielen, wenn die Schulleistungen stimmten. Das war auch während seiner Banklehre so. Einmal ist Köbi Kuhn vorbeigekommen und hat gesagt, es wäre nicht schlecht, wenn Urs sich auf den Fussball konzentrieren könnte. Mein Mann und ich haben aber gesagt: Nein, Urs macht die Lehre fertig. Aber wir haben ihn im Fussball immer unterstützt. Ich bin immer Fan gewesen. Zuerst vom FCZ, dann von Thun und jetzt vom FCB. Der eigentliche Fussballexperte ist aber mein Mann. Wir gehen immer nach Basel zu den Spielen und fiebern mit. Natürlich sind wir sehr stolz auf Urs und darauf, dass er jetzt wohl Meister wird.

Ich bin aber auch sehr stolz auf ihn als Familienmensch. Das hat er von mir geerbt. Ich bin auch so. Einen besseren Vater als ihn kann ich mir nicht vorstellen. So, wie er mit den Kindern umgeht! Und: Er ist auch ein super Ehemann. Früher bekamen wir ihn noch mehr zu Gesicht, jetzt hören wir ihn halt vor allem noch am Telefon. Aber ich kann verstehen, wenn er es pressant hat. Manchmal gehen wir zusammen auswärts essen oder er kommt auf einen Kaffee vorbei. Zu Hause sprechen wir dann meist nicht über Fussball. Ausser, mein Mann will etwas wissen. Aber wir dürfen nie sagen, dieser oder jener Spieler sei schlecht gewesen. In diesem Fall fährt Urs sofort dazwischen und verteidigt seine Spieler bis zum Letzten.»

Fredy Bickel: «Auch als Sportchef von YB fühle ich eine echte grosse Freude, dass er nun mit dem FC Basel erstmals in seiner Laufbahn Schweizer Meister wird.»

Fredy Bickel: «Auch als Sportchef von YB fühle ich eine echte grosse Freude, dass er nun mit dem FC Basel erstmals in seiner Laufbahn Schweizer Meister wird.»

Keystone

Fredy Bickel (50), Sportchef YB: «Mein allererstes und mein allerletztes Erlebnis mit Urs beim FC Zürich sind unerfreulich gewesen. Eben erst Sportchef geworden, musste ich ihm im Auftrag von Lucien Favre mitteilen, dass der Trainer nicht mehr auf ihn zähle. Ja, und knapp neun Jahre später war ich noch immer Sportchef, als Urs als Trainer der ersten Mannschaft entlassen wurde. Ich habe diese Trennung nicht eingesehen. Es ist nichts zwischen uns hängen geblieben.

Bei Urs weiss man immer, woran man ist. Er ist ehrlich und direkt. Man kann nicht immer Harmonie mit ihm haben. Man muss sich vielleicht sogar manchmal fragen: Musste er jetzt wieder so direkt sein? Aber dann steht man wieder auf und alles ist ausgeräumt. Was ich heute noch bedaure: Beim Qualifikationsspiel für die Champions League auswärts gegen Bayern München bin ich für ihn keine Unterstützung gewesen, habe mich in München zu viel um anderes gekümmert. Mehr in die Tiefe gehen möchte ich dabei aber nicht. Urs hat mir dann noch am Flughafen in seiner direkten Art seine Unzufriedenheit mitgeteilt. Auch als Sportchef von YB fühle ich eine echte grosse Freude, dass er nun mit dem FC Basel erstmals in seiner Laufbahn Schweizer Meister wird.»

Der FC Basel steht kurz vor seinem siebten Meistertitl in Serie. Eine eindrückliche Dominanz. Doch damit steht der FCB in Europa nicht alleine...

Slowenien NK Maribor, 5x Meister in Serie (2011 - 2015). Ob ein sechster Titel dazu kommt, steht noch in den Sternen. Maribor liegt aktuell auf dem zweiten Tabellenrang mit nur zwei Punkten Rückstand auf Platz 1.
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Bulgarien Ludogorez Rasgrad, 4x Meister in Serie (2012 - 2015). Ein fünfter Titel in Serie wird dieses Jahr sehr wahrscheinlich dazukommen. Ludogorez führt die Tabelle der ungarischen A Grupa mit 14 Punkten Vorsprung an.
Weissrussland FK BATE Baryssau, 10x Meister in Serie (2006 - 2015).
Andorra FC Santa Coloma, 3x Meister in Serie (2014 - 2016).
Kroatien NK Dinamo Zagreb, 10x Meister in Serie (2006 - 2015). Aktuell steht Zagreb mit vier Punkten Vorsprung auf Verfolger Rijeka an der Tabellenspitze. Ein weiterer Meistertitel, der 11. in Serie, ist zum Greifen nah.
Zypern APOEL Nikosia, 3x Meister in Serie (2013 - 2015). Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Nikosia und Larnaca wird entscheiden, ob bei APOEL Nikosia ein vierter Meistertitel in Serie dazukommen wird.
Schottland Celtic Glasgow, 4x Meister in Serie (2012 - 2015). Der fünfte Titel in Folge ist Celtic kaum mehr zu nehmen, denn der schottische Serienmeister liegt derzeit in der Premiership mit acht Punkten Vorsprung an der Spitze.
Griechenland Olympiakos Piräus, 6x Meister in Serie (2011 - 2016).
Italien Juventus Turin, 4x Meister in Serie (2012 - 2015). Der fünfte Titel in Folge steht Juventus kurz bevor.
Albanien KF Skënderbeu Korça, 5x Meister in Serie (2011 - 2015). Der sechste Titel in Serie ist für Skënderbeu noch nicht in Stein gemeisselt. Der Tabellenzweite FK Partizani ist nur zwei Punkte von Skënderbeu entfernt.
Frankreich Paris Saint-Germain, 4x Meister in Serie (2013 - 2016). Paris steht bereits seit Mitte März, genau gesagt seit dem eindrücklichen 9:0-Sieg gegen Troyes, als vorzeitiger französischer Meister fest.
Deutschland FC Bayern München, 3x Meister in Serie (2013 - 2015). Auch die Bayern stehen vor einem weiteren Triumph und können die Serie auf vier Titel in Folge erhöhen.
Wales The New Saints FC, 5x Meister in Serie (2012 - 2016).
Gibraltar Lincoln Red Imps FC, 13x Meister in Serie (2003 - 2015). Voraussichtlich wird für den gibraltarischen Serienmeister ein 14. Titel dazukommen.

Slowenien NK Maribor, 5x Meister in Serie (2011 - 2015). Ob ein sechster Titel dazu kommt, steht noch in den Sternen. Maribor liegt aktuell auf dem zweiten Tabellenrang mit nur zwei Punkten Rückstand auf Platz 1.

Keystone