FC Basel

Shkelzen Gashi steht beim FCB vor dem Ende

Im Sommer war Shkelzen Gashi noch Torschützenkönig in der Super League, doch um den Topscorer es ist ruhiger geworden. Um seinen Stammplatz im Nationalteam nicht zu gefährden, wird der Albaner den FCB wohl bald verlassen.

Sebastian Wendel
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Will sich freitanzen – mit einem Wechsel? Shkelzen Gashi.

Will sich freitanzen – mit einem Wechsel? Shkelzen Gashi.

KEYSTONE

Gerne hätten wir Shkelzen Gashi getroffen und mit ihm über seinen Abstieg vom Torschützenkönig zum Nebendarsteller gesprochen. Doch die Interview-Anfrage läuft ins Leere. Gashi, so die Medienstelle des FC Basel, habe seine Magendarm-Grippe zwar auskuriert, sehe momentan aber davon ab, Journalisten zu treffen.

Eine Auswahl der Fragen, die wir Gashi gerne gestellt hätten: 2014 und 2015 Torschützenkönig – heute Sorgenkind Nummer 1 beim FCB: Wie erklären Sie sich diesen Abstieg? Letzte Saison verwerten Sie die Chancen mit Leichtigkeit: Warum fällt Ihnen das Toreschiessen nun so schwer? Ist die Position am linken Flügel die richtige für Sie?

Im Cup zeigte Gashi sein Können - Matias Delgado (l.) und Shkelzen Gashi jubelten beim Cupsieg in Köniz

Im Cup zeigte Gashi sein Können - Matias Delgado (l.) und Shkelzen Gashi jubelten beim Cupsieg in Köniz

KEYSTONE/PATRICK STRAUB

Wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen und Trainer Urs Fischer? Stimmt es, dass Sie im Sommer – mit Anfragen aus dem Ausland in der Hinterhand – bei den FCB-Verantwortlichen eine Verlängerung des Vertrags über 2018 hinaus und mehr Lohn gefordert haben? Sehen Sie Ihre EM-Teilnehme mit Albanien in Gefahr? Möchten Sie deshalb in der Winterpause den FC Basel verlassen?

Dass Gashi das Gespräch ablehnt, ist zwar schade, erstaunt aber nicht wirklich. Der 27-Jährige fiel noch nie als grosser Rhetoriker auf, seit er vor 18 Monaten mittels Blitztransfer von GC zum FCB gewechselt hat. Stattdessen verfiel er vor den Mikrofonen meist in Allgemeinplätze wie «ich danke der Mannschaft» oder «ich arbeite hart».

Shkeli hat das Lachen verloren

Auch lachen sieht man Gashi abseits des Platzes selten, auf Fotos posiert er mit top gestylter Frisur, schicker Kleidung und strengem Blick. Einst begründete er seine farblose Aussendarstellung so: «Ich bin ein einfacher Typ, ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass meine Meinung interessiert. Ich muss auf dem Platz Gas geben, statt in Interviews oder vor der Kamera mit Worten zu überzeugen.»

Auf dem Platz Gas geben, überzeugen, Tore schiessen – ausgerechnet die Dinge, auf die er sich selber beschränkt, fallen ihm in dieser Saison so schwer. In den vergangenen zwei Spielzeiten erzielte Gashi 41 Tore, war unbestrittener Fixstarter. Seit Urs Fischer den FCB trainiert, stand Gashi in 17 Super-League-Spielen nur sieben Mal in der Startelf und traf nur drei Mal, wovon nur ein Tor aus dem Spiel heraus entstand.

In der Liga muss der Albaner oft auf der Bank platznehmen.

In der Liga muss der Albaner oft auf der Bank platznehmen.

Urs Lindt/freshfocus

Es heisst, Gashi verstehe sich nicht gut mit Trainer Urs Fischer, was noch von gemeinsamen Zeiten beim FC Zürich herrühre. Natürlich will beim FCB dazu niemand konkret werden, ein zu heisses Eisen. Sportdirektor Georg Heitz ortet die Gründe für Gashis Grounding anderswo, sagt: «Ihm fehlt ein Erfolgserlebnis. Das ist typisch für torgefährliche Spieler.

Wenn es nicht läuft, beginnen sie vielleicht zu zögern, denken zu viel nach.» Heitz bejaht, dass Gashi ein Spieler sei, der mehr Vertrauen brauche als andere, um zu funktionieren: «Auch das ist bei vielen Offensivspielern so. Sie muss man verbal stärken, wenn es nicht läuft.» Aber warum wurde es bei Gashi im Herbst nie besser, obwohl man im gut zuredete? Weil es eben doch nicht harmoniert zwischen Gashi und Fischer?

Abgang liegt auf der Hand

Die «Nordwestschweiz» erfuhr, Gashi soll im Sommer bei den Klubverantwortlichen vorstellig geworden sein und habe mehr Lohn gefordert. Ein weiterer Grund für seinen gesunkenen Stellenwert? Aus dem Umfeld des Spielers gibt es dazu keinen Kommentar. Der FCB-Sportdirektor sagt: «Wir äussern uns nicht zu internen Gesprächen, ob sie stattgefunden haben oder nicht.»

Gashi, so Heitz, gehe professionell mit seiner Situation um, trainiere hart. «Er ist zufrieden, bei einem Klub wie dem FC Basel unter Vertrag zu sein. Er stand in 18 von 29 möglichen Partien im Einsatz. Aber klar: Gashi ist Nationalspieler und hat den Anspruch, öfter zu spielen.»

EM in Gefahr?

Das muss er auch. Ansonsten droht der Albaner, sein heute noch sicheres Ticket für die Europameisterschaft im kommenden Sommer zu verlieren. Und weil es erstens keinen triftigen Grund gibt, warum sich seine Situation in der Rückrunde ändern sollte, und zweitens der FCB Spielern nicht im Weg steht, die ihre Träume verwirklichen wollen, liegt ein baldiger Abgang auf der Hand.

Interessenten sind vorhanden. Heitz dazu: «Es ist Anfang Dezember, zu früh, um über Transfers zu reden. Aber es wird bei uns wie in jeder Transferphase auch in der Winterpause zu Veränderungen kommen.»