Nachwuchshoffnung

Sieg, Punkt und ab nach Asien –Yannik Steinegger feiert einen Exploit und reist nun in die Ferne

Tennis Basels grösste Nachwuchshoffnung Yannik Steinegger besiegt erst einen Schweizer Davis-Cup-Spieler und darf jetzt nach Fernost.

Jakob Weber
Drucken
Teilen
«Immer nur Tennis zu spielen, tönt vielleicht monoton. Aber Besserwerden ist nie langweilig.» Yannik Steinegger hat den Ball auch bei der spontanen Volley-Einheit vor dem Gespräch fest im Blick.Kenneth Nars

«Immer nur Tennis zu spielen, tönt vielleicht monoton. Aber Besserwerden ist nie langweilig.» Yannik Steinegger hat den Ball auch bei der spontanen Volley-Einheit vor dem Gespräch fest im Blick.Kenneth Nars

Kenneth Nars

Die Tribünen des Center Courts sind gut gefüllt. Basels bester Tennisjunior, der 17-jährige Yannik Steinegger, ist nervös. Dabei stimmt die Form. Ohne Satzverlust hat der Bubendörfer zuvor drei Qualifikationsspiele gewonnen und steht zum dritten Mal in seiner noch jungen Karriere im Haupttableau eines ITF-Future-Turniers. Dort war die erste Runde eine bislang unüberwindbare Hürde.

Auch in diesem Spiel ist Steinegger nicht der Favorit. Sein Gegner, Antoine Bellier (ATP 733), ist direkt vom Davis Cup aus Kasachstan angereist. Unter den vielen Zuschauern im aargauischen Oberentfelden ist deswegen auch Davis-Cup-Teamchef Severin Lüthi. Er will seine Schweizer Schützlinge beim Heimturnier beobachten und sieht, wie Steinegger von Beginn an gut dagegenhält. «Hey, ich bin mindestens genauso gut», freut er sich und gewinnt das Spiel tatsächlich mit 6:4 und 6:4. Bellier und Lüthi gratulieren.

Warten auf das Ranking

«Das war unglaublich. Ich habe den Erfolg erst gar nicht realisiert und mich einfach gefreut, dass ich gegen Bellier gewinnen konnte», sagt Steinegger zu seinem bisher grössten Exploit. Erst später kommt ihm in den Sinn, dass er mit diesem Sieg auch seinen ersten ATP-Punkt gesammelt hat. Weil Steinegger dann im Achtelfinale gegen den Deutschen Sami Reinwein (ATP 614) verliert, bleibt es vorerst bei nur einem Punkt. Die Mühlen der ATP mahlen langsam. Deswegen sucht man Steinegger im offiziellen Ranking noch vergebens. Aber durch den Punkt wird der 1,87 Meter grosse Blondschopf bald irgendwo rund um Rang 1600 klassiert sein.

Nachdem Steinegger im Dezember 2017 noch vier Wochen wegen einer Fussverletzung komplett auf Tennis verzichten musste, läuft jetzt alles nach Plan. Schon beim ersten Auftritt 2018, einem ITF-Junior-Turnier, kommt er im Einzel ins Halbfinale und gewinnt mit Mischa Lanz die Doppelkonkurrenz. Es folgt der Erfolg gegen Bellier beim höher eingestuften ITF-Future-Turnier. Dadurch springt Steinegger im Junioren-Ranking auf Rang 238.

Teilnahme an besseren Turnieren

Dies ermöglicht ihm nun die Teilnahme an besseren Turnieren im Ausland. In einer Woche reist er gemeinsam mit Trainer und Mischa Lanz, seinem Doppelpartner, nach Asien. Dort sollen bei zwei hochklassig besetzten ITF-Junior-Turnieren in Bangkok (Thailand) und Kuching (Malaysia) weitere Siege folgen. Zum ersten Mal spielt Steinegger in Fernost, weit von der Heimat entfernt. «Obwohl die Konkurrenz an diesen beiden Turnieren sehr stark ist, will ich dort so viele Matches wie möglich gewinnen», sagt Steinegger. Das Selbstbewusstsein und die gute Form für weitere Siege gegen höher Klassierte bringt er schon mal mit.

Schritt für Schritt will sich der Teenager so zu seinem nächsten Teilziel auf dem Weg zur Profikarriere spielen: Zur Teilnahme an einem Junioren-Grand-Slam. Dafür müsste Steinegger im Junioren-Ranking unter den Top 60 stehen. Für Paris und Wimbledon könnte die Zeit knapp werden. «Eine Teilnahme am US Open 2018 ist da schon eher realistisch», sagt Steinegger.