Schweizer Cup

Trotz grossem Los – der Aussenseiter im Schweizer Cup hat es nicht leicht

Am Wochenende spielt im Cup David gegen Goliath, wobei Montlingen mit dem FC Basel das grosse Los gezogen hat – doch der Glücksgriff beinhaltet viele Unannehmlichkeiten.

Laura Inderbitzin
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Fussball auf dem Land: Super-League-Vereine gastieren im Cup bei kleinen Dorfvereinen und sorgen dort für grossen Wirbel.

Fussball auf dem Land: Super-League-Vereine gastieren im Cup bei kleinen Dorfvereinen und sorgen dort für grossen Wirbel.

Keystone

Ein grosser Super-League-Klub zu Gast auf dem Rasen des Dorfklubs – davon träumt jeder Unterklassige im Cup. Dann heisst es Favorit gegen Aussenseiter, Nationalspieler gegen Hobbyfussballer – und eine ganze Region ist wie elektrisiert. In solchen Spielen kann Fussballgeschichte geschrieben werden.

Doch ein Traumlos wie zum Beispiel der FC Basel oder YB kann für kleine Klubs auch schnell zur Last werden. «Der Aufwand ist sehr gross», sagt Fabian Elser, Leiter des zehnköpfigen Projektteams vom FC Montlingen. Das 2.-Liga-Team aus der Ostschweiz, genauer gesagt im Oberrheintal, spielt am Samstag um 18.15 Uhr gegen Basel.

Die Anforderungen rund um ein solches Cupspiel sind hoch und für einen Dorfverein manchmal fast nicht zu stemmen: Der bescheidene Fussballplatz wird in ein Mini-Stadion verwandelt, es braucht ein ausgereiftes Sicherheitskonzept und ein Polizeiaufgebot.

Für das Cuphighlight wird der bescheidene Fussballplatz des Unterklassigen in ein Mini-Stadion umgebaut. Wie hier am 13. August, 2017, beim FC Gränichen gegen den FC Sion.   

Für das Cuphighlight wird der bescheidene Fussballplatz des Unterklassigen in ein Mini-Stadion umgebaut. Wie hier am 13. August, 2017, beim FC Gränichen gegen den FC Sion.   

SEVERIN BIGLER

Kritik am Fussballverband

Das hat der FC Baden im vergangenen Jahr erlebt. Er traf im Cup auf St. Gallen. Doch wegen der hohen Kosten – der Präsident sprach von einem Betrag in sechsstelliger Höhe und kritisierte die hohen Anforderungen – hatte der Klub aus der 1. Liga sogar erwogen, die Partie Forfait zu verlieren. Baden hat das Spiel dann trotzdem zu Hause durchgeführt. Doch nicht alle Unterklassigen sind bereit, solche finanzielle Risiken einzugehen. Vor zwei Jahren trat beispielsweise der SC Kriens sein Heimrecht an den FC Luzern ab.

Kriens ist kein Einzelfall. Es kam schon öfter vor, dass kleine Klubs auf ihr Heimrecht verzichtet haben. Der Schweizerische Fussballverband SFV stand deshalb schon mehrmals in der Kritik. Es hiess, die Anforderungen seien zu hoch und dass Dorfklubs deshalb ihr Heimrecht abtreten müssten, sei inakzeptabel. Das widerspreche dem Cup-Gedanken. «Hier gibt es immer mal wieder Diskussionen», bestätigt Daniel Eder, Projektmanager Schweizer Cup beim SFV. Aber grundsätzlich finde man meistens eine Lösung, und beim Spiel von Montlingen gegen Basel gebe es keine Probleme. «Es stand nie zur Diskussion, das Spiel nicht bei uns in Montlingen durchzuführen», sagt auch Elser.

Der FC Montlingen muss das nötoge Polizeiaufgebot nicht selber bezahlen. Archivbild vom 13. August 2017, anlässlich Cupspiel Gränichen - Sion.   

Der FC Montlingen muss das nötoge Polizeiaufgebot nicht selber bezahlen. Archivbild vom 13. August 2017, anlässlich Cupspiel Gränichen - Sion.   

SEVERIN BIGLER

Viel Aufwand für Montlingen

Doch wo liegt der Unterschied zum FC Baden? Wieso beschwerte sich Baden über die Anforderungen und Montlingen hat nichts zu klagen? «Der SFV ist bei beiden Klubs gleich vorgegangen», sagt Eder. Allerdings würden sich die kantonalen Gesetze stark unterscheiden. «So werden die Sicherheitskosten überall anders abgerechnet.» Der FC Montlingen muss beispielsweise das Polizeiaufgebot nicht selber bezahlen. «Das ist aber nicht in allen Kantonen so. Deswegen können die Kosten der Klubs stark variieren – darauf hat der SFV keinen Einfluss.»

Der Kanton St. Gallen scheint zwar ein günstigeres Pflaster für solche Cupspiele zu sein. Und trotzdem: Das Cupspiel in Montlingen bedeutet viel Aufwand. Fabian Elser sagt auf die Frage, wie viele Stunden er und das OK schon investiert haben: «Viele, viele, unglaublich viele.» Es gebe unvorstellbar viel zu organisieren: Verpflegung. Toiletten. Stadion. Sicherheit. Medien. Verkehr.

Fabian Elser sagt: «Anstatt einen Grill, haben wir am Samstag fünfzehn im Einsatz. Archivbild vom 13. August 2017, anlässlich des Cupspiels Gränichen - Sion.   

Fabian Elser sagt: «Anstatt einen Grill, haben wir am Samstag fünfzehn im Einsatz. Archivbild vom 13. August 2017, anlässlich des Cupspiels Gränichen - Sion.   

SEVERIN BIGLER

Elser erwartet am Samstag auf dem Kolbenstein rund 4500 Zuschauer. An einem normalen Meisterschaftsspiel in der 2. Liga sind es 400. «Anstatt einen Grill, haben wir am Samstag fünfzehn im Einsatz. Und anstatt zehn Helfer sind es hundertzwanzig.»

Nur dank Freiwilligenarbeit

Elser sagt aber, dass sie gut auf das Spiel vorbereitet seien, das auch live auf SRF 2 übertragen wird. Die Auflagen vom SFV seien «human», sagt Elser. Wie erwartet, mussten sie eine Sicherheitsfirma engagieren, die Polizei aufbieten und für den Transport der Basler Anhänger zum Teil Strassen sperren. Im Stadion müssen zudem die heimischen Zuschauer von den Gästen getrennt sein. Montlingen löst das unkompliziert.

Montlingen gegen Basel wird live auf SRF übertragen. Archivbild vom 13. August, 2017, anlässlich des Cupspiels Gränichen - Sion.   

Montlingen gegen Basel wird live auf SRF übertragen. Archivbild vom 13. August, 2017, anlässlich des Cupspiels Gränichen - Sion.   

SEVERIN BIGLER

«Wir stellen einen Verpflegungswagen als Barriere hin. Gitter wollten wir nicht. Es soll keine Festung sein.» Elser erwartet, dass trotz allem ein kleiner Gewinn für Montlingen rausschaut. Er betont aber: «Das ist einzig und allein möglich, weil jeder vom Verein freiwillig mithilft.»