FC Basel
Weshalb Ludogorets Rasgrad das RB Leipzig von Bulgarien ist

Pharma-Multimillionär Kiril Domustschiew hat Ludogorets zum Serienmeister und Champions-League-Teilnehmer geformt. Obwohl er auch ins Image viel Geld investiert, bleibt Ludogorets unbeliebt.

Sébastian Lavoyer, Sofia
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Ludogorets Rasgrad erinnert an Bundesliga-Überflieger RB Leipzig.

Ludogorets Rasgrad erinnert an Bundesliga-Überflieger RB Leipzig.

Keystone

Champions League in Sofia und keinen interessiert's. Am Tag vor dem Spiel waren lediglich 15 000 Tickets verkauft, das Wassil-Lewski-Stadion wird auch heute maximal zur Hälfte (Kapazität 43 000) gefüllt sein. Ludogorets ist ein Retortenverein, das RB Leipzig Bulgariens, eines dieser Produkte des modernen Fussballs, ein Verein ohne Geschichte.

Kyril Domustschiew ist Pharmaunternehmer und soll ein Vermögen von rund einer halben Milliarde Euro besitzen. Nach einem kurzen Gastspiel im Vorstand von ZSKA Sofia übernahm er 2010 Ludogorets Rasgrad. Verrückter Wald bedeutet der Name und er wählte den erst 2001 gegründeten Verein, weil in Rasgrad sein Pharma-Unternehmen beheimatet ist.

Schnell stiegen die Jungs vom verrückten Wald von der zweiten in die erste Liga auf, schon 2012 waren sie erstmals Meister. Seither führte im darbenden Bulgarien kein Weg an Ludogorets vorbei. Fünf Meistertitel in Serie, Champions-League-Qualifikation, Europa-League-Coups, alles, was das Herz des Fussball-Fans begehrt.

Bloss die Sternstunden können die Fans von Ludogorets nicht Heimstadion erleben, sondern im 350 Kilometer entfernten Sofia. Die Arena in Rasgrad fast bloss 8000 Zuschauer, zu wenig für die Champions League. Logisch, sind in der fernen Haupstadt andere Vereine beliebter, ZSKA oder Lewski Sofia. Als Ludogorets 2014 in der zweiten Quali-Runde gegen Dinamo Bukarest um den Einzug in die Königsklasse spielte, unterstützten die ZSKA-Fans den Gegner aus Rumänien. Klubpatron Domustschiew schäumte: «Die Fans von ZSKA, die heute gegen unsere Mannschaft brüllten, sind arme Seelen.»

Kaum ein Bulgare in der Startelf

Ganz allgemein haben es Retortenvereine schwer, wenn es um die Gunst eines breiten Publikums geht. In Bulgarien kommt hinzu, dass das Land darbt, Arm und Reich immer weiter auseinanderdriften, Bulgarien ist das ärmste Land Europas, kein anderes Mitglied hat ein tieferes Bruttoinlandprodukt. Und dann kommt da ein Neureicher und wirbelt die Fussball-Landschaft durcheinander, spielt plötzlich Champions League und das mit einem Team, das unter anderem mit acht Brasilianern antritt.

Kaum ein Bulgare steht in der Startaufstellung. Eine entwurzelte, aber hungrige Mannschaft, deren Hunger von seinem Besitzer noch angestachelt wird: Für das heutige Spiel um die Europa League gegen den FCB hat Domustschiew die Prämien von 11 000 auf 22 000 Euro verdoppelt.

Yordan Minev, hier im Duell mit EX-Basel-Spieler Valentin Stocker, ist einer der wenigen Bulgaren, die voraussichtlich in der Startelf stehen werden.

Yordan Minev, hier im Duell mit EX-Basel-Spieler Valentin Stocker, ist einer der wenigen Bulgaren, die voraussichtlich in der Startelf stehen werden.

Keystone

Weil Domustschiew zwar poltern kann gegen rivalisierende Fans anderer bulgarischer Vereine, aber eben doch geliebt werden möchte, bezahlt er mehrere Medien, damit sie seinen Verein in ein positives Licht rücken. Zum einen Nova TV mit den beiden Sportkanälen Diema Sport und Diema Sport 2.

Dazu kriegen die Zeitungen «Meridian Match» und «7 Days Sport Geld», damit sie dem Team auch zu den Auswärtsspielen der Champions League folgen. Doch so viel er auch investiert, die Herzen der Hauptstädter kann er kaum kaufen. ​