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BASKETBALL: Alle Augen auf Richard Carter

Swiss Central steht in der NLA vor den Spielen der Wahrheit. Im Fokus: Richard Carter, der Topskorer der Liga. Dank des Sports konnte er dem harten Alltag entfliehen.
Jonas von Flüe
Hat er den Basketball in den Händen, strahlt er vor Freude: Richard Carter, Spielmacher von Swiss Central Basket und Liga-Topskorer. (Bild Eveline Beerkircher)

Hat er den Basketball in den Händen, strahlt er vor Freude: Richard Carter, Spielmacher von Swiss Central Basket und Liga-Topskorer. (Bild Eveline Beerkircher)

Jonas von Flüe

Richard Carter Junior schnappt sich den Ball. Er dribbelt auf dem Flecken, mitten in Rothenburg, Richtung St.-Barbara-Kirche und strahlt bis über beide Ohren. In der Luzerner Agglomeration ist der 23-Jährige momentan zu Hause, wohnt mit seinem Teamkollegen Josh Sparks (25) bei einer Familie. Viel haben die beiden noch nicht gesehen, eigentlich nur die Bushaltestelle, die sie täglich nach Luzern ins Training bringt. Die beiden Amerikaner verstehen sich blendend. Wo der 1,80 m kleine Carter, ist auch der 2,05 m grosse Sparks. Die Sonne scheint, die Stimmung ist locker. Während des ganzen Gesprächs lässt Carter den Ball nicht aus den Augen. «Ich war schon damals der Junge mit dem Basketball», sagt der Spielmacher von Swiss Central Basket laut lachend. Damals, das ist ein ganz anderes Kapitel seiner Geschichte, gar nicht zu vergleichen mit der Idylle an diesem sonnigen Nachmittag im beschaulichen Luzerner Vorort.

Er hat Schiessereien miterlebt

Der 23-Jährige ist in Detroit aufgewachsen. Die Stadt im Bundesstaat Michigan ist aus drei Gründen bekannt. Erstens wegen der dort ansässigen kriselnden Autoindustrie, zweitens wegen des weltberühmten Rappers Eminem – und drittens wegen der hohen Kriminalitätsrate. Fast täglich wird auf den Strassen Detroits ein Mensch umgebracht. Richard Carters Miene wird düsterer. Er spricht nicht gerne über das Erlebte. «Ich habe Überfälle und Schiessereien miterlebt. Detroit ist ein ganz schlimmer Ort», sagt er. So schlimm, dass seine immer noch dort wohnhafte Familie ihn nicht allzu lange bei sich haben möchte. «Sie wollten nicht, dass mir was zustösst», sagt er, während er den Basketball fest in seinen Händen hält. «Nur dank dem Basketball bin ich dort rausgekommen. Nur dank dem Sport darf ich hier sein.» Das spitzbübische Lachen in Carters Gesicht ist zurück. Wenn es um Basketball geht, ist er wieder ganz locker.

Topwert mit 22,7 Punkten pro Spiel

Die Lockerheit, sie ist neben der Schnelligkeit Carters grosse Stärke. Im hart umkämpften Heimspiel gegen Massagno blieb er cool und erzielte mit der Schlusssirene den Ausgleich. Die Niederlage nach zwei Verlängerungen konnte er dennoch nicht verhindern. Carter punktet am Laufmeter. Mit 22,7 Punkten ist er der Topskorer der NLA – obwohl Central Basket bisher jedes Spiel verloren hat. «Ich war schon immer der Skorer», sagt Carter cool, ist aber dennoch sichtlich geschmeichelt, wenn man ihn auf den Topwert anspricht.

Die Zentralschweizer sind auf die Vorstösse Carters angewiesen, um endlich den ersten Sieg einzufahren – am besten bereits heute (18.00, Wartegg) gegen Basel. Hat Carter auf dem Platz mal Fahrt aufgenommen, ist er nur schwer zu stoppen. Das wissen mittlerweile auch die Gegner, denen nicht entgangen ist, dass Central Basket bei Carters Verpflichtung ein gutes Händchen hatte.

Aufmerksamkeit dank Youtube

Weil Swiss Central Basket in der ersten NLA-Saison der Vereinsgeschichte vorsichtig kalkulieren wollte und sich mit diversen Mehrausgaben konfrontiert sieht, besteht die Möglichkeit, die Verträge der drei Ausländer bei finanziellen Schwierigkeiten vorzeitig aufzulösen. Mit seinen starken Vorstellungen hat sich Carter in den Fokus anderer Klubs gespielt, denn alle NLA-Spiele sind im Internet live zu verfolgen. Auf Youtube existiert zudem ein Video mit Carters besten Aktionen, zusammengestellt von ihm selbst. Möchte Carter Central Basket also bereits im Winter verlassen? Er winkt ab: «Ich lebe im Moment – und momentan bin ich in Luzern. Hier gefällt es mir sehr gut.» Er und Sportchef Norbert Valis betonen, dass sie die Zusammenarbeit bis Ende Saison fortsetzen möchten. Valis sagt, dass man finanziell auf einem guten Weg sei, jedoch weiterhin mehr Sponsoren brauche. Er macht sich überhaupt keine Sorgen, dass Carter bald für ein anderes Team angreift: «Richard weiss, was er an uns hat. Und ausserdem sind die Ausländerpositionen bei den anderen Klubs belegt.»

Lukrativere Liga lockt

Kann Carter seine hohe Punktekadenz halten, dürfte er in der nächsten Saison aber in einer spielerisch und finanziell lukrativeren Liga in Europa spielen. Nun steht heute aber zunächst das wichtige Spiel gegen Basel an. Sechs Spiele, sechs Niederlagen lautet die Saisonbilanz von Central Basket. Carters Gesicht verzieht sich. «Ich werde mich nie an Niederlagen gewöhnen. Wir müssen endlich gewinnen», sagt er. Die Basler haben bereits zweimal gewonnen, waren Central Basket in der Vorbereitung aber einmal unterlegen. «Jetzt folgen die Schlüsselspiele», weiss auch Norbert Valis. Eine Woche später ist Central Basket zu Gast beim ebenfalls punktelosen Winterthur. Um den Anschluss im Kampf um die angestrebten Playoffs nicht zu verpassen, brauchen die Zentralschweizer zwei Siege. Darüber würde man sich auch in Übersee, in Detroit freuen. Carters Familie und Freunde verfolgen jedes Spiele live im Internet. Lachend sagt er: «Für sie bleibe ich der Bub mit dem Basketball.»

NLA-Basketball. Rangliste (je sechs Spiele): 1. Fribourg Olympic 10 Punkte. 2. Monthey 10. 3. Union Neuchâtel 10. 4. Lions de Geneve 8. 5. Lugano Tigers 8. 6. Boncourt Red Team 6. 7. Massa­gno 4. 8. Starwings Basel 4. 9. Swiss Central Basket 0. 10. Winterthur 0.

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