BASKETBALL: Der Ärger von Djuric vor dem Training

Der 2,02 Meter grosse Zarko Djuric soll Aufsteiger Swiss Central Basket in die Playoffs führen. Bereits als Kleinkind wurde der heute 26-Jährige mit dem Basketballvirus infiziert.

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Erzielte bei seinem Einstand für Swiss Central Basket 22 Punkte: Neuzugang Zarko Djuric. (Bild Pius Amrein)

Erzielte bei seinem Einstand für Swiss Central Basket 22 Punkte: Neuzugang Zarko Djuric. (Bild Pius Amrein)

Daniel Schriber

Zarko Djuric wirkt genervt, als er am Dienstagabend wenige Minuten nach 19 Uhr die Wartegghalle in Luzern betritt. Cheftrainer Danijel Eric hat bereits mit der Einheit begonnen, die Spieler von Swiss Central Basket absolvieren verschiedene Aufwärmübungen. Selbst als sich Djuric nach dem Training zum Interview hinsetzt, ist der Ärger über die Verspätung noch nicht ganz verflogen. Auch deshalb, weil das Gespräch mit unserer Zeitung nicht wie geplant vor, sondern erst nach dem Training durchgeführt werden kann. Dabei trägt er keine Schuld. «Der Bus kam 10 Minuten zu spät, weshalb ich den Anschluss verpasste.» Zu spät zu einem Termin erscheinen, ist nicht das Ding von Zarko Djuric. «Tut mir wirklich leid», sagt er nochmals.

Das Gewissenhafte ist nicht gespielt. Auf die Frage, was man seiner Ansicht nach mitbringen muss, um ein professioneller Basketballer zu sein, antwortet der 26-Jährige: «Die Frage beinhaltet bereits die Antwort. Man muss professionell sein.» Für den Serben mit kroatischem Pass bedeutet das: Immer Vollgas geben – in Spielen und im Training, viel Zeit im Kraftraum, gesunde Ernährung, keine Eskapaden. In den Ausgang? «Dafür müssen wir zuerst einige Spiele gewinnen. Wer erfolgreich sein will, muss seine Pflichten kennen und mental bei der Sache sein», sagt Djuric. Es sind die Lehren aus sieben Profi-Jahren in den Basketball-Hochburgen Kroatien, Serbien und Mazedonien.

Hohe Erwartungen

Die Worte von Djuric dürften die Verantwortlichen von Swiss Central Basket gerne hören, schliesslich gehört der Verein zu den jüngsten und unerfahrensten Teams der NLA. Selbst Richard Carter, der aktuelle Topskorer der Meisterschaft, verfügt erst über ein Jahr Europa-Erfahrung. Danijel Eric erhofft sich von seinem Neuzugang deshalb nicht nur Punkte, sondern auch Leader-Qualitäten. «Der Coach hat mir klar mitgeteilt, was er von mir erwartet», sagt Djuric in sauberem Englisch. «Ob ich diese Rolle übernehmen kann, liegt nicht nur an mir, sondern auch an meinen Teamkollegen. Sie müssen bereit sein, meine Inputs anzunehmen.»

Bis jetzt fühle er sich in seinem neuen Team und auch in der Schweiz sehr gut aufgehoben. «Ich war noch nie hier, habe mich aber im Internet über Land und Leute informiert», so Djuric, der in seiner Freizeit gerne durch die Stadt flaniert und die lokalen Sehenswürdigkeiten bestaunt. Bald will er das Verkehrshaus und ein FCL-Spiel besuchen oder auch den Pilatus erklimmen. Gemeinsam mit seinem US-Kollegen Richard Carter lebt Djuric bei einer Gastfamilie in Rothenburg. «Ich fühle mich sehr wohl dort.» Trotzdem hat der neue SCB-Forward schnell erkannt, dass die Schweiz in Sachen Basketball ganz anders tickt als sein Heimatland.

Vater spielte im Nationalteam

In Serbien, wo Djuric geboren und aufgewachsen ist, kommt Basketball in der Popularitätsskala gleich hinter Fussball. «Die Leute lieben den Sport. Egal ob im Kaffee, beim Coiffeur oder im Taxi, Basketball ist ein Dauerthema», erzählt Djuric. Das war in seiner Familie nicht anders. Sein Vater stand gar einige Spiele für die serbische Nationalmannschaft im Einsatz, später gründete er in seiner Heimatstadt Užice einen Basketballverein für Jugendliche. «Ich spielte schon Basketball, als der Ball noch grösser war als ich», sagt er mit einem Lachen. Und schnell wird klar, dass dieser junge Mann – wie auch seine beiden amerikanischen Teamkollegen – aus einer ganz anderen Basketballwelt stammen. Denn besonders in der deutschen Schweiz ist das Interesse für Basketball im Vergleich zu den Top-Sportarten gering. Daran änderte auch der diesjährige NLA-Aufstieg von Swiss Central nichts. «Ich spüre aber, dass das Projekt auf einem guten Weg ist», so Djuric. «Die Leute beim SCB sind mit Herzblut dabei. Das gefällt mir.»

Starker Einstand in Neuenburg

Beim Einstand am vergangenen Wochenende präsentierte sich Djuric positiv: Gegen den Titelanwärter Union Neuchâtel erzielte der Neuzugang 22 Punkte und wurde sogleich zum besten Spieler seines Teams gewählt.

Beim morgigen Heimspiel gegen Lugano (siehe Box) will Zarko Djuric diese Leistung bestätigen. «Ich bin hierher gekommen, um mit Swiss Central Spiele zu gewinnen und die Playoffs zu erreichen», sagt der 26-Jährige. Dafür will er jeden Tag hart trainieren. Und immer pünktlich im Training erscheinen ...