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BASKETBALL: Der Michael Jordan der Neuzeit

Die Golden State Warriors als Team, Stephen Curry als Spieler: So viel Dominanz hat die US- amerikanische Basketball- Profiliga NBA schon lange nicht mehr erlebt.
Benjamin Miltner
Clarkson (Nr. 6), Bass (2) und Randle (30) von den LA Lakers versuchen verzweifelt, Golden-State-Superstar Stephen Curry in den Griff zu kriegen. (Bild: AP/Jeff Chiu)

Clarkson (Nr. 6), Bass (2) und Randle (30) von den LA Lakers versuchen verzweifelt, Golden-State-Superstar Stephen Curry in den Griff zu kriegen. (Bild: AP/Jeff Chiu)

J. R. Smith war enttäuscht. «Ich habe mich richtig geärgert», schnaubte der Shooting Guard der Cleveland Cavaliers vergangenen Sonntag in die Mikrofone der Journalisten. Das ist als Sportler nach einer Niederlage nicht die ungewöhnlichste Gefühlsregung. Allerdings hatte der Basketball-Profi gar nicht gespielt. Sein Team auch nicht. Smith ärgerte sich vielmehr über den NBA-Primus Golden State. «Ich hatte gehofft, dass sie ungeschlagen bleiben, bevor sie uns begegnen.» Er wollte mit seinem Mannschaftskollegen höchstpersönlich den Siegeszug der Warriors beenden, die Milwaukee Bucks kamen Cleveland aber zuvor und schlugen Golden State mit 108:95.

Der beste Schütze der Liga

Auch der Meister aus Oakland kann also verlieren. Daran hätte man zwischenzeitlich zweifeln können. Zu dominant traten die Warriors seit Saisonbeginn auf, und das, obwohl sie ohne ihren Trainer Steve Kerr (Rückenprobleme) auskommen mussten. 24 Spiele in Folge hatte das Team gewonnen, seine Gegner dabei oft überrannt und einen neuen Liga-Startrekord aufgestellt. Ohne Frage: Der Titelverteidiger ist auch diese Saison das (bisher) beste Team. Das liegt vor allem an einem Mann: Wardell Stephen Curry II. Oder kurz «Steph» Curry. Er gilt seit Jahren als der beste Schütze der Liga. Seit letzter Saison als der beste Spieler der Liga – und für viele im Moment als der aufregendste Sportler des Planeten. Klingt nach einer mutigen These, ist aber mit einigen stichhaltigen Argumenten zu untermauern.

Da ist zum einen sein persönliches Zahlenwerk. Curry macht im Schnitt 32 Punkte pro Spiel, trifft mehr als 50 Prozent seiner Würfe aus dem Feld, 90 Prozent seiner Freiwürfe, sammelt dazu über fünf Rebounds und legt seinen Mitspielern sechs Assists auf. Kurzum: Curry ist nicht nur eine Scoring-Maschine, sondern auch unfassbar effektiv. «Seit zwei Jahren schon hat niemand eine Antwort auf ihn», sagt Nicolas Batum (Charlotte Hornets), einer der besten Verteidiger der Liga. «Du versuchst, ihm die Würfe immer zu erschweren, aber ich habe noch nie jemanden so werfen sehen, das ist einfach nur beeindruckend.»

Kompliment des «Auserwählten»

Seine Spezialität: der Drei-Punkte-Wurf. Keiner trifft so häufig (fünfmal pro Spiel) und so genau (über 45 Prozent Trefferquote) jenseits der Dreierlinie wie er. Besonders frustrierend: Wenn ihn ein Gegenspieler eng und intensiv behagt, trifft er noch besser – das ist sogar statistisch bewiesen. Was also tun? Curry in die Zone laufen lassen? Dann spielt er seine Schnelligkeit aus und trifft auch aus der Nahdistanz sicher. Mehrere Balltreiber auf ihn jagen? Dafür ist sein Auge und sein Passspiel zu präzise, sind seine Mitspieler zu treffsicher. Sein kongenialer Partner Klay Thompson zum Beispiel, der beim 128:103-Sieg über die Phoenix Suns mit 43 Punkten den Boden für die nächste Siegesserie bereitete. Ihn einfach freistehen lassen? Guter Witz! Die Dreierlinie weiter nach hinten verschieben? Wird tatsächlich diskutiert, würde Curry aber am wenigsten jucken. Er nimmt jetzt schon den Grossteil seiner Würfe über einen Meter hinter der Linie – mit Traumquoten.

Seine Flexibilität macht Curry unberechenbar. Unaufhaltsam. Einfach unvergleichlich. Selbst Superstar LeBron James, der sich selbst als «der Auserwählte» bezeichnet, lobt: «Er ist wie ein Motor, der ein ganzes Schiff antreiben kann. Viele wissen gar nicht, wie grossartig er ist.» Neben seinem butterweichen Handgelenkswurf bringt er auch sonst alles mit, was in die Werkzeugkiste eines erstklassigen Spielmachers gehört: eine mehr als solide Defensivarbeit. Ein explosiver Antritt gepaart mit irrwitzigen Dribblings, die die Gegenspieler reihenweise auf den Boden plumpsen lassen. Und das Auge und das Ballgefühl für Zuckerpässe auf engem Raum.

Seine Ästhetik verzückt alle. Wenn Curry einen Wurf von nahe der Mittellinie verwandelt, obwohl er die Hand des Verteidigers spürt – für Momente wie diese kommen die Fans in die Halle. So, wie sie früher auf die krachenden Dunkings von Basketball-Übervater Michael Jordan gewartet haben. «Er ist der Jordan der heutigen Generation», sagt Jason Kidd, selbst eine Spielmacher-Legende. «Wir wollten alle so sein wie Michael, heute schauen die Kinder zu Steph auf.»

Es macht den Anschein, als ob Curry gerade dabei wäre, eine Ära in der besten Liga der Welt zu prägen.

Benjamin Miltner

«The Swiss Roll» steht vor dem Durchbruch

Schweizer Das Jahr 2015 dürfte Thabo Sefolosha so schnell nicht vergessen. Im Frühling wurde der 31-jährige Waadtländer vor einem Nachtclub in New York verhaftet und von der dortigen Polizei angeklagt, weil er im Zusammenhang mit einer vorangehenden Messerstecherei die Polizeiarbeit behindert habe. Doch nicht nur das: Bei seiner Festnahme wurde Sefolosha so grob angegangen, dass er sich dabei sein rechtes Wadenbein brach. Mittlerweile drehte sich die Geschichte für den Schweizer zum Guten: Sefolosha wurde vom New Yorker Gericht freigesprochen – und auch von seiner Verletzung hat er sich erholt. Obwohl er sich gemäss eigenen Aussagen noch nicht 100 Prozent fit fühlt, ist Sefolosha heute wieder fester Bestandteil der Atlanta-Hakws-Rotation.

Sefolosha macht sich keinen Kopf
Optimal lief der Saisonstart für die Hawks indes nicht: Trotz einer positiven Zwischenbilanz (15 Siegen, 12 Niederlagen) befindet sich das Team von Coach Mike Budenholzer im Moment nur auf Platz 9 der «Eastern Conference» – und damit ausserhalb der Playoff-Ränge. Das überrascht insofern, als dass Atlanta den Osten in der vergangenen Saison anführte. «Letztes Jahr waren wir das Überraschungsteam der Liga», sagte Sefolosha unlängst in einem Interview. «Mittlerweile wissen alle, wie stark wir sind.» Verunsichern lässt sich Sefolosha durch den verhaltenen Start nicht. «Die Saison ist lang. Ich bin überzeugt, dass wir auch dieses Jahr vorne mitspielen werden.»

Im Gegensatz zu Thabo Sefolosha, der bereits seine zehnte Saison spielt, ist für Clint Capela in der NBA noch vieles Neuland. Der 21-jährige Genfer startete unlängst in seine zweite Spielzeit mit den Houston Rockets. Zwar konnten die «Raketen» aus Texas mit 12 Siegen aus 26 Spielen ihre Triebwerke noch nicht richtig zünden, aus individueller Sicht kann Capela mit seinem Saisonstart jedoch durchaus zufrieden sein.

Der über zwei Meter grosse Clint Capela erhält gute Kritiken. (Bild: AP/Carlos Osorio)

Der über zwei Meter grosse Clint Capela erhält gute Kritiken. (Bild: AP/Carlos Osorio)



Wurde er in seiner Rookie-Saison noch mehrheitlich im Farmteam der Houston Rockets eingesetzt, steht der Forward dieses Jahr regelmässig an der Seite von NBA-Stars wie James Harden oder Dwight Howard in der Startaufstellung.

Bekannt für Abrollbewegung
Mittlerweile haben auch die US-Medien Kenntnis vom 2,08 m grossen Genfer (8 Punkte/Spiel) genommen. «Capela ist nicht nur in der Lage zu scoren, sondern findet auch immer wieder den freien Mann», lobt etwa «USA Today». Ausserdem ist er überaus agil. Bekannt ist Capela für seine spezielle Abrollbewegung, dank der er immer wieder frei zum Wurf kommt. Der Schweizer beherrscht diesen «Move» so gut, dass ihn manche amerikanische Medien nur noch «The Swiss Roll» nennen. Ausserdem hat der – immer noch etwas schlaksige – Capela über den Sommer an Gewicht gewonnen, was ihm in der von Athletik geprägten NBA helfen wird. Für «USA Today» ist klar: «Capela wird dieses Jahr vielleicht keinen Titel gewinnen, sein Potenzial aber ist riesig.»

Daniel Schriber



National Basketball Association (NBA): Boston - Atlanta (mit Sefolosha/11 Punkte, 8 Rebounds) 101:109. Indiana - Brooklyn 104:97. Orlando - Portland 102:94. Philadelphia - New York 97:107. Miami - Toronto 94:108. Chicago - Detroit 144:147 n.V. Minnesota - Sacramento 99:95. San Antonio - LA Clippers 115:107. Dallas - Memphis 97:88. Utah - Denver 97:88. Phoenix - New Orleans 104:88. Golden State - Milwaukee 121:112.

Ranglisten. Eastern Conference: 1. Cleveland 17/7 (70,8). 2. Indiana 16/9 (64,0). 3. Chicago 15/9 (62,5). 4. Toronto 17/11 (60,7). 5. Charlotte und Miami, je 15/10 (60,0). 7. Orlando 15/11 (57,7). 8. Detroit und Atlanta (Sefolosha), je 16/12 (57,1). 10. Boston 14/13 (51,9). 11. New York 13/14 (48,1). 12. Washington 10/14 (41,7). 13. Milwaukee 10/18 (35,7). 14. Brooklyn 7/19 (26,9). 15. Philadelphia 1/27 (3,6).

Western Conference: 1. Golden State 26/1 (96,3). 2. San Antonio 23/5 (82,1). 3. Oklahoma City 17/9 (65,4). 4. LA Clippers 16/11 (59,3). 5. Dallas 15/12 (55,6). 6. Memphis 14/14 (50,0). 7. Houston (Capela) 13/14 (48,1). 8. Utah 11/14 (44,0). 9. Phoenix 12/16 (42,9). 10. Denver 11/15 (42,3). 11. Portland 11/17 (39,3). 12. Minnesota und Sacramento, je 10/16 (38,5). 14. New Orleans 7/19 (26,9). 15. LA Lakers 4/22 (15,4).

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