BASKETBALL: Dreimädelhaus mit Ambitionen

Das NLB- Frauenteam des STV Luzern Highflyers will mittelfristig in die NLA. Trumpfkarten sind Valentina Sakica (22) und ihre beiden jüngeren Schwestern Veronika und Gabriela.

Roland Bucher
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Valentina Sakica (links) mit ihren beiden jüngeren Schwestern Gabriela (Mitte) und Veronika bei der Sportanlage Alpenquai. (Bild Philipp Schmidli)

Valentina Sakica (links) mit ihren beiden jüngeren Schwestern Gabriela (Mitte) und Veronika bei der Sportanlage Alpenquai. (Bild Philipp Schmidli)

Nein, nicht dass alles rund läuft bei den Highflyers, dazu hatte das Team in den letzten Jahren zu grossen personellen Aderlass erlebt, dazu ist die verletzungsbedingte Absenzenliste zu lang. So ist denn Valentina Sakica mit 22 Jahren bereits die Zweitälteste und eine der Rädelsführerinnen in dieser Equipe. «Die Herausforderung ist gross, aber es ist auch enorm spannend, mit diesem jungen Team etwas bewirken zu können», sagt die routinierte Basketballerin, «und ich spüre: Wir sind auf einem guten Weg.» In der Ausformulierung bedeutet dies: Die Highflyers haben sich auf die Fahne geschrieben, in drei, noch besser bereits in zwei Jahren den Aufstieg ins Oberhaus zu realisieren.

Karriereknick mit 15

Valentina Sakica, die früher auch gehöriges Talent für den Tennissport verriet («doch wir hatten schlicht und einfach kein Geld, um mir eine solche Ausbildung zu finanzieren»), schien mit 15 Jahren einer tollen Basket-Karriere entgegenzusteuern, wurde sogar für die Landesauswahl und einen Ländermatch gegen Estland berufen. Im Rückblick sagt die 1,75 Meter grosse Krienserin: «Mit ein bisschen Glück hätte ich als Basketballerin Karriere machen können.» Doch es kam ganz anderes: Anhaltende und sehr schmerzhafte Entzündungen im Knie forderten dem Talent eine zweijährige Zwangspause ab: «Das war ein erheblicher Karriereknick. Wenn du in diesem Alter so lange aussetzen musst, dann verpasst du ganz einfach den Anschluss.»

Die junge Frau kämpfte sich indes zurück, erlebte wunderschöne Lehr- und Wanderjahre an einer High School in Tacoma, kehrte in die Schweiz zurück, stützt heute die Highflyers mit ihrem immensen Erfahrungsschatz. «Aber den ganz grossen Traum von einer Auslandkarriere, den habe ich mir abgeschminkt», gesteht sie, «wenn ich als Sportlerin noch einen grossen Wunsch anmelden darf, dann – eben – eine NLA-Zukunft mit den Highflyers.» Wesentliches dazu beitragen will sie als aktive Spielerin mit dem ausgesprochenen Sieger-Gen («ich bin eine schlechte Verliererin, an einer Niederlage kaue ich oft mehrere Tage herum»), aber auch als Identifikationsfigur für den aufstrebenden Nachwuchs: «Ich möchte etwas zurückgeben. Es wäre schön, wenn ich unsere jungen, talentierten Nachwuchsspielerinnen dazu motivieren kann, sich mit Herzblut für den Basketballsport und die Highflyers einzusetzen.»

Valentina, die Diplomatin

Valentina Sakica, in Prizren (Kosovo) geboren und mit vier Schwestern und einem Bruder in Kriens aufgewachsen, denkt natürlich nicht zuletzt an ihre beiden jüngeren Schwestern, welche das familieninterne Dreimädelhaus bei den Highflyers komplettieren. Im Kurzbeschrieb charakterisiert sie Veronika (20) als «mega aufgestellte Schwester mit immenser Ausstrahlung», derweil Gabriela (18) die schlaue, kreative Spielerin sei. Und, Valentina, wer nun, bitte schön, ist die Höchstbegabte des illustren Trios? Die Antwort kommt zögerlich, und selber nimmt sie sich artig aus der Rangliste. «Sagen wir es mal so: Gabriela hat das grössere Potenzial, doch Veronika ist die Bessere.» Gibt das kein böses Blut? Valentina lacht: «Wir drei spielen auf ähnlichen Positionen, verstehen uns beim Basketball wie zu Hause blind. Nein, Streitereien kennen wir keine.»

Der Papa bevorzugt Fussball

Papa Nua freut sich an den sportlichen Talenten des Highflyer-Trios mit, ist hie und da sogar an Auswärtsspielen anzutreffen – aber: «Für den Fussball schlägt sein Herz noch intensiver», räumt Valentina ein. Wenn Sohnemann Emanuell (16) gleichzeitig für den SC Kriens dem runden Leder nachjage, «dann müssen wir auf seinen Support verzichten». Der Sport ist, natürlich, ein erhebliches Thema bei Sakicas, indes vermitteln die Eltern ihren sechs Kindern auch andere, noch wichtigere Werte, die das Leben prägen: «Papa und Mama haben uns immer gesagt: Glaubt an euch. Und habt, was ihr auch immer tut, Spass daran. Spass und Freude – das ist etwas vom Wertvollsten.»

Wenn sich trotzdem mal eine melancholische Stimmung einschleicht, dann greift Valentina Sakica am liebsten zu den Farbstiften, lässt Comicfiguren aufleben und der Fantasie freien Lauf: «Dieses Hobby ist wunderbar, um den Kopf durchzulüften.» In allerbester Erinnerung ist ihr auch das weiterbildende Austauschjahr in Amerika geblieben: «Die Kombination Schule und Sport, das war für mich eine prägende Erfahrung. Ein solches Abenteuer kann ich jedem jungen Menschen nur empfehlen.» Die Reiserei, die ist übrigens immer noch im Herzen deponiert: «Ich will später die Welt und ihre Schönheiten so intensiv wie möglich kennen lernen.»

Erfüllung im Beruf

Vorerst kämpft Valentina Sakica indes um das Wohlergehen der Highflyers, wo auf dem Weg in die höchste Spielklasse sehr viel Geduld gefordert sei. Beruflich absolviert die junge Frau an der Epilepsie-Klinik in Zürich eine Ausbildung zur Fachfrau Betreuung und sagt: «Anderen Menschen helfen zu können, das ist wunderbar. Und ich kann dabei auch für mich so viel lernen.»

Valentina Sakica ist halt aus jenem Holz geschnitzt, welches Figuren entstehen lässt, die auch für den Sport von so grosser Bedeutung sind.