BASKETBALL: Thabo Sefolosha: «Der Frust sitzt tief»

Nach dem vorzeitigen Aus der Oklahoma City Thunder muss Thabo Sefolosha den Playoff-Final am TV verfolgen. Das fällt dem 29-Jährigen schwer.

Interview Daniel Schriber, Vevey
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Wird in diesem Jahr nicht für das Nationalteam auflaufen: Thabo Sefolosha, der gestern in Vevey Bilanz zog. (Bild: Keystone/Christian Brun)

Wird in diesem Jahr nicht für das Nationalteam auflaufen: Thabo Sefolosha, der gestern in Vevey Bilanz zog. (Bild: Keystone/Christian Brun)

Grosse Erwartungen gehören zum Sport, herbe Enttäuschungen ebenso. Thabo Sefolosha kann davon ein Lied singen. Nachdem der Schweizer vor einem Jahr mit seinen Oklahoma City Thunder (OKC) bereits im NBA-Final stand, sollte dieses Jahr der Titel her. Doch für das Team mit der zweitbesten Qualifikationsbilanz war in den aktuellen Playoffs nichts zu holen. Oklahoma City schied bereits in der zweiten Runde überraschend gegen Memphis aus. Statt OKC kämpfen nun die San Antonio Spurs und Titelverteidiger Miami um den Titel. Thabo Sefolosha weilt derweil in seiner Heimat Vevey. Gestern sprach er noch einmal über die vergangene Saison – und wagte auch einen Blick nach vorne.

Thabo Sefolosha, verfolgen Sie die hochspannende Finalserie zwischen den Miami Heat und den San Antonio Spurs?

Thabo Sefolosha: Mehr oder weniger. Weil ich bereits wieder am Trainieren bin, kann ich schlecht bis nachts um 4 Uhr vor dem Fernseher sitzen, um die Spiele live zu verfolgen.

Sie sind mit Spurs-Star Tony Parker befreundet. Haben Sie kürzlich mit dem Franzosen gesprochen?

Sefolosha: Ich habe ihm vor der Finalserie ein SMS geschrieben und ihm viel Glück gewünscht.

Wer holt den Titel?

Sefolosha: Miami ist favorisiert, aber in einem Spiel 7 kann alles passieren. Die Spurs sind sehr erfahren und haben eine super Truppe zusammen.

Hand aufs Herz: Kümmert Sie überhaupt, wer Champion wird?

Sefolosha: Diese Frage werde ich nicht beantworten. (lacht)

Vor einem Jahr standen Sie selber im Final. Wie schwierig ist es, von zu Hause aus zuschauen zu müssen?

Sefolosha: Ziemlich schwierig.

Was heisst das?

Sefolosha: Der Frust sitzt tief. Wäre alles normal gelaufen, würden wir jetzt gegen Miami spielen. Wir hatten ein finalwürdiges Team beisammen. Doch leider erreichte uns just im dümmsten Moment das Verletzungspech. (Anmerkung: OKC-Star Russell Westbrook verletzte sich in der Viertelfinal-Serie gegen Memphis schwer. Das war der Wendepunkt der Serie.)

Würden Sie rückblickend trotzdem von einer erfolgreichen Saison sprechen?

Sefolosha: Auf jeden Fall. Wir konnten von 82 Spielen 60 gewinnen, das schafft man nicht einfach so.

Und Ihre persönliche Leistung?

Sefolosha: Ich hatte das Ziel, mich in der Offensive zu verbessern, was mir gelungen ist. Ich konnte meinen Punkteschnitt von 4,8 auf 7,6 pro Spiel erhöhen.

Sie haben erwähnt, dass Sie bereits wieder trainieren. Worauf legen Sie Ihren Fokus?

Sefolosha: Ich investiere nach wie vor viel Zeit in mein Angriffsspiel. Ich werfe oft aus der Distanz, arbeite aber auch vermehrt an meinem Zug zum Korb.

Haben Sie sich für die nächste Saison schon konkrete Ziele gesetzt? Sagen wir, 10 Punkte und 5 Assists pro Spiel?

Sefolosha: Ich werde mir konkrete Ziele setzen, muss diese aber erst noch definieren. Natürlich würde ich gerne noch mehr Punkte erzielen.

Wie trainieren Sie hier in der Schweiz eigentlich, so ganz ohne NBA-Kollegen?

Sefolosha: Der Tag beginnt meistens morgens im Fitnessstudio, anschliessend gehts für zirka zwei Stunden in die Halle. Dort trainiere ich mit meinem langjährigen Freund und Coach Antoine Manthey. (Anmerkung: Manthey ist Trainer des NLB-Klubs Vevey Riviera Basket.) Nachmittags steht die Regeneration im Vordergrund.

Wo bleibt die Spielpraxis?

Sefolosha: Ab und zu trainiere ich mit Nationalliga-Spielern aus der Umgebung. Zudem reise ich im Juli und August jeweils einige Tage in die USA, um dort mit anderen NBA-Spielern zu trainieren. Und ich werde einige Trainingseinheiten mit der Schweizer Nationalmannschaft absolvieren.

Gutes Stichwort. Werden Sie die Schweizer in der Qualifikation für die EM 2015 unterstützen?

Sefolosha: Nach ausführlichen Gesprächen mit den Verbandsoberen habe ich der Nationalmannschaft für dieses Jahr eine Absage erteilt.

Warum?

Sefolosha: Die NBA-Saison war lang und sehr anspruchsvoll, ausserdem hatte ich mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Ich möchte mich nun möglichst fokussiert auf meine achte NBA-Saison vorbereiten. Länderspiele liegen dieses Jahr leider nicht drin, ich hoffe aber, dass ich nächstes Jahr zur Nationalmannschaft zurückkehren werde.

Apropos nächstes Jahr: Dann läuft auch Ihr Vertrag bei Oklahoma City aus. Hat man Ihnen schon ein Angebot gemacht?

Sefolosha: Nein, dafür ist es aber auch noch zu früh. Ausserdem kümmert sich mein Agent um das Vertragliche.

Trotzdem: Werden Sie auch in den kommenden Jahren für die Thunder auflaufen?

Sefolosha: Ich hoffe es und bin auch zuversichtlich – aber in diesem Geschäft ist alles möglich. Ich muss jederzeit damit rechnen, meine Sachen packen zu müssen.

Bekanntlich hält Thunder-Coach Scott Brooks grosse Stücke auf Sie. Stehen Sie derzeit in Kontakt mit ihm?

Sefolosha: Wir mailen ab und zu. Regelmässiger meldet sich aber mein Konditionstrainer, der sich über meinen Trainingsfortschritt informieren will. (lacht)

NBA-Basketball. Final (best of 7): Miami - San Antonio 103:100 n. V.; Stand 3:3. – Das entscheidende siebte Spiel findet in der Nacht auf Freitag in Miami statt.