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BASKETBALL: Vater war sein strengster Coach

Ein Leben ohne Basketball? Für Nikola Stevanovic undenkbar. Die Liebe zum Spiel brachte ihn weitherum. Dass er heute mit Swiss Central Basket NLA spielen kann, sieht er als Glücksfall.
Nikola Stevanovic demonstriert sein Können vor der Luzerner Wartegghalle. (Bild Dominik Wunderli)

Nikola Stevanovic demonstriert sein Können vor der Luzerner Wartegghalle. (Bild Dominik Wunderli)

Daniel Schriber

Um die Geschichte von Nikola Stevanovic (22) zu erzählen, empfiehlt sich ein Blick in sein Familienalbum. Eines der Bilder ist besonders viel sagend. Es zeigt einen jungen, muskulösen Mann mit halblangen, schwarzen Haaren. Der Mann sieht, mit Ausnahme der Frisur, fast genau so aus wie Nikola Stevanovic heute. Es ist sein Vater, Saša. Auf dem Foto hebt er seinen Sohnemann in die Luft, während dieser gerade einen farbigen Minibasketball in einen Kinderkorb fallen lässt. Der Vater blickt fokussiert in Richtung Korb, der kleine Junge guckt in die Kameralinse und strahlt. Er ist zum Zeitpunkt der Aufnahme vielleicht drei Jahre alt. Heute ist er knapp 20 Jahre älter und sagt: «Seit diesem Tag hat der Schweizer mit serbischen Wurzeln das Spiel mit dem orangen Ball im Kopf. Und bringt es einfach nicht weg.»

Trainieren im Schnee

Dass er basketballverrückt war, bemerkte seine Umgebung schnell. In Nikolas Kinderzimmer hingen keine Poster von irgendwelchen Fussballern, sondern von Chicago-Bulls-Star Michael Jordan und dem Film «Space Jam». Galt es in der Schule einen Vortrag zu halten, stand das Thema für Nikola von vornherein fest: Basketball. Und während seine Schulfreunde vor und nach der Schule Bälle kickten, warf er sie lieber auf den Korb. Stundenlang.

Fast jeden Tag habe er draussen gespielt, erinnert er sich. Auf dem Asphaltplatz beim Schulhaus Matt in Littau, oft bei Regen, manchmal sogar bei Schnee. Meistens war sein Vater dabei, der sich seine Arbeit als Taxifahrer so einteilte, dass er wenn immer möglich mit seinem Sohn trainieren konnte. Trainieren, nicht spielen, betont Stevanovic. «Er nahm mich hart ran, und manchmal gab es auch Streit.» Und wenn die beiden Jungs wieder mal verschwitzt und zerstritten nach Hause kamen, schüttelte Nikolas Mutter nicht selten missmutig ihren Kopf. «Wir waren halt zwei Basketballverrückte», lacht Nikola heute. «Dagegen konnte Mutter nichts ausrichten.» Auch das ist bis heute so geblieben. Saša Stevanovic verpasst kaum ein Spiel seines Sohnes, und nach einer Niederlage können die beiden stundenlang über die Gründe diskutieren. «Basketball verbindet uns», sagt Stevanovic. Zwischen den beiden herrsche weniger eine typische Vater-Sohn-Beziehung, als vielmehr eine tiefe Freundschaft.

Wertvolle Auslanderfahrungen

Nikola ist sieben Jahre alt, als er sich dem STV Luzern anschliesst und unter seinem Jugendtrainer Ernesto Rea die taktischen Grundlagen des Sports auf den Weg bekommt. Der Trainer erkennt Nikolas Talent und fördert ihn; lässt ihn zum Beispiel als U-13- mit den U-15-Junioren trainieren. Stevanovic seinerseits kennt schon bald nur ein Ziel: Er will Profi werden. Doch er weiss, dass das von Littau aus kaum möglich sein wird. Also geht er fort.

Mit 17 verbringt er ein Jahr in Novi Sad, der zweitgrössten Stadt Serbiens. Mit dem dortigen U-18-Team holt er gar die nationale Meisterschaft. «In Serbien ist Basketball Volkssport», erzählt Stevanovic mit leuchtenden Augen. «Schon bei den Junioren herrschen professionelle Strukturen, der Sport wird schon früh sehr ernst genommen.» Nach einem Jahr kehrt er zurück – nur, um gleich weiterzuziehen. Er erhält ein Angebot von Ratiopharm Ulm, einem Verein der Deutschen Bundesliga. Stevanovic soll mit der ersten Mannschaft trainieren und in der Nachwuchsbundesliga Spielpraxis sammeln. Doch in Deutschland wird er nicht glücklich. Wurde in Serbien gut für die Nachwuchsspieler gesorgt, war der junge Schweizer in Ulm völlig auf sich allein gestellt. Er trainierte täglich zwei Mal, musste Wäsche waschen, kochen – und dann auch noch zur Schule gehen. «Es war einfach zu viel.» Noch heute wirkt Stevanovic enttäuscht, wenn er über seine Zeit in Ulm berichtet. «Ich durfte mit dem Bundesligateam trainieren und war überzeugt, den Sprung schaffen zu können.» Als das am Ende doch nicht klappte, brach für den jugendlichen Sportler eine kleine Welt zusammen. Etwas brach indes nicht: die Liebe zum Spiel.

In den folgenden Jahren spielte der Littauer für verschiedene Schweizer Clubs. Nach einer Saison bei Massagno in der NLA folgte ein Jahr bei Swiss Central Basket (NLB) und danach zwei weitere Jahre bei Küsnacht-Erlenbach und Aarau (beide NLB). Heute ist Stevanovic zurück in der Zentralschweiz – und ein Schlüsselspieler der ersten NLA-Mannschaft seit 13 Jahren. «Es ist ein tolles Gefühl, vor der eigenen Haustür in der höchsten Liga zu spielen», freut sich der Flügelspieler.

Weniger gross ist seine Freude über den bisherigen Saisonverlauf. «Ich hasse es, zu verlieren.» Doch genau daran musste er sich in den ersten zwei NLA-Monaten gewöhnen.

Profi-Traum bleibt

Nach einem durchzogenen Saisonstart befindet sich Swiss Central mit zwei Siegen aus zehn Spielen auf dem zweitletzten Platz. Statt den Kopf hängen zu lassen, will Nikola Stevanovic kämpfen. Dabei nimmt er sich selbst, aber auch seine Teamkollegen in die Pflicht: «Dann müssen wir halt noch härter trainieren! Dass wir zu Recht in der NLA sind, haben wir am vergangenen Samstag beim 84:63-Heimsieg gegen Boncourt bewiesen.» Stevanovic ist überzeugt, dass das Potenzial seines Teams noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Und sein eigenes? Ist der Traum von der Profikarriere auch heute noch da? Stevanovic, der kürzlich seinen KV-Abschluss machte und zurzeit als Securitas jobbt, nickt überzeugt. «Der Traum ist noch da. Ich glaube immer noch, dass das möglich ist.» Es wäre nicht Nikola Stevanovic, wenn es anders wäre. Der junge Mann aus Littau, der schon mit drei Jahren die Liebe seines Lebens fand.

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