BEACHVOLLEYBALL: Schweizer Duo trumpft gross auf

Nico Beeler und Alexei Strasser greifen bei der World Tour in Luzern nach dem Turniersieg. Das neu formierte Duo steht überraschend im Halbfinal von heute.

Stephan Santschi
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5. Wettkampftag gestern im Luzerner Lido: Beachvolleyball vom Feinsten begeistert die Fans auf den oft bis auf den letzten Platz gefüllten Tribünen. (Bild Philipp Schmidli)

5. Wettkampftag gestern im Luzerner Lido: Beachvolleyball vom Feinsten begeistert die Fans auf den oft bis auf den letzten Platz gefüllten Tribünen. (Bild Philipp Schmidli)

«Grandios, die Arena ist proppenvoll, alle stehen.» Nico Beeler war gestern überwältigt von der Atmosphäre im Luzerner Lido. Der 22-Jährige aus Jona hatte soeben mit seinem Partner, dem 27-jährigen Stadtzürcher Alexei Strasser, das an Nummer fünf gesetzte Duo Herrera/Gavira (Sp) in zwei Sätzen bezwungen. Damit zog das letzte im Turnier verbliebene Schweizer Team in den Halbfinal ein. Dort treffen sie heute um 11 Uhr auf die Italiener Ranghieri/Caminati. «Einfach super, wie wir gespielt haben. Unsere Gegner mussten siegen, wir behielten aber die Oberhand und setzten sie permanent unter Druck», resümierte Beeler.

Damit avancieren Beeler/Strasser zu den Shooting-Stars des ersten World-Tour-Turniers in Luzern. Zur Mittagsstunde hatten die an Nummer 28 gesetzten Schweizer im Achtelfinal bereits das mexikanische Duo Virgen/Ontiveros mit 2:0-Sätzen bezwungen. «Luzern ist das emotionale Highlight in meiner bisherigen Karriere. Wir lassen uns von der Atmosphäre durchs Turnier tragen», schwärmte Strasser.

Erstaunlich: Die beiden bilden erst seit diesem Jahr ein Team. Der Auftritt im Lido ist ihr dritter gemeinsamer Wettkampf, auf Stufe World Tour ist es sogar eine Premiere. «Wir haben einen lockeren und doch konzentrierten Spielstil. Wir brauchen nicht so viele Absprachen, wir verstehen intuitiv, was der andere meint», sagt Strasser.

Namenswechsel vor einem Jahr

Selbstverständlich ist das nicht. Strasser, der in seiner dritten Profi-Saison steht, trennte sich 2014 nach nur einem Jahr von Partner Sébastien Chevallier. «Manchmal passt es, manchmal nicht», sagt der Sohn eines Schweizers und einer Polin, der bis vor einem Jahr noch Alexei Prawdzic hiess und dann den Nachnamen seines Vaters annahm. Mit dem über fünf Jahre jüngeren Beeler harmoniere er allerdings sehr gut. Während der 2,02 Meter grosse Strasser am Netz effiziente Block- und Abschlussqualitäten offenbart, nutzt der 1,91 Meter grosse Beeler in der Defensive seine schnellen Beine und besticht in der Offensive mit Variabilität.

Noch reicht das Geld nicht aus

Beeler entschied sich erst in dieser Saison fix für Beachvolleyball. Dies, nachdem er im Volleyball gerade den Höhepunkt erreicht hatte. Mit Näfels gewann er 2014 den Cupfinal und avancierte dabei zum wertvollsten Spieler. Weshalb also der Wechsel? «Weil ich mehr will. Ich will an Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften. Das ist im Volleyball kaum möglich», erklärt er und fügt an: «Im Beachvolleyball kann ich mehr Einfluss nehmen, da kommt es mehr auf die individuelle Leistung an. Das gefällt mir.»

Der Weg an die Spitze ist allerdings lang. Sowohl in sportlicher, als auch wirtschaftlicher Hinsicht. «Aktuell können wir unseren Lebensunterhalt mit Beachvolleyball noch nicht finanzieren, wir greifen auf Erspartes zurück», sagt Strasser. Der Verband stelle Trainer und Infrastruktur zur Verfügung und sorge zudem, wie die Sporthilfe, für einen finanziellen Zustupf. Preis- und Sponsorengelder sind allerdings bescheiden. «In diesem Sport wird man sicher nie reich. Aber man kann finanziell die Wende schaffen», erklärt Strasser. Dann, wenn der Erfolg auf World-Tour-Ebene nachhaltig wird.

Anknüpfen an glorreiche Zeit?

Für Strasser, der Wirtschaft studierte, und Beeler, der sich in Luzern zum Sekundarlehrer ausbilden lässt, hat der Weg nach oben gerade erst begonnen. Beide lassen keine Zweifel offen, dass sie den Durchbruch schaffen wollen. «Ich kann jetzt nicht gleich sagen, dass wir Olympiasieger werden wollen. Aber den Einzug in die Top 10 streben wir schon an», hält Strasser fest.

Kann das neu formierte Duo sogar an jene glorreichen Zeiten anknüpfen, als die Gebrüder Laciga Europameister wurden und auch an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen für Aufsehen sorgten? Markus Egger, der aktuelle Nationaltrainer, der 2001 mit Sascha Heyer ebenfalls Europameister wurde und bis im letzten Frühjahr die NLA-Volleyballerinnen des FC Luzern betreute, sagt: «Ich sehe viel Potenzial. Wenn sie mit Konstanz und Coolness weitermachen, kann es ganz gut herauskommen. Dann muss den Gegnern einiges gelingen, um sie zu schlagen.»

Bereits heute kann die Erfolgsgeschichte eine Fortsetzung finden. Für Beeler ist klar: «Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und uns in einen Lauf gespielt. Nun wollen wir das Turnier gewinnen.»

Stephan Santschi

Ein Duo, das sich versteht und zusammenpasst: 
Alexei Strasser (links) und Nico Beeler. (Bild Philipp Schmidli / Neue LZ)

Ein Duo, das sich versteht und zusammenpasst: Alexei Strasser (links) und Nico Beeler. (Bild Philipp Schmidli / Neue LZ)

Demonstriert am Netz seine Klasse: der 1,91 m grosse Nico Beeler (rechts). (Bild Philipp Schmidli / Neue LZ)

Demonstriert am Netz seine Klasse: der 1,91 m grosse Nico Beeler (rechts). (Bild Philipp Schmidli / Neue LZ)