Beachvolleyballerin Nina Betschart zum Lockdown: «Am Hungertuch nagen wir noch nicht»

Im Beachvolleyball-Kalender hagelt es an Turnier-Absagen. Dass die ganze Beachvolleyball-Saison ins Wasser fällt, ist wahrscheinlich. Dies nutzt die Zugerin Nina Betschart, um Zeit in ihr Fernstudium zu investieren.

Philipp Zurfluh
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Gewöhnlich sind Nina Betschart und Tanja Hüberli rund 300 Tage im Jahr zusammen unterwegs – fast wie ein Ehepaar. Doch seit einigen Wochen ist alles anders. Aufgrund der Gefährdungslage durch das Coronavirus ist an ein gemeinsames Training nicht zu denken. Jetzt heisst die Devise: Einzel- statt Doppeltraining. «Klar, ich vermisse Tanja. Wir stehen ab und zu in Kontakt und unterhalten uns auf digitalen Kanälen», erklärt Betschart. Zuletzt hat sie ihre Partnerin am 15. März gesehen, als sie aus dem Trainingslager auf Teneriffa zurückgekehrt sind.

Nina Betschart hält sich mit ihrem Home-Trainer fit.

Nina Betschart hält sich mit ihrem Home-Trainer fit.

Bild: PD

Doch warum trifft sich das Duo nicht irgendwo auf einem Sand- oder Rasenplatz und trainiert zusammen? «Unter Einhaltung des Mindestabstandes von zwei Metern wäre das grundsätzlich möglich», meint die 24-Jährige. 

«Momentan macht es aber keinen Sinn. Wir wissen nicht, wann und ob wir dieses Jahr überhaupt noch ein Turnier bestreiten können.»

Während sich die Schwyzerin Tanja Hüberli (27) zusammen mit dem Schweizer Skirennfahrer Ramon Zehnhäusern im Wallis aufhält, wohnt Nina Betschart in Steinhausen, zusammen mit ihrem Freund Damien Brunner, Eishockeyprofi beim EHC Biel. «Nur schon wegen der grossen Distanz lohnt sich eine Trainings-Session nicht», sagt die Zugerin.

Internationale Saison ist wohl zu Ende

Vor einer Woche wurde offiziell, dass das Major-Turnier in Gstaad abgesagt werden muss. «Wenn man sieht, was auf der Welt gerade abgeht, war ich genug realistisch, dass das Turnier einen schweren Stand hat», sagt die Betschart. Ihr tue vor allem das OK leid, das schon viele Vorbereitungen getroffen habe. «Gstaad ist mit der malerischen Bergkulisse das Lieblingsturnier vieler Athleten.» Nach der Premiere 2000 fand das Turnier als weltweit einziges auf World-Tour-Ebene ohne Unterbruch statt.

Ob diese Saison auf internationalem Niveau noch gespielt werden kann, ist fraglich. «Ich hege grosse Zweifel», so Betschart. Sie hat zumindest die Hoffnung, dass vielleicht ab August in der Schweiz das eine oder andere kleine Turnier noch durchgeführt werden könne. Die nationale Elite-Serie (Coop Beachtour), die Ende Mai begonnen hätte, soll um rund zwei Monate nach hinten geschoben werden. Der neue Kalender ist aber noch nicht bekannt.

Fokus liegt derzeit auf dem Psychologiestudium

Laut Betschart sei es in dieser «herausfordernden aber auch lehrreichen Zeit» kein Nachteil, zusammen mit einem Spitzensportler zu wohnen. «Damien und ich pushen uns nicht gegenseitig beim Training. Aber es ist hilfreich, sich auszutauschen. Durch die Absage der Olympischen Spiele und den Playoffs sind wir vom Coronavirus auf ähnliche Art und Weise betroffen», so die mehrfache Welt- und Europameisterin im Juniorenbereich. Mit Ausdauer- und Krafteinheiten hält sie sich derzeit fit. «Auch der Ball kommt und zu mal zur Anwendung», sagt Betschart.

Für Betschart hat die Wettkampfpause auch etwas Gutes: Sie kann sich nun stärker ihrer Ausbildung widmen. «Eigentlich war dieses Jahr alles auf Sport und die Olympischen Spiele ausgerichtet, nun kann ich meinen Fokus auf das Studium legen», sagt Betschart. 2015 hat sie das Psychologiestudium an der Fernuni Schweiz begonnen. «Ich musste oft aussetzen, da es unmöglich war, alles unter einen Hut zu bringen.»
Weil sich der Beachvolleyball-Kalender ausdünnt, fallen für das Duo Hüberli/Betschart wichtige Einnahmen weg. «Preisgelder machen einen grossen Teil unseres Lohnes aus», erklärt Betschart, die mittlerweile in ihrem fünften Profijahr steht. «Nun können wir diese Saison unsere Werbung nicht nach aussen tragen.» Existenzängste würden sie aber nicht plagen. «Am Hungertuch nagen wir noch nicht. Zum Glück haben wir uns eine gesunde finanzielle Basis geschaffen.»