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BEHINDERTENSPORT: Marcel Hug: «Ich gewinne nicht, um bekannt zu werden»

Marcel Hug kehrt heute als vierfacher Medaillengewinner von den Paralympics zurück. Profi zu werden, sei mit finanziellen Risiken verbunden, sagt der 30-Jährige aus Neuenkirch.
Urs Huwyler
Marcel Hug mit seiner zweiten Goldmedaille, die er am letzten Tag der Paralympics gewann.Bild: Keystone/Alexandra Wey (Rio de Janeiro, 18. September 2016)

Marcel Hug mit seiner zweiten Goldmedaille, die er am letzten Tag der Paralympics gewann.Bild: Keystone/Alexandra Wey (Rio de Janeiro, 18. September 2016)

Marcel Hug, wie fühlt es sich an, zweifacher Paralympics-Sieger zu sein?

Ehrlich gesagt, weiss ich es noch nicht. Bisher hatte ich keine Minute für mich allein, um darüber nachzudenken, was in Rio passiert ist. Mit der Zeit werde ich es realisieren. Derzeit bin ich einfach froh, dass ich endlich Gold gewonnen habe und dieser Druck nach acht Jahren weg ist. Diese Erleichterung spüre ich.

Stehen Sie nun auf der gleichen Stufe wie Nicola Spirig oder Fabian Cancellara?

Die Vergleiche zwischen Olympischen Spielen und Paralympics sind schwierig. Ich habe das ­erreicht, was andere bei Olympischen Spielen wollen. Ich denke, die Wahrnehmungen sind die­selben. Es ist ein Sieg am weltweit wichtigsten, bedeutendsten Sport­anlass. Das wünscht sich jeder Sportler. Ob mit oder ohne Handicap.

Was ändert sich nun in Ihrem Leben?

Hoffentlich möglichst wenig. Ich freue mich, wenn die Leistungen anerkannt werden und darüber berichtet wird. Doch ich möchte neben dem Sport kein Dauer­thema in den Medien sein. Mein Privatleben soll privat bleiben. Ich gewinne nicht, um bekannt zu werden, sondern weil ich im Sport Höchstleistungen erbringen möchte.

Was bedeutet es, vier Disziplinen, noch teilweise mit Halbfinals, fahren zu können?

Diese Frage taucht oft auf. Ich vergleiche den Rollstuhlsport oftmals mit dem Langlaufen. Dort kommt auch viel aus dem Oberkörper, und es funktioniert, an mehreren Tagen nacheinander Rennen zu bestreiten. Bei uns ist das Tempo konstant, es gibt im Gegensatz zu den Läufern keine Schläge, wir können im Windschatten rollen und die Bewegungen sind rund.

Welche Rolle spielt Nottwil bei Ihren Erfolgen?

Eine grosse. Wir finden dort eine perfekte Infrastruktur vor, können optimal trainieren. Ein solches Zentrum bringt für uns Sportler nur Vorteile.

Ist Paul Odermatt mehr als «nur» Ihr Trainer?

Seit meinem 10. Lebensjahr kenne ich ihn. Wir sehen uns fast täglich, daraus ergibt sich ein Vertrauensverhältnis. Er ist ein Supertrainer. Das zeigt sich auch darin, dass Handbiker Tobias Fankhauser als Bronze-Gewinner auch bei Paul und oft mit mir trainiert. Also beide Medaillen gehen auf Pauls Konto.

Sind Sie der Typ Athlet, der dem Trainer bedingungslos folgt?

Sagen wir es so: Ich brauche nicht vor jedem Training einen Plan, was wir jetzt machen. Es kann sein, dass ich bei Übungen nachfrage, weshalb wir das machen. Aber es wird wenig darüber diskutiert. Er ist der Trainer.

Die ehemaligen Behindertensportler Franz Nietlispach und Heinz Frei sagten einst, sie seien Wegbegleiter für die nächste Generation. Wofür sind Sie Wegbegleiter?

Vielleicht dafür, dass Junge oder andere Athleten sehen, was erreicht werden kann, wenn konsequent und professionell auf den Sport gesetzt wird. Es ist auch zu hoffen, dass die Akzeptanz des Behindertensports weiter steigt, dass mehr Jugendliche mit Handicap den Weg zum Sport finden.

Hat die Schweiz genügend Potenzial, um im Behindertensport flächendeckend das Profitum einzuführen?

Das wird die Zukunft zeigen. Auch mein Schritt, Profi zu werden, war ein finanzielles Risiko. Ich brauche die einige tausend Dollar Prämien bei Podestplätzen an den Städtemarathons oder den Diamond-League-Meetings noch heute als Einkommen. Sonst würde es schwierig, Profi zu sein. Ob sich durch die Erfolge in Rio etwas ändert, vermag ich nicht abzuschätzen. In diesem Bereich bestehen Unterschiede zu Olympiasiegern.

Wie haben Sie die Paralympics in Rio insgesamt erlebt?

Mit Ausnahme einzelner Details hat alles bestens geklappt, die Brasilianer sind begeisterungsfähig und herzlich. Das Olympiastadion war zwar nicht besonders gut besucht, aber die anwesenden Zuschauer haben für eine grossartige Stimmung gesorgt.

Und jetzt gehen Sie in die Ferien?

Erst im November. Es stehen noch vier Marathons auf dem Programm. Bereits am Donnerstag geht es für mich weiter in Berlin.

Fühlen Sie sich eigentlich als Luzerner oder Thurgauer?

Beides. Im Thurgau liegen meine Wurzeln, ich kehre gerne nach Hause zurück. Der Lebensmittelpunkt ist aber im Luzernischen. Dort habe ich meine Freunde, dort lebe ich und fühle mich ausgesprochen wohl.

Hinweis

Marcel Hug und das Swiss Paralympic Team landen heute in Zürich-Kloten. Um 14.35 Uhr ist ein Empfang in der Ankunftshalle 2 geplant.

Urs Huwyler

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