«Bei Dazjuk könnte ich vor Freude weinen»

Damien Brunner, Stürmer der Detroit Red Wings, musste am Wochenende auf der Tribüne Platz nehmen. Der Trainer hatte ihm eine Pause verordnet. Im Interview spricht er über die aktuelle Situation.

Interview Nicola Berger
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Damien Brunner im Red Wings Dress. (Bild: Keystone)

Damien Brunner im Red Wings Dress. (Bild: Keystone)

Am Sonntagabend gastierten die Detroit Red Wings in Anaheim. Während sich seine Teamkollegen im Honda Center mit den Ducks duellierten, planschte Damien Brunner (27) im Hotelpool. Der Schweizer Stürmerstar hatte von Coach Mike Babcock (49) eine Denkpause verordnet erhalten und nutzte den freien Tag zur Regeneration. Der Trainer sagte: «Ich wusste schon vor der Saison, dass die vielen Spiele in so kurzer Zeit nicht spurlos an ihm vorbeigehen würden.»

Brunner wartet seit seinem 4-Punkte-Effort vom 24. Februar gegen San Jose auf einen Treffer; die Durststrecke dauert 12 Spiele an. Als Reaktion auf die Baisse war Brunner aus der Linie mit seinem kongenialen Sturmpartner aus Zuger Lockout-Zeiten, Henrik Zetterberg (32), abgezogen – und neben Joakim Andersson und Daniel Cleary eingesetzt worden.

In der Nacht auf Dienstag bot sich Brunner im Auswärtsspiel in Phoenix die nächste Gelegenheit, sein Talent zu zeigen (er blieb erneut ohne Skorerpunkt). Mit zehn Saisontoren ist er gemeinsam mit dem russischen Weltstar Pawel Dazjuk (34) erfolgreichster Torschütze der Red Wings.

Bereits jetzt zeichnet sich derweil ab, dass Brunner auf eine WM-Teilnahme verzichten wird. Die äusserst intensive NHL-Saison (48 Spiele in weniger als 100 Tagen) ist physisch und mental erschöpfend; und im Gegensatz zum Vorjahr benötigt der Flügelstürmer die WM-Bühne nicht. In der NHL konnte er zuletzt genügend Eigenwerbung betreiben.

Damien Brunner, am Sonntag in Anaheim standen Sie nicht im Aufgebot der Red Wings. Was war los?

Damien Brunner: Der Coach hat mir gesagt, ich solle an den Pool liegen, ausspannen und den Kopf freikriegen.

War er mit Ihren Leistungen unzufrieden?

Brunner: Insgesamt habe ich seine Erwartungen erfüllt. In den letzten Wochen gelang mir teilweise allerdings nicht viel, ich war von einer Grippe geschwächt. Aber man muss sich keine Sorgen um mich machen. Ich bin Stammspieler in der NHL, lebe meinen Traum. Und ich habe in meiner ersten NHL-Saison in 30 Spielen 20 Skorerpunkte produziert. Für diese Bilanz muss ich mich nicht schämen. Es war für mich immer klar, dass nicht alles reibungslos verlaufen kann. Ich sehe die Situation als Herausforderung an – und glaube, dass sie mich auf lange Sicht stärker machen wird.

Gab es schon Vertragsverhandlungen mit Detroit?

Brunner: Nein, dafür ist jetzt auch nicht der richtige Zeitpunkt. Wir reden nach der Saison.

Die Red Wings werden wohl bis zum Schluss um die Playoff-Qualifikation kämpfen müssen. Reicht es?

Brunner: Ich habe keine Bedenken, wir verfügen über genügend Qualität.

Detroit spielte zuletzt zwei Mal in Folge gegen Luca Sbisas Anaheim. Haben Sie sich mit dem Zuger Verteidiger getroffen?

Brunner: Nein, dazu hatten wir leider keine Zeit.

Hatten Sie die Chance, Anaheim mit seinen zahlreichen Vergnügungsparks zu erkunden?

Brunner: Unser Hotel liegt zwar direkt am Disneyland, aber für Parks reicht die Zeit nicht, keine Chance. Der Spielplan ist so dicht gedrängt, dass ich oft müde bin und mich erholen muss. Immerhin habe ich es ein paar Mal ins Kino geschafft.

Alleine?

Brunner: Nein, Pawel Dazjuk hat sich ebenfalls als Kinoliebhaber entpuppt. Zuletzt haben wir uns «Dead Man Down» angeschaut.

Was ist Dazjuk für ein Typ?

Brunner: Er ist einer der liebenswürdigsten Menschen, die ich je habe kennen lernen dürfen. Und er ist wahnsinnig bescheiden. Für mich ist er der beste Spieler in der NHL. Manchmal könnte ich auf der Bank vor Freude weinen, wenn ich sehe, was er auf dem Eis mit der Scheibe alles anstellt.

Gab es einen Moment, der Sie in den letzten Wochen beeindruckt hat?

Brunner: Als in Chicago die amerikanische Nationalhymne gespielt wurde, hat mich das schon gepackt.

V erfolgen Sie das NLA-Playoff?

Brunner: Ja, ich schaue mir fast alle EVZ-Spiele an. Als Betrachter von aussen muss ich sagen: Die Jungs haben eine wirklich gute Chance, Bern zu schlagen. Zug tritt extrem selbstbewusst auf. Ich traue ihnen sogar den Titelgewinn zu.

Was sagen Sie zur Schiedsrichterkontroverse?

Brunner: Na ja, die Entscheide waren zum Teil wirklich ziemlich zweifelhaft. Letztens habe ich einen Text gelesen, dass die Schweizer Schiedsrichter besser seien als jene in der NHL. Darüber kann ich nur lachen, denn es stimmt einfach nicht.

Stehen Sie oft in Kontakt mit Ihren alten Teamkollegen?

Brunner: Ja, schon. Und auch mit Doug Shedden.

Wann kehren Sie in die Schweiz zurück?

Brunner: Sofort nach der Saison. Ich habe unterschätzt, wie sehr ich die Heimat vermisse. Die Freunde, die Familie. Zuerst kommt aber mein Bruder Adrian Ende April nach Detroit, darauf freue ich mich.