QHL-Handball
«Ein solcher Komplett-Absturz darf uns nicht passieren»: Nach dem Debakel gegen Zürich trifft Kriens-Luzern auf den Meister

Kriens-Luzern empfängt am Samstag Meister Pfadi Winterthur. Nach der Niederlage in Zürich kam es bei den Zentralschweizern zu einer «Chropfleerete». HCKL-CEO Nick Christen will aber keine Schuldzuweisungen sehen.

Stephan Santschi
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Bei den Spielern von Kriens-Luzern herrschte in dieser Woche Redebedarf.

Bei den Spielern von Kriens-Luzern herrschte in dieser Woche Redebedarf.

Daniela Frutiger/Freshfocus

Der Auftritt vor einer Woche bei GC Amicitia Zürich sorgte für Ernüchterung, zuweilen gar für Fassungslosigkeit. Gleich mit 21:32 wurde der HC Kriens-Luzern beim Abstiegsrunden-Teilnehmer der letzten Saison abgefertigt. Trainer Goran Perkovac gestand, dass er sich dies in seinen schlimmsten Alpträumen nicht hätte ausmalen können. Auf der Vereins-Website spricht man derweil von einer der schlechtesten Leistungen des HCKL seit dem Aufstieg im Jahr 2007 und auch Geschäftsführer Nick Christen nimmt auf Anfrage kein Blatt vor den Mund, wenn er festhält: «Das war sehr enttäuschend. Ein solcher Komplett-Absturz darf uns nicht passieren.»

HCKL-CEO Nick Christen fordert mehr Leidenschaft von den Spielern.

HCKL-CEO Nick Christen fordert mehr Leidenschaft von den Spielern.

Bild: Boris Bürgisser.

Entsprechend gross war der Redebedarf, es kam im Lager der Krienser zu einer «Chropfleerete» mit allen Beteiligten. «Die Erwartungshaltung kommt nicht nur von oben, auch die Spieler erwarten von sich selbst und von den Teamkollegen mehr», erklärt Christen und er betont, dass er etwas ganz und gar nicht ausstehen könne: «Schuldzuweisungen, Hände verwerfen, zum Goalie zurückschauen – das verträgt es im Mannschaftssport nicht. Wir müssen wieder Leidenschaft und Kampfgeist aufs Parkett bringen. Wenn man nach einem solchen Schuss vor den Bug reagieren muss, ist das für eine Mannschaft vielleicht gar nicht so schlecht.»

Weshalb fehlt die taktische Flexibilität?

Mit Milos Orbovic, Filip Gavranovic, Gino Delchiappo und Ammar Idrizi fehlten in Zürich vier Akteure verletzungsbedingt, zudem waren Hleb Harbuz und Tim Rellstab erst von Blessuren zurückgekehrt. Allein auf die personelle Situation abschieben, darf man ein Debakel wie in Zürich indes nicht. Trainer Perkovac geniesst den Ruf des Taktikfuchses, der auf jede Frage im Handball eine Antwort hat. Die taktische Flexibilität liess er zuletzt aber vermissen.

Wenn die 6:0-Defensive leckt, wird nicht oder nur kurz auf ein Alternativsystem umgestellt. Wenn der Angriff stottert, bleibt die Option mit sieben Feldspielern ungenutzt. «Auch das hat mit Verletzten zu tun, weil diese auch im Training fehlen. Das Einüben von neuen Systemen wird dadurch nicht begünstigt», sagt Christen und er fügt an: «Zuletzt mussten wir von Spiel zu Spiel schauen und da setzt man halt eher auf Bewährtes, um nicht noch mehr Verunsicherung auszulösen.»

Christen schlägt nicht mit Hammer drauf

In Zukunft werde Kriens-Luzern wieder vermehrt auf eine 3:2:1-Abwehr setzen, das 7:6-Offensivspiel bleibt indes ungeliebt. «Für den Handball ist das eine Katastrophe», sagt Christen und liegt damit auf einer Wellenlänge mit Trainer Perkovac. «Vielleicht haben wir hierzu auch nicht das richtige Personal, denn für diese Angriffstaktik braucht es gute Entscheidungsspieler.» Dramatisieren will er den missglückten Saisonstart mit zwei Punkten aus vier Spielen nicht, auch die Qualitätsfrage stellt Christen nicht, schliesslich habe man noch viel Zeit für Verbesserungen. «Wir haben einige neue Spieler, wir finden uns im Zusammenspiel noch nicht. Doch wenn die Einzelteile nicht zusammenpassen, sieht ein Puzzle nicht schöner aus, wenn man mit dem Hammer draufhaut.»

Vorwürfe mache er deshalb weder dem Team noch dem Trainer, «wir sitzen alle im gleichen Boot und analysieren gemeinsam die Situation». Diese scheint sich zumindest in personeller Hinsicht zu entspannen. Mit Schlüsselspieler Orbovic und Delchiappo kehren zwei Akteure ins Aufgebot zurück, wenn Kriens-Luzern am Samstag zu Hause gegen Meister Pfadi Winterthur (18 Uhr, Krauerhalle) eine Reaktion auf den desolaten Auftritt von Zürich zeigen will.

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