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Beim Meister FCB bleibt kein Stein auf dem anderen

Analyse zum FC Basel
Daniel Wyrsch
Daniel Wyrsch

Daniel Wyrsch

Der FC Basel hat gestern in Luzern wie erwartet seinen achten Meistertitel in Serie gefeiert. Am Rheinknie haben Partys mit dem «Chübel» längst Tradition. Obwohl sie fast schon zur Gewohnheit wurden, hat die Mannschaft nach der Rückfahrt aus Luzern mit Tausenden von blau-roten Anhängern auf dem Barfüsserplatz in Basel ausgiebig gefeiert.

Dabei muss die Feier bis in die Morgenstunden des heutigen Tages nicht die letzte dieses Frühlings gewesen sein. Am Auffahrtsdonnerstag, 25. Mai, haben die Basler in Genf gegen Sion die Chance, sogar das Double zu erringen. Ob das gegen die Walliser Cupspezialisten machbar ist, steht in den Sternen. Der FC Sion hat sich in 13 Cupfinals den Mythos des Unbezwingbaren geschaffen. Aber die aktuelle Ausgabe des FCB wird alles dafür tun, der erste Finalbezwinger von Sion zu sein und somit auch die Cuptrophäe auf dem «Barfi» in die Höhe zu stemmen.

Ob mit oder ohne Double – beim FC Basel geht Ende Saison eine sehr erfolgreiche Ära zu Ende. Präsident Bernhard Heusler hat den Verein in einer souveränen Art geführt, wie es vor ihm im Schweizer Fussball noch keiner getan hat. Der smarte Rechtsanwalt ist nicht nur intelligent, er ist klug. Er bildete zusammen mit dem fleissigen und kompetenten Sportchef Georg Heitz ein verschworenes Chefduo.

Egal, ob der Trainer Thorsten Fink, Heiko Vogel, Murat Yakin, Paulo Sousa oder Urs Fischer hiess: Meister wurden sie alle, geblieben sind am Ende immer nur Heusler und Heitz. So konnten wir Medien aus dem St.-Jakob-Park praktisch nur von sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgen berichten. Wenn es Probleme mit den Ultras aus der Muttenzer Kurve gab oder die Fans im Zusammenhang mit Trennungen von Trainern aufbegehrten, war Heusler zur Stelle. Mit den richtigen Worten löste er Konflikte und glättete die emotionalen Wogen.

Präsident Heusler und Sportchef Heitz hatten im Frühling entschieden, ihre Aktien­anteile dem Medienunternehmer Bernhard Burgener zu verkaufen. Der neue Präsident hat seinerseits entschieden, die sportliche Führung ganz in die Hände der ehema­ligen FCB-Führungsspieler Marco Streller (35), Alex Frei (37) und Massimo Ceccaroni (48) zu legen. Streller als neuer Sportchef trägt die Hauptverantwortung. Er hat mit dem neuen Chefstrategen Frei und Nachwuchschef Ceccaroni den Entscheid gefällt, den erfahrenen Coach Urs Fischer (51) durch den U21-Trainer Raphael Wicky (40) zu ersetzen. Fischer schützten zwei souverän gewonnene Meistertitel nicht vor der Entlassung. Etwas spitz formuliert: Beim FCB bleibt kein Stein auf dem anderen.

Mehr aus Basel und der Region stammende Spieler sollen beim FCB endlich wieder für mehr Identifikation sorgen. Vielleicht geht so Cedric Itten nach dem Leihjahr in Luzern im Sommer zurück nach Basel. Aber entscheidender wird sein, ob es der neuen Führung gelingt, den gebürtigen Krienser Valentin Stocker (Hertha BSC), Timm Klose (Norwich City) oder Eren Derdiyok (Galatasaray Istanbul) zurück ins «Joggeli» zu holen.

Dass unter Streller in sport­lichen Belangen anders gearbeitet wird als unter Heitz, ist jetzt schon offensichtlich. In einem Interview sagte der beim FCB und in Stuttgart Millionen verdienende Ex-Nationalspieler, dass er nicht wie sein Vorgänger 365 Tage im Jahr arbeiten und erreichbar sein werde. Dafür hat Streller Mitarbeiter angestellt, welche die Knochenarbeit leisten müssen. Darunter Remo Gaugler, der als Sportkoordinator vom FC Luzern nach Basel zurückwechselt, wo er für die Kaderplanung der ersten Mannschaft zuständig ist. Streller kann sich die neuen Mitarbeiter leisten. Heusler und Heitz haben dem FCB unter anderem mit vielen cleveren Spielerverkäufen und fetten Beteiligungen an Weitertransfers (zum Beispiel Granit Xhaka von Gladbach zu Arsenal) ein Vermögen von 60 Millionen Franken hinterlassen.

Die wirtschaftliche Übermachtstellung des FCB in der Super League ist eine Realität. Trotzdem wird es für den Schweizer Topklub künftig schwieriger, international erfolgreich zu bleiben. Ab übernächster Saison ist der hiesige Meister nicht mehr automatisch für die Champions League qualifiziert, die allein 20 Millionen Franken wert ist.

Ausserdem weiss man nicht erst seit Alex Frei, der in Luzern als Sportchef gescheitert ist: Erfolgreiche Fussballer sind nicht automatisch gute Trainer oder Vereinsverantwortliche. Die Möglichkeit besteht also, dass der FCB in Zukunft nicht mehr so über­ragend geführt wird wie die letzten fünfeinhalb Jahre unter Heusler und Heitz.

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

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