Motorrad

Beliebter ist keiner: Valentino "The Doctor" Rossi ist der Federer des Motorradsports

Valentino Rossi wird 2017 kaum Weltmeister – aber er ist als Roger Federer auf zwei Rädern mit Abstand der populärste Pilot.

Klaus Zaugg
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Valentino Rossi ist nicht mehr WM-Favorit. Aber der Weltmeister der Herzen. Kürzlich wählten die Leser der Fachzeitschrift «Motor Sport aktuell» den Piloten des Jahres 2016. Valentino Rossi gewann haushoch.

Das mag zeigen, welche Verehrung der Italiener nach wie vor geniesst. Obwohl er seit 2009 keinen Titel mehr geholt hat. Seit 2009 gewann er «nur» noch elf Rennen. Alleine in den Jahren 2008 und 2009 triumphierte er 15-mal. Wir sehen: Seine beste Zeit ist vorüber.

Eleganz im Motorsport

Aber Valentino Rossi ist längst der Roger Federer des Motorsportes geworden. Er fährt im Adelsstand der Legende, erhaben über Sieg und Niederlage. Der Italiener verkörpert nach wie vor als einziger die Eleganz der Rennfahrerei.

Er hat den verrückten Sport von Haudegen die den Geruch von Benzin und verbranntem Gummi nicht aus den Kleidern bringen, aus der Nische des «Wahnsinns» herausgeholt. Und daraus einen weit über die Motorsportkreise hinaus respektierten Sport und ein «Big Business» gemacht.

Vermögen von 150 Millionen

Dabei ist er der bestbezahlte «Asphaltcowboy» aller Zeiten geworden. Sein Jahreseinkommen wird auf rund 30 Millionen Franken geschätzt. 10 Millionen bezahlt ihm Yamaha als Salär (Honda bezahlt Weltmeister Marc Marquez die gleiche Summe) – aber Rossi verdient noch einmal 20 Millionen mit Werbung dazu.

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Sein Vermögen dürfte bei 150 Millionen liegen. Damit ist er zwar im Vergleich zu Roger Federer (mehr als 60 Millionen Jahresverdienst, über 500 Millionen schwer) eine eher kleine Nummer. Aber er gehört zu den 20 bestverdienenden Sportlern der Welt.

Champions im goldenen Herbst der Karriere

Valentino Rossi begeistert nach wie vor mit seiner Beherrschung der Höllenmaschinen, die auf über 300 km/h beschleunigen. Mit seiner taktischen Schlauheit. Und über allem stehen seine Leidenschaft und sein Mut im Kampf gegen viel jüngere Herausforderer, die noch mehr riskieren. Weltmeister Marc Marquez ist am 17. Februar erst 24 geworden.

In der Rolle, des grossen, alten Champions, der im goldenen Herbst seiner Karriere Kraft seiner Persönlichkeit, seines Stils, und seiner Klasse über allen Herausforderern steht, ist er durchaus mit Roger Federer vergleichbar. Valentino Rossi ist am 16. Februar 38 geworden, Roger Federer wird am 8. August 36.

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Was kann von ihm 2017 erwartet werden? Die Hierarchie in der «Königsklasse» ist flach geworden. Inzwischen gibt es acht bis zehn Piloten, die ein Rennen gewinnen können. Technische Einschränkungen haben das «Wettrüsten» eingebremst. Es gibt keine technisch unbesiegbaren Maschinen mehr. Eine neue Generation ist herangewachsen, die früher als alle ihre Vorgänger mit dem Rennsport begonnen und das fahrerische Niveau auf nie gekannte Höhen geschraubt hat.

Fixstern am Firmament

Im Zentrum der sportlichen Aufmerksamkeit steht Jorge Lorenzo (30), der Weltmeister von 2010, 2012 und 2015. Er ist von Yamaha auf Ducati umgestiegen. Bis heute ist es nur Casey Stoner gelungen, auf den Ferraris des Motorradrennsportes die Weltmeisterschaft zu gewinnen (2007). Valentino Rossi gelang in den zwei Jahren auf Ducati (2011 und 2012) kein einziger Sieg.

Aber der einzige Fixstern am Firmament ist und bleibt Valentino Rossi. Er kann wahrscheinlich nicht mehr Weltmeister werden, aber nach wie vor einzelne Rennen gewinnen. Bis heute brauste er 114-mal als Sieger über die Ziellinie. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er die ewige Rekordmarke von Giacomo Agostini (122 GP-Siege) erreicht, die für die Ewigkeit schien wie die Hockey-Rekorde von Wayne Gretzky.