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Belinda Bencic: «Ich bin erleichtert»

Belinda Bencic überrascht in Wimbledon weiter. Die 21-jährige Ostschweizerin besiegt die Spanierin Carla Suarez Navarro in zwei Sätzen 6:1, 7:6 (7:3) und steht im Achtelfinal.
Jörg Allmeroth, Wimbledon
Fängt sich im zweiten Satz noch rechtzeitig auf: Belinda Bencic. (Bild: Tim Ireland/AP (Wimbledon, 7. Juli 2018))

Fängt sich im zweiten Satz noch rechtzeitig auf: Belinda Bencic. (Bild: Tim Ireland/AP (Wimbledon, 7. Juli 2018))

Am Donnerstag balancierte sie hart am Abgrund des Ausscheidens, es war sozusagen ein Flirt mit dem Wimbledon-Knock-out gegen die Amerikanerin Alison Riske. Ganz so spannend war es in der dritten Runde nicht für Belinda Bencic, aber es gab doch wieder einige Zittermomente vor dem Happy End, vor dem nicht zwingend zu erwartenden Einzug in den Achtelfinal beim berühmtesten Tennisturnier der Welt: Erst trat Bencic mit spielerischer Leichtigkeit, hoher Konzentration und mächtiger Entschlossenheit gegen die Spanierin Carla Suarez Navarro auf, schliesslich brauchte sie aber vor allem Kampfgeist und Willenskraft, um sich nach einem ­Zwischentief zum 6:1, 7:6-Sieg durchzufighten.

«Ich bin unheimlich erleichtert. Am Ende habe ich es mir selbst schwer gemacht, bin aber stolz, dass ich dann wieder stark zurückkam», sagte Bencic, die nach dem Triumphmoment erst Mal vor Freude auf die Knie sank und dann ein Stossgebet zum blauen Himmel schickte. Zum zweiten Mal rückte Bencic nun in ihrer noch jungen Karriere in die Runde der letzten 16 bei den Offenen Englischen Meisterschaften vor, 2015 war sie im Achtel­final an der Weissrussin Viktoria Asarenka gescheitert.

Jetzt gegen Angelique Kerber

Am Montag trifft Bencic auf die ehemalige Weltranglisten-Erste Angelique Kerber. Gegen die Deutsche hat sie alle bisherigen drei Matches gewonnen, zuletzt 2016 im Fed-Cup-Duell in Leipzig. «Sie ist natürlich jetzt eine Spielerin, die auf einem anderen Level agiert. Aber ich freue mich auf das Spiel», sagte Bencic. Währenddessen ging im Frauenwettbewerb das Favoritinnensterben munter weiter, denn auch die aktuelle Frontfrau Simona Halep musste sich nach einem Drei-Satz-Krimi gegen die Taiwanesin Hsieh Su-Wie aus Wimbledon verabschieden. Von den Top Ten ist nur noch die Tschechin Karolina Pliskova im Turnier verblieben.

Bencic war zunächst in diesem Spiel die klar beherrschende, treibende Kraft. In der brütenden Hitze auf Court 12, auf dem 35 Grad gemessen wurden, machte die 21-Jährige sofort Druck, übernahm die Initiative und drängte Suarez Navarro in die Verteidigung. Gegen die Präzision von Bencic, gegen ihre gute Mischung aus Kontrolle und Risiko war für die Spanierin wenig auszurichten, binnen weniger Minuten ­hatte sich die wiedererstarkte Schweizerin einen Mut machenden Vorsprung verschafft. Und nach kaum mehr als 20 Minuten war der erste Durchgang dann auch mit 6:1 für Bencic abgehakt – es war ein Auftritt ohne Fehl und Tadel bis dahin.

Die Philosophie ihres neuen Trainers

Angefeuert von ihrem neuen Trainer Vladimir Platenik und ihrer Familie, machte Bencic im zweiten Akt zunächst nahtlos so weiter wie in der Startphase dieses Duells. Für Suarez Navarro ging alles zu schnell, der Sturm und Drang von Bencic, ihre ­Powerschläge, ihre selbstbewusst herausgespielten Punkte. Ruckzuck stand es wieder 3:0 für Bencic, die fast schon auf die Zielgerade des Matchs einzubiegen schien. Doch urplötzlich wurde sie zu vorsichtig, zu zaghaft, zu zögerlich in ihren Aktionen, ganz so, als wolle sie ihren Vorsprung nur noch verwalten. Das nutzte Suarez Navarro zu einer furiosen Aufholjagd, in deren Verlauf sie sogar einen Satzball zum 1:1-Ausgleich hatte. Eher glücklich rettete sich Bencic in den Tiebreak, fand aber im Augenblick der Bewährung zu mehr Mut und Courage. «Ich wollte das Match unbedingt beenden und nicht in einen dritten Satz», sagte sie später.

Der Achtelfinal-Vorstoss ist auch der erste grössere Erfolgsmoment für Bencic und ihren neuen Coach Vladimir Platenik. Der Tscheche hatte zuvor unter anderen Dominika Cibulkova und Daria Kasatkina trainiert und war auch in der Akademie von Hingis-Mutter Melanie Molitor in Wollerau tätig gewesen. «Für mich geht es vor allem darum, dass Belinda den Spass am Spiel wiederfindet», sagt Platenik, «dann kommen auch die Siege wieder zurück.» So wie jetzt in Wimbledon, wo die Reise durchs Turnier noch ein bisschen länger dauern kann, auch über den Achtelfinal hinaus.

Grand-Slam-Turnier (44,4 Mio. Franken/Rasen). Männer. 3. Runde: Nadal (ESP/2) s. De Minaur (AUS) 6:1, 6:2, 6:4. Gulbis (LAT/Q) s. Alexander Zverev (GER/4) 7:6 (7:2), 4:6, 5:7, 6:3, 6:0. Del Potro (ARG/5) s. Paire (FRA) 6:4, 7:6 (7:4), 6:3. Djokovic (SRB/12) s. Edmund (GBR/21) 4:6, 6:3, 6:2, 6:4. Raonic (CAN/13) s. Novak (AUT/Q) 7:6 (7:5), 4:6, 7:5, 6:2. Vesely (CZE) s. Fognini (ITA/19) 7:6 (7:4), 3:6, 6:3, 6:2. Simon (FRA) s. Ebden (AUS) 6:1, 6:7 (3:7), 6:3, 7:6 (7:2). Chatschanow (RUS) s. Tiafoe (USA) 4:6, 4:6, 7:6 (7:3), 6:2, 6:1.

Achtelfinal-Tableau: Federer (1) – Mannarino (22), Monfils – Anderson (8); McDonald – Raonic (13), Isner (9) – Tsitsipas (31); Chatschanow – Djokovic (12), Kyrgios (15)/Nishikori (24) – Gulbis; Del Potro (5) – Simon, Vesely - Nadal (2).

Frauen. 3. Runde: Bencic (SUI) s. Suarez Navarro (ESP/27) 6:1, 7:6 (7:3). Su-Wei (TPE) s. Halep (ROU/1) 3:6, 6:4, 7:5. Kerber (GER/11) s. Osaka (JPN) 6:2, 6:4. Ostapenko (LAT/12) s. Djatschenko (RUS/Q) 6:0, 6:4. Kassatkina (RUS/14) s. Barty (AUS/17) 7:5, 6:3. Cibulkova (SVK) s. Mertens (BEL/15) 6:2, 6:2. Sasnowitsch (BLR) s. Gavrilova (AUS/26) 6:3, 6:1. Van Uytvanck (BEL) s. Kontaveit (EST/28) 6:2, 6:3.

Achtelfinal-Tableau: Hsieh – Cibulkova, Ostapenko (12) – Sasnowitsch; Van Uytvanck – Kassatkina (14), Kerber (11) – Bencic; Pliskova (7) – Bertens (20), Görges (13) – Vekic; Serena Williams (25) – Rodina, Giorgi – Makarowa.

Junioren. 1. Runde: Thiago Agustin Tirante (ARG) s. Damien Wenger (SUI) 6:4, 6:1.

Juniorinnen. 1. Runde: Lulu Sun (NZL/SUI) s. Marta Custic (ESP) 6:1, 6:3.

Heute: Ruhetag.

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