BERGLAUF: Stefan Lustenberger dreht Spiess um

In Seelisberg waren die Gebrüder Lustenberger aus Kriens erneut das Mass aller Dinge. Einzig der Urner Manfred Jauch vermochte die Phalanx der Luzerner zu durchbrechen.

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Der Krienser Stefan Lustenberger (links) knöpfte dem Zweiten, Manfred Jauch (rechts), 90 Sekunden ab. (Bilder: Urs Hanhart (3. Juni 2017))

Der Krienser Stefan Lustenberger (links) knöpfte dem Zweiten, Manfred Jauch (rechts), 90 Sekunden ab. (Bilder: Urs Hanhart (3. Juni 2017))

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

Im Vorjahr sorgten die Lustenberger-Brothers beim Rütlischwur-Gedenklauf (9,5 km, 115 m Höhendifferenz) mächtig für Furore. Das Trio aus Kriens beanspruchte sämtliche Podestplätze für sich. Daniel Lustenberger siegte damals mit einem deutlichen Vorsprung auf seine beiden Brüder Stefan und Martin.

Bei der 40. Auflage des ältesten Urner Berglaufs, die gestern bei garstigen Bedingungen ausgetragen wurde, vermochte das schnelle Luzerner Trio diesen Coup zwar nicht zu wiederholen, dennoch schafften es mit Stefan und Daniel immerhin zwei Lustenberger wieder auf das Podest. Der Vorjahresdominator Daniel Lustenberger musste sich allerdings heuer mit Platz drei begnügen. Wegen einer langwierigen Verletzung und eines entsprechenden Trainingsrückstandes befindet er sich noch nicht in der gleich starken Verfassung wie vor Jahresfrist.

Stefan Lustenberger setzt sich früh ab

In die Bresche sprang Daniels um zwei Jahre jüngerer Bruder Stefan, der 2016 den zweiten Platz belegt hatte. Der 23-Jährige nutzte die Gunst der Stunde und drehte den Spiess am Samstag um. Zu seiner Taktik sagte der strahlende Tagessieger nach dem ersten Durchatmen im Ziel: «Ich bin sehr schnell gestartet und konnte mir so schon früh einen kleinen Vorsprung auf die ersten Verfolger erarbeiten. Im flacheren Mittelteil verkleinerte dann Manfred Jauch den Rückstand. Aber im steilen Schlussstück konnte ich nochmals zulegen und so den Sieg sicherstellen.» Seine Zeit aus dem Vorjahr unterbot der Luzerner um rund zwei Minuten. An den bereits seit 20 Jahren ­bestehenden Streckenrekord von 50:20 Minuten des Briten ­Richard Findlow kam er jedoch nicht heran. Diese Marke, an der sich schon eine ganze Bergläufer-Generation die Zähne ausgebissen hat, verpasste er gar um mehrere Minuten.

Die EM und WM im Visier

Seine sehr gute Form stellte Stefan Lustenberger kürzlich bereits an den Schweizer Berglauf-Meisterschaften in Monthey unter Beweis. Dort sicherte er sich hinter Jonathan Schmid aus Adelboden und dem Bieler Christian Mathys die Bronzemedaille. In diesem Jahr möchte er aber auch auf internationaler Ebene von sich reden machen, wie er im Ziel verriet: «Meine primären Saisonziele sind die Berglauf-EM und danach die Weltmeisterschaften, die beide im Juli ausgetragen werden. Bei diesen Events möchte ich in absoluter Topform sein.»

Trotz des dritten Platzes bei den nationalen Titelkämpfen ist der 23-jährige Krienser noch nicht definitiv selektioniert. In zwei Wochen findet noch ein weiterer Qualifikationswettkampf statt. Lustenberger ist aber zuversichtlich, dass er den Sprung ins Schweizer EM- und WM-Team schaffen wird. Zum jubilierenden Rütlischwur-Gedenklauf sagte der angehende Geologe, der pro Woche gegen 80 Trainingskilometer absolviert: «Dieses Rennen ist sehr anspruchsvoll, weil es mehrere sehr steile Partien beinhaltet. Ich liebe solche Wettkämpfe. Fast die gesamte Strecke verläuft auf Wanderwegen. Das liegt mir und macht Spass.»

Stefan Lustenberger war am Samstag eine Klasse für sich. Dem Zweitplatzierten, dem 42-jährigen Altdorfer Manfred Jauch knöpfte der Luzerner 90 Sekunden ab, seinen Bruder Daniel distanzierte er um rund zwei Minuten. Den gleichen Einlauf auf den ersten beiden Plätzen gab es bereits vor zwei Jahren. Damals betrug der Abstand zwischen Stefan Lustenberger und Jauch, seines Zeichens ehemaliger Berglauf-Europameister bei den Senioren, etwas mehr als eine Minute.

Hinweis

Rangliste: www.sc-selisberg.ch