BERGLAUF: Zwei Debütanten überraschen

Die Davoserin Seraina Boner wagt sich auf unbekanntes Terrain und gewinnt den Stanserhorn-Berglauf. Arnold Aemisegger holt den Sieg ins «Ländle».

Kurt Liembd
Drucken
Teilen
Nicht nur auf Ski, sondern auch als Bergläuferin stark: Siegerin Seraina Boner. (Bild Kurt Liembd)

Nicht nur auf Ski, sondern auch als Bergläuferin stark: Siegerin Seraina Boner. (Bild Kurt Liembd)

«Das ist einer der schönsten Bergläufe, den ich kenne» sagte der Sieger Arnold Aemisegger (38) aus Triesenberg im Fürstentum Liechtenstein. Mit «schön» meinte er aber weniger seinen Sieg, sondern vielmehr Landschaft, Aussicht und Streckenführung. Denn Aemis­egger war zum ersten Mal in seinem Leben auf dem Stanserhorn. Auch für die Organisation findet er nur lobende Worte. «Alles war perfekt – Streckenführung, Verpflegung und viele begeisterte Zuschauer.» Er werde jedenfalls wiederkommen, so der glückliche Liechtensteiner im Ziel.

Ab der Hälfte allein

Nach dem Start ging es vom ersten Meter an zur Sache. Schon bald setzte sich eine Fünfer-Spitzengruppe ab, und nach 3–4 Kilometern reduzierte sich diese auf ein Trio mit Arnold Aemisegger, dem Deutschen Markus Jenne und dem Krienser Martin Lustenberger. Hinter ihnen folgte ein grosses Feld mit rund 400 Läufern und über 50 Walkern. Ungefähr bei halber Distanz, zwischen Kilometer 5 und 6, gelang es Aemisegger, seine direkten Konkurrenten abzuhängen. In der Folge lief er ganz allein und erreichte das Ziel in 1:06:31 rund 1,5 Minuten vor dem zweitplatzierten Martin Lustenberger aus Kriens, und fast zwei Minuten vor dem Deutschen Markus Jenne. Mit seinem Sieg blieb Aemisegger immerhin noch vier Minuten über dem Streckenrekord aus dem Jahre 2005 (1:02:21) und auch noch deutlich über der Zeit von Viktor Röthlin, der im letzten Jahr 1:05:08 lief.

Auch zahlreichen Zentralschweizern gelang ein hervorragendes Rennen, so Martin Lustenberger aus Kriens, der sich mit 1:08:05 einen Kategoriensieg holte. Trotz heissen Temperaturen konnten die meisten Aktiven an ihre bisherigen Leistungen anknüpfen, so auch Christian Stebler (Wolfenschiessen) Bruno Joller (Stans), Stefan Lustenberger (Kriens), Michael Achermann (Stans) und viele andere.

Bei den Frauen zeichnete sich von Beginn weg ein Duell zwischen der einheimischen Marathonläuferin Lucia Mayer (35) und der erstmals startenden Seraina Boner aus Davos ab. Interessant dabei: Bis zur Mitte der Strecke lief Mayer an der Spitze der Frauen und wurde erst dann von Boner überholt. Mit 1:18:05 erreichte die Davoserin das Ziel mit 2,5 Minuten Vorsprung deutlich früher als Lucia Mayer. Auch für die Langläuferin Seraina Boner, die schon an den Olympischen Spielen 2006 und 2014 sowie an der nordischen Skiweltmeisterschaft 2007 teilnahm, war der Stanserhorn-Berglauf ein Novum. «Ich erlebte eine fantastische Strecke und eine perfekte Organisation», sagte Boner.

Ein hervorragendes Rennen lief auch Alexandra Wallimann aus Kerns (20). Mit 1:29:48 erreichte sie in ihrer Kategorie den hervorragenden vierten Rang. Die ersten drei klassierten Läuferinnen sind alle 10 und 12 Jahre älter als sie, ansonsten es für Wallimann zum Kategoriensieg gereicht hätte. Doch letztlich fühlten sich alle als Sieger, welche das Ziel erreichten, und dies nach zwölf Kilometern, 1409 Höhenmetern und bei brütender Hitze.

Start am Geburtstag

Ein ganz spezielles Rennen war der Stanserhorn-Berglauf für Anja von Rotz aus Alpnach. Sie feierte an diesem Tag ihren 53. Geburtstag. Ihr Mann Markus, der deutlich vor ihr lief, hatte dafür eine besondere Überraschung. 200 Meter vor dem Ziel wartete er auf sie, um gemeinsam mit dem Geburtstagskind Hand in Hand im Ziel einzulaufen. Für einmal war das persönliche Glück wichtiger als die Zeit.