Bern reagiert rigoros auf steigende Infektionszahlen und lässt nur noch 1000 Zuschauer zu - Klubs schlagen Alarm

Ab Montag sind im Kanton Bern Grossveranstaltungen ab 1000 Personen verboten. Davon betroffen sind der Fussballmeister Young Boys sowie die Eishockeyklubs SC Bern, SCL Tigers und EHC Biel betroffen. Nun denkt man auch in Zürich über ein Verbot nach.

Klaus Zaugg und François Schmid
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In die Postfinance-Arena des SC Bern dürfen nur noch 1000 Zuschauer Platz nehmen.

In die Postfinance-Arena des SC Bern dürfen nur noch 1000 Zuschauer Platz nehmen.

Anthony Anex/Keystone (Bern, 1. Oktober 2020)

Die Berner Kantonsregierung hat am Sonntag verkündet, bis auf Weiteres Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen zu verbieten. Das Verbot gilt per sofort. Davon betroffen sind insbesondere Fussballmeister BSC Young Boys, sowie die Eishockey-Klubs SC Bern, die SCL Tigers und der EHC Biel. Sie alle dürfen trotz Schutzkonzepten nicht mehr wie seit dem 1. Oktober bis zu zwei Drittel des Stadions mit Zuschauern füllen.

«Ä Chlapf a Gring, weil die Regierung den Ausbau des
Contact-Tracing verschlafen hat»

Mit diesem Entscheid brüskiert die Politik den Sport. Eishockey-Ligadirektor Denis Vaucher spricht von einem «‹Chlapf a Gring›. Wir haben alle Schutzkonzepte umgesetzt und es hat bei den Spielen nicht das kleinste Problem gegeben. Weil die Berner Regierung den Ausbau des Contact-Tracing auf sträfliche Art und Weise verschlafen hat, gibt es nun diese Regelung.»

Auch bei den Klubs herrscht absolutes Unverständnis. Der SC Bern betont in einer Mitteilung, der Kanton stehe im landesweiten Vergleich der Covid-Fälle relativ gut da. In der Tat liegt der Wert von 513 laborbestätigten Fällen auf 100 000 Einwohner um 350 tiefer als der landesweite Durchschnitt. Weiter verweist der SCB darauf, dass man über eine halbe Million Franken in das Schutzkonzept investiert habe.

«Es sind zudem nachweislich keine Covid-Fälle bekannt, die in Zusammenhang mit den Spielen des SCB stehen.» Der SCB taxiert den Entscheid als unverhältnismässigen. Übrigens: Die Zuschauerkapazität in der PostFinance-Arena wurde von 17’000 auf 6750 reduziert.

Speziell bitter für YB: Am Donnerstag kommt
Publikumsmagnet AS Roma

YB, das am Donnerstag in der Europa League die AS Roma empfängt, wurde «auf dem falschen Fuss erwischt», wie der Klub in einer Stellungnahme schrieb. «Wir sehen die Existenz des Schweizer Profifussballs in Gefahr, sollte es den Klubs erneut über einen längeren Zeitraum nicht möglich sein, Zuschauer in den Stadien zu begrüssen.»

Eines ist klar: Ein Spielbetrieb mit 1000 Zuschauern pro Partie ist auf Dauer kaum finanzierbar. Biels Manager Daniel Villard sagt: «Nur mit 1000 Personen im Stadion geht es nicht. Wir müssen in diesem Fall ja auch Geld an die Saisonkartenbesitzer und an die Sponsoren zurückzahlen.» Die Budgets, die auf den reduzierten Kapazitäten – zwei Drittel der Sitzplätze dürfen genutzt werden – berechnet worden sind, werden Makulatur.

Die Berner Gesundheitsdirektion will mit dem Entscheid die Ansteckungsgefahren ausserhalb der Stadien verringern. Auch wenn innerhalb der Stadien die Distanzen eingehalten werden können, sei dies ausserhalb nicht immer der Fall. Das Gebot der Stunde sei, die sozialen Kontakte «auszudünnen» und sich nur noch in kleineren und immer denselben Gruppen zu bewegen, sagte Gundekar Giebel.

Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli will nachziehen

Natalie Rickli will mit Bern gleichziehen Möglich, dass der Berner Alleingang bald Nachahmer findet. Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) findet den Berner Weg opportun «aufgrund der epidemiologischen Lage und weil das Contact Tracing an Grossanlässen aktuell nicht sichergestellt werden kann». Der Zürcher Regierungsrat will diese Woche entscheiden, ob die Regeln für Grossveranstaltungen justiert werden.

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