Berührungsängste? Solche kennt der Krienser Captain nicht

Der neue SC Kriens-Captain Elia Alessandrini (23) spricht vor dem Spiel bei Stade Lausanne Ouchy (Samstag, 18.00) über Verletzungen und ein Treffen mit Lionel Messi.

Stephan Santschi
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Exakt ein Jahr ist es her, da spielte der SC Kriens auswärts gegen Stade Lausanne Ouchy. Innenverteidiger Elia Alessandrini erinnert sich dabei weniger an die 1:2-Niederlage, sondern mehr ans eigene Unglück. Kurz vor der Pause blieb er beim Versuch, einen gegnerischen Schuss zu blocken, im Rasen hängen und knickte um. Diagnose: Teilriss des Innenbandes im rechten Knie. Eine Operation war nicht nötig, eine viermonatige Pause indes schon. Heute gastiert Kriens wieder bei Stade Lausanne Ouchy (18.00 Uhr), Alessandrini ist längst wieder fit und doch stellt sich die Frage: Spielt die Blessur noch eine Rolle? «Nein, von solch negativen Gedanken lasse ich mich nicht steuern», betont er und schmunzelnd fügt er an: «Damals spielten wir in Nyon, diesmal findet das Spiel ja auf der Pontaise in Lausanne statt.»

Elia Alessandrini (links) im Zweikampg gegen Thibault Corbaz von Xamax.

Elia Alessandrini (links) im Zweikampg gegen Thibault Corbaz von Xamax.

Bild: Freshfocus / Daniela Frutiger (Kriens, 19. September 2020)

Verletzungen waren immer wieder mal ein Begleiter in der Karriere des heute 23-jährigen Berners aus Schönbühl. In der Juniorenzeit fiel er gar zwei Jahre aus, weil er eine Fehlstellung der Hüfte, die auch Knieprobleme verursachte, chirurgisch korrigieren lassen musste. Als Alessandrini, der bei den Young Boys die gesamte Juniorenabteilung durchlief, einen Profivertrag unterschrieb und nach Thun ausgeliehen wurde, kam er dort nur zu einer Super-League-Minute, ausgerechnet gegen YB. Danach setzte ihn eine Adduktorenverletzung ausser Gefecht.

Fehlende Zentimeter macht er mit Wille wett

Doch das gehöre zum Fussball, sagt er, als Grund für den ausstehenden Durchbruch auf höchster nationaler Stufe möchte er dies nicht anführen, das ist nicht seine Art. Der frühere Junioren-Nationalspieler ist eine Kämpfernatur, einer, der gerne Verantwortung übernimmt. Deshalb hat ihn Trainer Bruno Berner vor der aktuellen Spielzeit auch zum neuen Captain ernannt. «Ich bin ein hilfsbereiter Typ, ich helfe den neuen Spielern bei der Integration.

Auf dem Platz sehe ich mich als Aggressivleader. Ich möchte meine Mitspieler mitziehen, in guten wie in schlechten Zeiten.»

Tugenden, die Alessandrini möglicherweise auch deshalb so prägnant verkörpert, weil er mit 1,77 Metern für einen zentralen Abwehrspieler eher klein gewachsen ist. «Ich gewinne die Duelle mit meinem Willen, nicht mit Grösse und Kraft», erklärt er. Dass man so Karriere machen kann, zeigt sein Vorbild Fabio Cannavaro, der frühere italienische Weltmeister misst 1,76 Meter. Hinzu kommen bei Alessandrini spielerische Qualitäten, «ich habe einen sauberen ersten Pass, werde unter Druck nicht hektisch».

Sprungbrett SC Kriens: Jan Elvedi macht es vor

Berührungsängste, die kennt Elia Alessandrini also nicht, davon zeugt übrigens auch eine Anekdote aus dem Jahr 2012, die vielleicht beim einen oder anderen TV-Zuschauer in Erinnerung geblieben ist: Elia war bei einem Freundschaftsspiel der Schweiz gegen Argentinien im Stade de Suisse als Balljunge im Einsatz. Nach dem Schlusspfiff schlenderte er zu Lionel Messi und rang dem Superstar ein Handshake ab. «Er dachte wohl, ich sei ein Auswechselspieler», erzählt Alessandrini lachend. «Eigentlich hätte ich nicht auf den Platz gedurft. Doch die Gelegenheit, Messi zu treffen, wollte ich mir nicht entgehen lassen.»

Mittlerweile ist Alessandrini selber im bezahlten Fussball angekommen. Nach Ausleihen in Thun, Chiasso und Kriens hat ihn der SCK mit einem Einjahresvertrag nun fix übernommen. «Elia ist überdurchschnittlich zweikampfstark. Er hat das Potenzial für die Super Leauge», sagt Sportchef Bruno Galliker. Vor einem Jahr engagierte er ihn als künftigen Ersatz für Jan Elvedi, sollte dieser zu Höherem berufen werden. Und tatsächlich: Elvedi zog im Sommer weiter in die 2. Bundesliga zu Jahn Regensburg. Eine Entwicklung, mit der auch Jura-Student Alessandrini liebäugelt: «Ich fühle mich in Kriens sehr wohl, vom Trainer bis zu den Restaurantmitarbeitern gibt es hier viele gute Persönlichkeiten. Der SCK ist eine wichtige Station für meine Weiterentwicklung.»