Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Bewundert, aber noch nicht geliebt

England startet heute (20 Uhr, SRF zwei) gegen Tunesien ins WM-Turnier. Nach der schwachen Europameisterschaft vor zwei Jahren ruhen die Hoffnungen auf Superstar Harry Kane (24).
Raphael Honigstein
Englands Harry Kane (vorne) im Trainingsduell mit Kyle Walker. Bild: Dimitri Lovetsky/AP (Repino, 17. Juni 2018)

Englands Harry Kane (vorne) im Trainingsduell mit Kyle Walker. Bild: Dimitri Lovetsky/AP (Repino, 17. Juni 2018)

Harry Kane hatte sich erst vornehm geziert, doch nach dem dritten oder vierten verbalen Pass genau in den Lauf kam er als geborener Torjäger dann doch nicht umhin, die Sache mustergültig abzuschliessen. «Ja, ich denke, dass wir die Weltmeisterschaft gewinnen können», verkündete der Stürmer von Tottenham Hotspur vor der Abreise nach Russland. Was hätte er auf die Frage nach Englands Chancen auch anderes sagen können?

In der Vergangenheit hätte der Boulevard auf der Insel dem Captain der Nationalmannschaft aus so einer harmlosen Aussage einen Strick gedreht: «Kane: Wir werden Weltmeister!» hätte es von Aufschlagseiten der Gazetten gebrüllt. Doch dies sind, zwei Jahre nach der Pleite im EM-Achtelfinal gegen Island in Nizza, sehr viel leisere Zeiten – mit einem Anführer, der mit seiner Mischung aus ruhigem Selbstbewusstsein und Realismus exakt den Ton trifft. «Wir wollen zunächst einmal, dass unser Land stolz auf uns ist», sagt der 24-Jährige vor dem Auftaktspiel seines Teams gegen Tunesien in Wolgograd. «Die Nation soll nachdem, was bei der Euro 2016 passiert ist, wieder auf unserer Seite sein.» Kane selbst hatte bei dem Turnier in Frankreich eine unerklärlich müde Figur abgegeben. Nun steht er für das Versprechen von Gareth Southgates junger, unerfahrener Elf, es in Russland bedeutend besser zu machen.

Scouts erkannten schon früh Kanes technisches Talent, störten sich aber an seiner mangelnden Geschwindigkeit und dem ungeschmeidigen Laufstil. Nach nur einer Spielzeit beim FC Arsenal, Tottenhams Erzfeind, wurde er mit acht Jahren aussortiert und musste wieder für die Hobbymannschaft Ridgeway Rovers spielen. Kane beschrieb die Ausbootung durch die Gunners vor einigen Monaten als «den wichtigsten Moment meiner Karriere», sie habe ihm den Antrieb gegeben, den er vorher nicht gehabt habe. Über den Umweg FC Watford landete er als Teenager schliesslich bei den Spurs, wo er nach mehreren Leih- und Lehrjahren 2011 sein Debüt feierte.

108 Mal hat der enorm mobile Strafraum-Experte bisher in der Premier League getroffen, das war zuvor noch keinem Spieler von Tottenham gelungen. Mit 13 Treffern in 24 Länderspielen ist er auch in der Mannschaft Ihrer Majestät unersetzlich. «Kane ist der eine Weltklassespieler, den wir haben», sagt BBC-Moderator Gary Lineker, der früher selbst für die Spurs und England in der Sturmmitte auflief. «Wir haben potenzielle Weltklassespieler, denen die Zukunft gehört, aber Harry gehört das Jetzt.» Er sei «Gold wert», meinte Nationaltrainer Southgate, ansonsten kein Freund grosser Worte.

Lieber mit dem Hund spazieren als Partys feiern

Bevor die England-Fans «Harry Kane, he’s one of us» («Er ist einer von uns») singen, bedarf es jedoch noch einiger Treffer in diesem Sommer. Kane wird ausserhalb Nord-Londons bewundert, aber noch nicht geliebt. Dafür betreibt er seinen Beruf zu ernsthaft, asketisch und ambitioniert. Kane ist ein Modellathlet, der seine Verlobte Katie Goodland schon seit der Schulzeit kennt, keinen Alkohol anrührt und lieber mit seinen Hunden vor der Tür geht als auf Partys oder Modeschauen.

«Ich muss mein Team nicht führen, das verteilt sich bei uns auf mehrere Schultern,» sagte Kane den Reportern im Mannschaftsquartier Repino in der Nähe von St. Petersburg. «Meine Hauptverantwortung ist es Tore zu schiessen.» Wenn das in Russland gelingt, wird er im Laufe des Turniers noch mehrere Fragen nach Englands WM-Chancen beantworten müssen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.