BIATHLON: Ein Rohdiamant rückt ins Rampenlicht

Die Engelbergerin Lena Häcki gehört zu den ganz grossen Schweizer Talenten. Noch im Junioren-Alter stehend, verblüfft sie in ihrer Weltcup-Debütsaison und pflegt ein spezielles Ritual.

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18. Dezember 2014 im slowenischen Pokljuka: Die 19-jährige Lena Häcki läuft ihr zweites von insgesamt neun Weltcup-Rennen. (Bild: Keystone)

18. Dezember 2014 im slowenischen Pokljuka: Die 19-jährige Lena Häcki läuft ihr zweites von insgesamt neun Weltcup-Rennen. (Bild: Keystone)

Theres Bühlmann

Und plötzlich läuft sie vor 10 000 Zuschauern. Und plötzlich ist Lena Häcki mittendrin im Biathlon-Zirkus und klassiert sich in der erweiterten Weltelite. Der 12. Rang beim Sprint in Antholz am vergangenen Wochenende mit nur einem Fehlschuss darf durchaus als Sensation betrachtet werden. «Es ist ein wunderbares Gefühl, alles ist aufgegangen», sagte sie. Sie habe schon im Training festgestellt, dass ihr diese Anlage auf 1800 Höhenmetern liege. Im Verfolger musste sie sich sieben Fehlschüsse notieren lassen, holte aber dank starker Leistung in der Loipe noch zwei Weltcup-Punkte.

WM-Qualifikation geschafft

Im Staffelrennen sorgte die Engelbergerin dann wieder für Furore. Auf Platz 9 ging sie für die Schweizerinnen ins Rennen. Bei äusserst schwierigen Windverhältnissen musste sie eine Strafrunde in Kauf nehmen, liess sich aber nicht beirren, machte beim Laufen Plätze gut und übergab auf Position sechs an die Walliserin Flurina Volken. «Die läuft richtig stark, die Häcki», sagte «Eurosport»-Kommentator Sigi Heinrich. Mit Platz 8 realisierten die Schweizerinnen das beste Staffelergebnis aller Zeiten und holten sich somit die Qualifikation für die WM in ­Kontiolahti (Fi) vom kommenden März. Dies ist aber nicht das primäre Ziel der Absolventin des Engelberger Sportgymnasiums. Den Fokus legt Häcki auf die Junioren-Weltmeisterschaften, die vom 17. bis 24. Februar in Minsk-­Raubichi in Weissrussland stattfinden. Ein konkretes Ziel für diesen Anlass hat sie sich nicht gesetzt. «Ich nehme es Schritt für Schritt.»

Lena Häcki wechselte vor drei Jahren zum Biathlon und hat eigentlich damit gerechnet, im IBU-Cup zu starten, der vergleichbar mit dem Europacup bei den Alpinen ist. Doch es kam eben anders, die über grosses Potenzial verfügende Obwaldnerin wurde im Weltcup eingesetzt, fand sich von Rennen zu Rennen besser zurecht und verblüfft in ihrer Debütsaison. Mitte Dezember feierte sie in Hochfilzen (Ö) ihre Weltcup-Premiere mit dem 89. Rang im Sprint. Seit dem 9. Januar taucht ihr Name auch im Weltcup-Zwischenklassement auf, dank dem 30. Rang, den sie sich im Sprint in Oberhof (De) holte, und dies an einem garstigen Wintertag mit viel Wind, der die Biathleten vor eine grosse Herausforderung stellte. Die Engelbergerin nahm diese Herausforderung an und konnte auch auf die Unter­stützung von Tausenden Zuschauern unterwegs und im Stadion zählen. Wo immer die Biathleten Station machen, strömen Tausende Fans ins Gelände und feuern die Sportler an. «Das ist ein geniales ­Gefühl», sagt Lena Häcki, «egal, um welche Läuferin oder Läufer es sich handelt, die Zuschauer gehen mit, phänomenal.» Im Schiessstand kann sie aber alles ausblenden, «dann bekomme ich nichts mit».

Der sichere Wert im Team

Nicht nur im Einzel ist Häcki, die im Weltcup-Zwischenklassement mit 42 Punkten auf Rang 53 liegt, zu einem sicheren Wert geworden, sondern eben auch in der Staffel, zumal Selina Gasparin schwanger ist und Patricia Jost an einer Verletzung laboriert. Häcki ging in Oberhof als Startläuferin in die Loipe und in Ruhpolding und in Antholz als dritte. «In einer mittleren Position fühle ich mich wohler», sagt sie, «da kann ich angreifen.» Lena Häcki, die pro Tag durchschnittlich zwei bis drei Stunden trainiert, schätzt sich in der Loipe stärker ein als im Schiessstand, «da bin ich noch zu wenig konstant». Diesen Mangel behebt sie nun mit vermehrtem Mentaltraining. Ihr Vorbild ist Selina Gasparin, die Silbermedaillengewinnerin von Sotschi. «Sie war lange eine Einzelkämpferin, hat durchgehalten und sehr viel erreicht. Sie hat uns den Weg geebnet.»

Wie fast alle Sportler pflegt auch Lena Häcki vor dem Rennen ein Ritual. «Ich ziehe immer pinkfarbene Unterwäsche an», lacht sie. «Doch», sagt sie, «das dürfen Sie so schreiben.»

Physik, Mathe oder Ingenieurwesen

Als grosses Fernziel hat sie die Olympischen Winterspiele 2022 im Fokus, beruflich ist sie noch am Sondieren. Seit dem Abschluss der Matura 2014 arbeitet sie zu 40 Prozent in einem Sportgeschäft in Engelberg, «mit einem super Chef, der sehr tolerant ist». Sie liebäugelt mit einem Studium Richtung Mathematik, Physik oder Ingenieurwesen. Im Frühling beginnt die Sportler-RS in Magglingen, «und dann sehe ich weiter».

Ganz nach ihrem Motto, alles Schritt für Schritt zu nehmen.

unknown (Bild: theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch)

unknown (Bild: theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch)