BIATHLON: Häckis schöne Bescherung

Lena Häcki aus Engelberg hat allen Grund zum Strahlen. Sie gewinnt an der Junioren-WM zwei Silbermedaillen – und belohnt sich nun mit etwas ganz Speziellem.

Theres Bühlmann
Drucken
Teilen
Lena Häcki präsentiert stolz ihre Silbermedaillen und freut sich beim Empfang mit Brigitta Naef, Statthalterin von Engelberg. (Bilder Nadia Schärli)

Lena Häcki präsentiert stolz ihre Silbermedaillen und freut sich beim Empfang mit Brigitta Naef, Statthalterin von Engelberg. (Bilder Nadia Schärli)

Theres Bühlmann

Was waren das für schöne Tage in Rumänien, die der Schweiz an der Junioren-WM am letzten Wochenende zwei silberne Auszeichnungen im Sprint und in der Verfolgung bescherten. Diese gehen auf das Konto der Engelbergerin Lena Häcki. Und die Freude über diesen Coup ist bei der 20-Jährigen unüberhörbar. «Unglaublich», sagt sie, «das ist alles wie ein Traum. Langsam beginne ich aber zu realisieren, was ich geleistet habe.» Mit der Hoffnung auf eine Medaille – «im Sprint rechnete ich mir die grösste Chance aus» – reiste sie nach Rumänien, optimal vorbereitet, «denn dieser Anlass figurierte als Saisonhöhepunkt ganz oben», blickt sie zurück. «Und dass es dann im Verfolgungsrennen auch noch zu einer Medaille reichte, einfach toll.» Der achte Platz im Einzel gab ihr die Gewissheit, «dass meine Form stimmt».

Ganz starker Auftritt in der Loipe

Und diese spielte sie aus – und wie. Vor allem in der Loipe war sie unschlagbar, denn keine lief schneller als die A-Kader-Athletin. Mit zwei Fehlschüssen im Sprint verpasste sie die Goldmedaille um lediglich 0,6 Sekunden. Sechs Schiessfehler im Verfolgungsrennen, aber lediglich 13,7 Sekunden Rückstand auf die Schwedin Hanna Oeberg, die an beiden Wettkämpfen Gold gewann und alle Scheiben traf – das unterstreicht das grosse läuferische Können der Engelbergerin.

Aber eben, Biathlon besteht aus zwei Disziplinen: in der Loipe alles aus sich herausholen, ohne zu überpowern, um dann im Schiessstand mit der richtigen Pulsfrequenz konzentriert und präzis zu arbeiten. Schiessen und Lena Häcki, das ist noch keine grosse Liebesgeschichte. «Da habe ich noch Verbesserungspotenzial. Wir arbeiten mit einem Mentaltrainer, damit ich mehr Selbstsicherheit bekomme, etwas weniger nervös und angespannt agiere und die Gedanken ans Schiessen in positive Bahnen lenken kann.»

International sorgte Lena Häcki vor einem Jahr für grosses Aufsehen: In Antholz sah sie sich beim Weltcup-Rennen auf Platz 12 – und plötzlich war sie mittendrin im Feld der Grossen. In dieser Saison stehen bis jetzt lediglich drei Weltcup-Punkte auf ihrem Konto. «Das internationale Feld ist gegenüber der letzten Saison viel dichter und stärker geworden, es ist sehr schwierig, sich an die Spitze vorzuarbeiten und sich dort zu klassieren.»

2018 als erster Karrierehöhepunkt

Doch sie arbeitet weiter an sich, hart und konsequent, denn eine erste ganz grosse Karrierekrönung soll 2018 mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Südkorea folgen. Zunächst ist aber nun eine kurze Pause angesagt, etwas abschalten, neue Kraft tanken. Und was ist mit den närrischen Tagen? «Früher ging ich ab und zu an die Fasnacht, in den letzten Jahren war ich zu dieser Zeit aber selten zu Hause. Ich ziehe es vor, mir bis zur Abreise am Mittwoch etwas Ruhe zu gönnen», denn ab dem 12. Februar startet sie beim IBU-Cup in Brezno-Osrblie in der Slowakei.

Auf die Weltcup-Rennen, die zurzeit in Übersee stattfinden, verzichtet die Obwaldnerin, «dies wäre mit zu grossem Stress verbunden gewesen», zumal ja am Mittwoch unmittelbar nach ihrer Rückreise von der Junioren-WM ein überraschender Empfang in Engelberg stattfand – ein Dorf huldigte ihrer erfolgreichen Einwohnerin. «Sehr schön» sei dieser gewesen, sagte Häcki, die übrigens mit einer modischen Zopffrisur erschien. «Diese habe ich mir im Flugzeug gemacht, mir war doch etwas langweilig.»

Chancen auf die WM sind intakt

Hoffnungen darf sich Lena Häcki auch auf die Weltmeisterschaften in Oslo von 3. bis 13. März machen, obwohl sie die Selektionskriterien an den Weltcup-Rennen nicht erfüllte. Aber nicht nur die Resultate werden zu Rate gezogen, auch die Trainer haben ein Wörtchen mitzureden, und auch die Leistungskurve wird berücksichtigt. «Ich habe mit meinen beiden Medaillen gezeigt, dass ich in Form bin», sagt sie.

Nach der Saison steht Lena Häcki, die in Mathematik ein Fernstudium absolviert, etwas ganz Besonderes bevor, sozusagen eine Belohnung für ihre guten Leistungen an der Junioren-WM. «Mit meinem Freund habe ich ein Abkommen getroffen. Falls ich in Rumänien eine Medaille gewinne, verreisen wir im Frühling in die Ferien, genau gesagt nach Hawaii.»

Dann heisst es also: bald einmal Koffer packen – und einfach nur geniessen.