Biel verliert schön, leise und naiv

Halbfinal  Kann Biel Playoff? Diese Frage können wir nach wie vor nicht abschliessend beantworten.

Klaus Zaugg
Merken
Drucken
Teilen
Biels Goalie Jonas Hiller ist geschlagen, Berns André Heim bejubelt den Treffer zum 0:1. Bild: Peter Schneider/Keystone (Biel, 6. April 2019)

Biels Goalie Jonas Hiller ist geschlagen, Berns André Heim bejubelt den Treffer zum 0:1. Bild: Peter Schneider/Keystone (Biel, 6. April 2019)

Vorerst gilt weiterhin: Die Bieler können Playoff nicht. Sie waren gestern nicht dazu in der Lage, ihre klare spielerische Überlegenheit (38:19 Torschüsse) in einen Sieg umzuwandeln – obwohl dazu nur zwei Tore notwendig gewesen wären. Und was sind schon zwei Tore im Eishockey? Eigentlich nichts. Eigentlich. Doch gestern scheiterte Biel an dieser scheinbar einfachen Aufgabe kläglich wie eine Juniorenmannschaft.

Die Berner triumphierten mit einer Defensiv-Taktik, mit der sie, so sie denn das Finale erreichen sollten, auch dem EV Zug grosse Schwierigkeiten bereiten werden. Sie wurden dominiert, aber nicht in der «roten Zone», dort wo Tore erzielt werden. Sie ähnelten einem Boxer, der in den Seilen hängt, immer und immer wieder Treffer einsteckt, die keinerlei Wirkung erzielen. Gelegenheiten zu einem Gegenangriff gibt es immer – und die erste grosse Konterchance nützte der SCB in der 9. Minute zum 0:1. Das sollte bereits die Entscheidung sein.

Für Zug wäre es besser, wenn Biel gewinnt

Biel stürmte und stürmte, niemand im Stadion machte sich grosse Sorgen, der Ausgleich, die Wende und der Finaleinzug schienen eigentlich nur eine Frage der Zeit zu sein. Aber der Ausgleich fiel eben nicht, die Zeit verrann unerbittlich in der Stadt der Uhren, und auf einmal war die Zeit um. Die Bieler verloren schön, leise und naiv. Das eindeutige Torschussverhältnis täuscht: Den Abschlussversuchen der Bieler fehlte Entschlossenheit, Präzision und Kaltblütigkeit. Es waren spielerische Versuche, nicht grimmige. Eine historische Chance kann eine Mannschaft in Schlüsselsituationen auch lähmen – und genau das war gestern der Fall. Deshalb gilt nach wie vor: Biel kann nicht Playoff, der SCB hingegen schon. Der SCB war schliesslich schon 13 Mal im Final und hat neunmal den Titel geholt. Biel war noch nie im Final. Der SCB hat Playoff in der DNA, Biel nicht.

Aber nichts dauert ewig: Entweder wird am Dienstag die Geschichte mit einem SCB-Final­einzug noch einmal bestätigt und die Zuger stehen vor der gleichen Herausforderung wie Biel. Oder Biel verwandelt sich in eine Mannschaft, die Playoff kann, ein neues Zeitalter beginnt mit einer Finalpaarung, die es noch nie gegeben hat: Zug gegen Biel. Eines ist klar: Für Zug wäre es besser, wenn das leichtfüssige, spektakuläre Biel am Dienstag in Bern gewinnt – und nicht die Berner mit ihrem defensiven Schablonenhockey, das die gegnerischen Coaches zur Verzweiflung treibt.

Biel – Bern 0:1 (0:1, 0:0, 0:0)
6521 Zuschauer (ausverkauft). – SR Stricker/Wiegand, Kovacs/Obwegeser. – Tor: 9. Untersander (Sciaroni, Scherwey) 0:1. – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Biel, 4-mal 2 Minuten gegen Bern.

Biel: Hiller; Maurer, Salmela; Janis Moser, Kreis; Fey, Forster; Sataric; Hügli, Pouliot, Rajala; Brunner, Fuchs, Earl; Riat, Diem, Künzle; Pedretti, Neuenschwander, Lüthi; Tschantré.

Bern: Genoni; Burren, Almquist; Krueger, Blum; Untersander, Gerber; Marti; Ruefenacht, Arcobello, Simon Moser; Grassi, Mursak, Ebbett; Sciaroni, Heim, Scherwey; Berger, Bieber, Kämpf; Brügger.

Bemerkung: Bern ohne Andersson, Haas, Kamerzin und Boychuk.