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Granit Xhaka: Jedes Spiel wird vom Vater analysiert

Granit Xhaka (26) wird der zukünftige Captain der Schweizer Nationalmannschaft sein. Der Mittelfeldspieler ist längst ihr Leader, auch am Samstag im EM-Qualifikationsspiel gegen Georgien. Er sagt, Arsenal müsse nicht die Endstation seiner Karriere sein.
Christian Brägger, Tiflis
Granit Xhaka beim Training im Stadion in Tiflis. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (22. März 2019))

Granit Xhaka beim Training im Stadion in Tiflis. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (22. März 2019))

2011 war der Fussball noch nicht so rasant. Und das Motto der Schweizer Nationalmannschaft lautete, Tore zu verhindern und ja nicht zu verlieren. Trotz Qualitäten. Heute ist dies anders, die Schweiz hat sich verändert. Sie spielt mit Tempo, das Selbstvertrauen ist gross, die Spielanlage dominant. Jetzt will sie immer gewinnen. Und stets mittendrin: Granit Xhaka.

2011, da war Granit Xhaka gerade einmal 18 Jahre jung, als er mit der Schweiz im Wembley-Stadion gegen England debütierte. Er träumte davon, dereinst die tragende Rolle in diesem Schweizer Team zu haben. «Ich war damals bereits enorm frech, auch wenn ich noch auf einer Position spielen musste, die ich nicht so liebte. Aber der Respekt war immer da», sagt er.

Noch wenige Jahre davor war Xhaka in seiner Heimat nicht der Bub gewesen, der gepusht und speziell gefördert wurde. In Basel, sagt er, sei von anderen Jungen der Durchbruch erwartet worden. Aber nicht von ihm. Dann kam mit der Schweiz 2009 der U17-Weltmeistertitel in Nigeria, der ihm alle Türen öffnete.

Vorne Lichtsteiner, hinten Xhaka

Als Granit Xhaka an diesem Nachmittag im Zürcher Teamhotel über sich und sein Befinden spricht, könnte die Szenerie kaum mehr Bände sprechen. Weiter vorne im Raum, an einem grossen Tisch, sitzt Captain Stephan Lichtsteiner. Belagert von sechs Journalisten. An Xhakas Tisch sitzen zwei. Die «Akte Lichtsteiner» bewegt das Land gerade, und sie wird es spätestens bis zum Rücktritt des Verteidigers tun. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, bis Xhaka fester Captain der Schweiz sein wird, es wäre das i-Tüpfelchen, wie er sagt. Seine Rolle, ob mit oder ohne Binde, bleibt dieselbe; es ist jene des Leaders.

Mit Lichtsteiner hat Xhaka einen guten Kontakt, sie reden viel, privat wie im Club bei Arsenal, in dem sie seit dieser Saison zusammenspielen. «Ich habe grössten Respekt vor Stephan und seiner unglaublichen Karriere», sagt Xhaka, der die Begebenheiten akzeptiert. Heisst: Solange Lichtsteiner für die Nationalmannschaft aufgeboten wird, ist Lichtsteiner der unbestrittene Captain. Dabei ist das Thema des würdevollen Abschieds nicht zu unterschätzen. Die Kommunikation sei wichtig, es gehe um Respekt, ein Trainer müsse sich hierfür gut vorbereiten, sagt Xhaka. «Wenn du viele Jahre für die Schweiz gespielt hast, kann man dich nicht einfach rasieren. Es kommt darauf an, wie man es sagt, und wann man es sagt. Unser Trainer hat das bisher gut gelöst.»

Auf Vladimir Petkovic hält Xhaka grosse Stücke, die Kritiken nach der WM am Coach kann er selbst heute noch immer nicht nachvollziehen. Und folgt dereinst ein neuer, habe dieser wenig zu tun. «Wer sagt, dass Petkovic ein schlechter Coach sei, hat keine Ahnung von Fussball. Seien Sie mir nicht böse, aber 80 Prozent der Arbeit mit uns haben er und davor Ottmar Hitzfeld schon erledigt.» Dabei ist es doch Petkovic, der sich stets schützend vor seine Spieler stellt.

Nicht nur positive Erfahrungen gemacht

Es gab dieses Vorgefühl, und spätestens jetzt, im Gespräch, spürt man: Granit Xhaka, heute 26-jährig, hat sich verändert. Er wirkt entspannter und reifer, wenn er so redet, und er wählt seine Worte mit Bedacht. Das war früher auch schon anders. Abseits des Rasens hat er damit begonnen, mit Weitsicht zu handeln, investiert für das Leben nach der Karriere in Immobilien in und um Basel, das für immer sein Zuhause sein wird. Eine Karriere, die ihm ein Preisschild von 50 Millionen Euro gebracht hat und vollgepflastert ist mit vielen Erlebnissen. Es sind nicht nur positive.

In Gladbach lief es zu Beginn nicht nur gut, er ist heute froh um die Erfahrung, als er unter Trainer Lucien Favre nicht mehr spielte. Später bei Arsenal erging es ihm nicht anders, wieder war der Start kein einfacher. Es waren die Signale für ihn, dass er noch mehr tun musste. Also professionalisierte er sein Umfeld und engagierte einen Privattrainer, der ihm einzig den Fussball nicht beibringen muss, ansonsten aber für alles verantwortlich ist, für die Physis und das Mentale, für die Erholung und die Ernährung. Xhaka ist einer, der sich fast keine Ruhephasen gönnt, sich immer am Limit bewegt, Spiel für Spiel, Saison für Saison. Manchmal wirkt es so, als ob er ein Getriebener wäre. «Ich bin sehr ehrgeizig, ich will den nächsten Schritt machen, Arsenal muss nicht die letzte Station sein.» Sein Tag beginnt um sieben Uhr und endet um fünf, ausser an Spieltagen.

Xhaka erzählt nun die Geschichte eines Freundes, der ihm einst bei Gladbach prophezeit hat: «Irgendwann wirst auch du gelassener, weil du viel mehr mit dem Auge machen wirst. Du musst nicht überall auf dem Platz sein.» Der Mittelfeldspieler staunt, weil es tatsächlich so gekommen ist. Mit diesem Wandel holt er nicht nur weniger gelbe oder rote Karten – was insofern erstaunt, weil in der Premier League die Ausländer härter angegangen werden von den Schiedsrichtern. Mit diesem Wandel haben sich auch die englischen Medien beruhigt. «Das war schon in Deutschland so, es dauerte seine Zeit, bis man mich und meine Art akzeptierte. Ich kann das nicht beeinflussen», sagt Xhaka. Heute sagen die Journalisten des «Guardian», dass der Schweizer bisher seine beste Saison in England hat. «Er hat sich zur ersten Wahl im Mittelfeld hochgespielt, ist unverzichtbar, das Herz Arsenals.» Nur fehlerfrei, das sei er immer noch nicht.

Jedes Spiel wird vom Vater analysiert

Xhaka macht sich wenig aus diesen Urteilen. Ohnehin findet sich in der Familie mit dem Vater der grösste Kritiker, der jedes Spiel des Sohnes aufnimmt, um es danach mit ihm zu analysieren. «Es gibt Lob, aber seiner Meinung nach habe ich immer Luft nach oben. Mein Antrieb ist es, dass mein Vater einmal sagt: Granit, das war super! Bis jetzt war das noch nie der Fall. Das spornt mich nur noch mehr an.»

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