Der SC Kriens liegt bis zur 94. Minute auf dem Barrageplatz

Das nächste Spektakel des SC Kriens: Beim 4:4 auswärts in Aarau führt der SCK bis in die Nachspielzeit.

Turi Bucher
Merken
Drucken
Teilen
Der Krienser Liridon Berisha (links) muss zusehen, wie Aaraus Yvan Alounga (Mitte) mit Torschütze Marco Schneuwly den Ausgleich zum 1:1 bejubeln.

Der Krienser Liridon Berisha (links) muss zusehen, wie Aaraus Yvan Alounga (Mitte) mit Torschütze Marco Schneuwly den Ausgleich zum 1:1 bejubeln.

Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Aarau, 23. Februar 2020)

Was für ein turbulentes, spektakuläres, aufwühlendes Spiel in Aarau: Das Krienser Wechselbad der Gefühle führte über die 1:0-Führung, den 1:2-Rückstand, die 3:2- und 4:3-Führung bis zum 4:4-Ausgleich in der 94. Minute. Hätten die Krienser das 4:3 über die Zeit retten können und sich ihren 12. Saisonsieg erkämpft, wären sie mindestens eine Woche lang auf dem Barragerang platziert gewesen.

Aber das ist überhaupt kein Problem für die Krienser Überraschungsmannschaft von Trainer Bruno Berner, die schon vor etwas mehr als einer Woche mit dem 1:0-Sieg in Zürich gegen die Grasshoppers mit einem Paukenschlag die Liga erzittern liess: GC und Vaduz, vielmehr die dringlicheren Barrage-Anwärter, müssen diesen SC Kriens weiterhin auf dem Warnradar haben.

«Ich habe so viel Gutes gesehen», lobte Berner am Schluss im Brügglifeld seine Mannschaft. «Immerhin haben wir unseren ersten Punkt gegen den FC Aarau in dieser Saison geholt. Und wir haben mit diesem Punktgewinn unsere gesamte Punktezahl von letzter Saison bereits egalisiert.»

Drei Tore vor, fünf Tore nach der Pause

Ja, es war eine immens aufregende Partie in Aarau, eine torreiche sowieso. Lanciert aber war sie erst nach 23 Minuten. Dann nämlich ging der SC Kriens im Aarauer Brügglifeld in Führung. Omer Dzonlagic schoss einen Freistoss von der rechten Strafraumseite scharf und halbhoch in den Aarauer Fünfmeterraum. Dort lenkte Albin Sadrijaj noch ab, der Ball setzte auf dem Boden auf und flog zum 1:0 für den SCK ins FCA-Tor.

Kriens lag also nach 23 Minuten in Führung – und somit auf dem viel diskutierten Barrageplatz, der zu den Aufstiegsspielen in die Super League berechtigt (gegen Thun, Xamax Neuchâtel oder Sion). Aber Kriens musste den Barrage-Sessel noch vor der Halbzeitpause in Aarau wieder verlassen: Marco Schneuwly (36.) und Miguel Peralta (38.) schossen den FC Aarau mit 2:1 in Führung.

Beim Ausgleich war Schneuwly mit einer langen Flanke in den Strafraum geschickt worden. Dort liess der ehemalige Luzern-Stürmer den Ball aufsetzen und drosch diesen dann aus der Drehung zum 1:1 ins Tor. Der Kriens-Verteidiger Jan Elvedi war in dieser Szene zu wenig nahe bei Schneuwly geblieben.

Nachspielzeit an der oberen Grenze

Zwei Minuten später: Peralta setzte sich in der Mitte der Strafraumgrenze durch und erzielt mit einem Flachschuss das 2:1. Vier Krienser standen um Peralta herum – ein durchaus vermeidbarer Treffer.

Nach der Pause, es ist kaum anders zu beschreiben, überschlugen sich die Ereignisse. Kriens machte sofort Druck auf das Aarauer Tor. Ein Siegrist-Schuss (50.), noch ein Siegrist-Schuss (51.), dann das 2:2: Siegrist staubte nach dem einem Eckball auf der Torlinie ab. Fünf Minuten später skorte Dzonlagic nach einem Sprint von Asumah Abubakar zum 3:2 für Kriens.

Aarau glich nach einer Stunde wieder aus, Kriens ging daraufhin wieder in Führung: Vor dem Handspenalty zum 4:3 durch Siegrist hatte Liridon Berisha den Ball an den Pfosten geköpfelt, wenige Sekunden danach Marco Schneuwly im Aarau-Strafraum den Arm zur Hilfe genommen. Nun schien Kriens das Spiel und den Vorsprung in den Griff zu bekommen. Aber 25 Minuten später signalisierte der Schiedsrichter sechs Minuten Nachspielzeit an (am Schluss waren es gar sieben).

Eine letzte weite Flanke in Richtung Krienser Strafraum: SCK-Torhüter Sebastian Osigwe kann nicht vollständig befreien, Schneuwly vermag mit einer «Kopfballkerze» den Ball in Richtung Tor zu bugsieren, der Ball senkt sich unter die Latte, Berisha versucht wegzuköpfeln, wird von Elsad Zverotic geschickt gestört – 4:4!

Kriens-Trainer Berner: «Der Schiedsrichter begründete die lange Nachspielzeit mit den Auswechslungen und der Pflege eines Spielers. Klar, in Aarau vier Tore zu erzielen und nicht zu gewinnen, den Ausgleich so spät noch zu erhalten – das ist schon auch ärgerlich.»

Und trotzdem: Der SC Kriens ist in diesen Wochen jener Club, der die Liga attraktiv und spektakulär macht, Kriens ist im Moment das Highlight der Challenge League.

Aarau – Kriens 4:4 (2:1)
Brügglifeld. – 3140 Zuschauer. – SR Cibelli.
Tore: 23. Sadrijaj 0:1. 36. Schneuwly 1:1. 38. Peralta 2:1. 52. Siegrist 2:2. 57. Dzonlagic 2:3. 61. Alounga 3:3. 66. Siegrist (Handspenalty) 3:4. 94. Schneuwly 4:4.
Aarau: Ammeter; Thiesson (89. Balaj), Affolter, Thaler; Peralta (65. Schindelholz), Jäckle, Zverotic, Mehidic (56. Misic); Neumayr; Alounga, Schneuwly.
Kriens: Osigwe; Costa (76. Fäh), Elvedi, Berisha, Busset; Ulrich (61. Kukeli), Yesilçayir (68. Wiget), Sadrijaj, Dzonlagic; Siegrist, Abubakar (87. Teixeira).
Bemerkungen: Aarau ohne Gashi, Spadanuda, Rrudhani, Corradi (alle verletzt) und von Arx (krank); Kriens ohne Follonier, Bürgisser und Fanger (alle verletzt). 65. Kopfball von Berisha an den Pfosten. Verwarnungen: 84. Schneuwly, 89. Alounga.