Bitte nicht drängen – Daniel Yule und seine grossen Stärken

Daniel Yule gewinnt als erst zweiter Schweizer den Slalom in Kitzbühel und verrät sein Erfolgsgeheimnis. Nach seinem insgesamt vierten Slalom-Weltcupsieg ist er der erfolgreichste Schweizer in dieser Disziplin.

Martin Probst aus Kitzbühel
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Daniel Yule ist der strahlende Sieger des Slaloms von Kitzbühel 2020.

Daniel Yule ist der strahlende Sieger des Slaloms von Kitzbühel 2020.

Bild: Keystone

Daniel Yule wird nicht gerne in eine Richtung gedrängt. «Meine Eltern hatten keine Beziehung zum professionellen Skisport. Ich glaube, darum bin ich heute hier.»

Hier, das heisst als Sieger des Slaloms von Kitzbühel auf dem Podest. Als dreifacher Gewinner in dieser Saison. «Meine Eltern haben mich nie gedrängt, Skifahrer zu werden. Ich war ein unabhängiges Kind. Und genau das hat es gebraucht. Hätten sie mich gedrängt, ich hätte wohl genau das Gegenteil gemacht», sagt er.

«Wenn wir Kraftübungen machen sollten, macht Daniel immer zuerst Theater.»

Yules Vater ist Engländer, seine Mutter kommt aus Schottland. Daniel wurde im Wallis ­geboren. Dorthin waren seine Eltern ausgewandert. Das Skifahren gefiel ihnen gut, aber der Rennsport war ihnen als Briten fern.

Noch heute lässt sich Yule nicht gerne drängen. Ausser von sich selbst. Teamkollege Ramon Zenhäusern erzählt, wie das ­Leben mit Daniel so ist. «Wenn wir zum Beispiel Kraftübungen machen sollen, macht er zuerst Theater.» Erst wenn sich Yules Verstand meldet und ihm sagt, dass es die Schinderei braucht, um Sieger zu werden, beginnt auch er.

Ramon Zenhäusern sagt, Daniel Yule mache viel Theater.

Ramon Zenhäusern sagt, Daniel Yule mache viel Theater.

Bild: Keystone

Ein Wettkampf-Typ, der den Druck braucht

Yule tut im Training alles, was es braucht. Aber den letzten Kick bekommt er erst dann, wenn es um etwas geht. «Das war schon in der Schule so. Das Lernen hat mir keinen Spass gemacht, ich hatte lieber Prüfungen», sagt der 26-Jährige. Und dort überzeugte er dann mit guten Noten. Genau wie im Skisport, wo er in den Trainings kaum einmal der Schnellste ist, dafür – gemessen an der Anzahl Weltcupsiege (4)   – bereits jetzt der erfolgreichste Schweizer Slalomfahrer der Geschichte.

«Meine grösste Stärke ist mein Kopf. Ich liebe den Druck. Ich liebe es, in den ganz grossen Rennen um den Sieg zu fahren», sagt Yule. Wenn er wie in Adelboden nach Durchgang eins in Führung liegt, findet er das – entschuldigen Sie den Ausdruck – geil. Wenn anderen so richtig die Nerven flattern, lebt er auf. Genau das sind seine Momente.

Hält dem Druck stand: Daniel Yule in Adelboden.

Hält dem Druck stand: Daniel Yule in Adelboden. 

Bild: Keystone

Yule schielt auf die kleine Kristallkugel

In Adelboden hat Yule das Rennen gewonnen. In Kitzbühel ist er nach Dumeng Giovanoli, der vor 52 Jahren triumphierte, erst der zweite Schweizer Sieger. Giovanoli wurde am Ende jener Saison als bester Slalomfahrer ausgezeichnet – als bis heute einziger Schweizer. Yule liegt in der Slalomwertung nur noch 17 Punkte hinter dem Norweger Henrik Kristoffersen zurück und sagt: «Natürlich ist die kleine Kristallkugel auch ein Ziel für mich.»

Nationenwertung (nach 24 von 44 Rennen)

1. Schweiz             5391 Punkte
2. Österreich        5310
3. Italien               4365
4. Norwegen        4037
5. Frankreich        3524
16. Liechtenstein   156

Der Vorsprung der Schweiz auf Österreich hat sich verkleinert. Zur Freude von Peter Schröcks­nadel. Der ÖSV-Präsident sagte schon vor dem Rennwochen­ende: «Am Ende gewinnen eh wir.» Swiss-Ski ist also gefordert.

Vor zwei Jahren, als Yule in Kitzbühel hinter Kristoffersen und Marcel Hirscher zum ersten Mal in seiner Karriere auf dem Podest stand, sagte er: «Henrik und Marcel sind nicht von dieser Welt.» Damals dominierten die zwei Ausnahmekönner nach Belieben. Heute gehört er selbst zum Kreis der Ausserirdischen. Auch wenn er das nicht gerne hört. In eine Rolle lässt er sich nicht drängen.

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