Handball
Blättler läuft bei Kriens vor Abschied zu Topform auf

Die Krienser Handballer könnten heute die Qualifikation mit einem Sieg bei Suhr Aarau auf Platz eins abschliessen.

Stephan Santschi
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Adrian Blättler befindet sich in einer beneidenswerten Form, muss aber Kriens-Luzern nach Ende dieser Saison trotzdem verlassen.

Adrian Blättler befindet sich in einer beneidenswerten Form, muss aber Kriens-Luzern nach Ende dieser Saison trotzdem verlassen.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 13. Oktober 2020)

Was war das für eine Traumperformance am letzten Samstag gegen die Kadetten Schaffhausen. Am Ende siegte der HC Kriens-Luzern mit 37:26, zerlegte den Kronfavoriten auf den Meistertitel in seine Einzelteile. «Wir haben einen sehr guten Tag erwischt, während bei Schaffhausen nichts zusammengepasst hat. Das macht uns mega Freude und auch etwas stolz», erzählt der linke Flügelspieler Adrian Blättler.

Bei seinem direkten Gegenspieler, dem Megger Nik Tominec, habe die krasse Unterlegenheit sogar Galgenhumor ausgelöst. «Er fragte mich während des Spiels, ob wir die Tore diesmal richtig zählen, ob nicht Schaffhausen mit zehn Toren vorne liegen würde», verrät Blättler und lacht. Zur Erinnerung: Im Februar 2020 endete dieses Duell 24:24. Im Nachhinein stellte man indes fest, dass ein Treffer der Kadetten vergessen worden war, weshalb sie einen 25:24-Sieg zugesprochen erhielten.

Deshalb muss Blättler den Verein verlassen

Diesmal gab es am Sieger keine Zweifel und das lag zu einem gewichtigen Teil an Blättler. Der 26-jährige Krienser traf gegen Schaffhausen sechs Mal ins Netz, generell lief er in den letzten Wochen zu Hochform auf, mit 88 erfolgreichen Abschlüssen ist er hinter Kreisläufer Filip Gavranovic der zweitbeste Feldtorschütze (ohne Penaltys) des Teams. «Als sich Ramon Schlumpf verletzte, kam ich zu mehr Spielzeit und dies konnte ich ausnützen. Ich habe ein sehr gutes Gefühl», berichtet Blättler. Besonders sehenswert sind seine Gegenstösse, kaum ein Spieler in der QHL verabschiedet sich so schnell in die Konterattacken wie er.

Und doch wird das Krienser Urgestein, das seine achte Saison im Fanionteam absolviert, keinen Platz mehr im Kader haben, im Sommer wird er durch U21-Nationalspieler On Langenick ersetzt. «Zuletzt lief nicht alles ganz so gut, beide Seiten waren unzufrieden», sagt Blättler.

Er war sich bewusst, dass seine Leistungen im Herbst nicht stimmten, allerdings hätte er sich ein wenig mehr Vertrauen gewünscht. «Seit ich Trainer in Kriens bin, war Adi noch nie so gut wie jetzt, er wirkt wie befreit», bemerkt Goran Perkovac. «Davor hat seine Effizienz aber nicht gestimmt. Am Ende sprach das bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis für On Langenick.»

Playoff-Viertelfinal gegen Thun, Bern oder Basel

Blättler tat die Trennung weh, mittlerweile hat er sich aber damit abgefunden. Vielleicht wird der 13-fache Nationalspieler seine Karriere sogar beenden. «Die Kader sind überall gemacht. Sollte sich noch etwas ergeben, schaue ich es mir an. Wenn nicht, konzentriere ich mich auf die Weiterbildung an der höheren Fachschule in Zürich», erklärt der Gebäudetechnikplaner. Einen Knacks erhielt sein sportlicher Werdegang im Oktober 2018, als er sich das Handgelenk brach. «Ich musste meine Wurfvarianten anpassen, gewisse Dinge funktionierten nicht mehr wie vorher», erzählt der Rechtshänder, der seither nicht mehr für die Schweiz aufgeboten worden ist. Doch Kriens-Luzern ohne Adrian Blättler? Das ist kaum vorstellbar. «Klar verlieren wir mit ihm eine Identifikationsfigur, das ist schade für den ganzen Verein. Ich hoffe, er findet etwas Gutes», sagt Perkovac und ergänzt:

«Vielleicht kehrt er irgendwann ja zu uns zurück.»

Vorderhand will Blättler mit weiteren Galauftritten für grosse Krienser Momente, vielleicht sogar für Titel sorgen. Als Nächstes gastieren sie zum Abschluss der Qualifikationsphase bei Suhr Aarau (heute 19.15 Uhr, live auf Sport1). Bei einem Sieg und gleichzeitiger Niederlage von Winterthur in Thun winkt ihnen sogar der Sprung auf Platz eins. Als Gegner in den Playoff-Viertelfinals kommen noch Thun (6.), Bern (7.) und Basel (8.) in Frage.