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«Bleibt stark, Brüder»

Die NFL-Saison startet erst in einem knappen Monat. Doch bereits während der Vorbereitung bewegen Hymnen-Proteste der Football-Profis wieder ganz Amerika.
Florian Kerbl (SID), New York
Philadelphias Malcolm Jenkins (Nummer 27) hebt die Faust während der Landeshymne. (Bild: Matt Rourke/Keystone (Philadelphia, 9. August 2018)

Philadelphias Malcolm Jenkins (Nummer 27) hebt die Faust während der Landeshymne. (Bild: Matt Rourke/Keystone (Philadelphia, 9. August 2018)

Was am Donnerstagabend geschah, dürfte US-Präsident Donald Trump ganz gehörig gegen den Strich gegangen sein. Wieder protestierten gleich eine Vielzahl von Football-Profis während der US-Hymne, wieder erhoben sie sich gegen Rassismus und Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern – und das knapp einen Monat vor dem Start der NFL-Saison. Die Auseinandersetzung zwischen dem US-Präsidenten, der Liga und den Spielern geht in die nächste Runde, und eine Lösung des Konflikts ist erst einmal nicht absehbar.

Denn die Spieler denken gar nicht daran, der eindeutigen Ansage der NFL nachzugeben und den öffentlichen Protest zu unterlassen. Am Donnerstag reckten beispielsweise Malcolm Jenkins und De’Vante Bausby vom Super-Bowl-Sieger Philadelphia Eagles vor einem Vorbereitungsspiel gegen die Pittsburgh Steelers die rechte Faust in die Luft. Bei den Miami Dolphins hob Robert Quinn vor der Partie gegen die Tampa Bay Buccaneers ebenfalls seine Faust, seine Teamkollegen Kenny Stills und Albert Wilson knieten während der Hymne.

Die NFL verzichtet zunächst auf Strafen

«Bleibt stark, Brüder», schrieb der frühere NFL-Quarterback Colin Kaepernick in den sozialen Netzwerken. Auf dem verlinkten Foto trug er ein Shirt mit der Aufschrift «Ich kenne meine Rechte». Der 30-Jährige hatte die Spieler-Proteste in den USA vor zwei Jahren ausgelöst und ist derzeit ohne Job. Auch heute ist die Thematik aktuell wie damals.

«Ich denke, dass es wichtig ist, die Diskussion am Laufen zu halten und nicht zu stagnieren», sagte Jenkins: «Jeder wartet darauf, was die Liga tun wird. Es ist einfach meine persönliche Entscheidung, die Dinge an vorderster Front zu halten.» Und die Liga liess nicht lange auf eine Reaktion warten. Wie die NFL am Donnerstag mitteilte, habe sie sich mit der Spielergewerkschaft darauf geeinigt, die Bestrafung für Proteste beim Abspielen der Nationalhymne zunächst auszusetzen.

Dies soll gelten, bis eine Lösung im Hymnen-Streit gefunden worden ist, die beide Seiten zufriedenstellt. Dennoch sei es die klare Erwartungshaltung der Liga, dass alle Spieler und Betreuer auf dem Feld «bei der Präsentation der Nationalflagge und dem Abspielen der Hymne stehen». Im Frühjahr hatten sich die Besitzer der 32 Teams auf eine Kompromisslösung geeinigt. Demnach sollte das Knien von Spielern während der US-Hymne bestraft, kritischen Profis aber der Aufenthalt in der Kabine während der Eröffnungszeremonien erlaubt werden.

Trump will Protestierende suspendieren

Die Gelegenheit, dem Feld während der Hymne fernzubleiben, nahmen am Donnerstag ebenfalls einige Spieler wahr. So verweilten Jalen Ramsey, Telvin Smith, Leonard Fournette und T. J. Yeldon von den Jacksonville Jaguars vor dem Spiel gegen die New Orleans Saints im Umkleideraum. Er habe aus Liebe gehandelt, sagte Smith: «Ich hoffe, die Leute sehen und respektieren es.»

Von zumindest einem Mann wird Smith wohl keinen Respekt für sein Handeln erwarten können. Präsident Trump. Der hatte im Vorjahr niederkniende Spieler für ihren Protest wüst beschimpft und damit für eine Eskalation der Debatte gesorgt. Zudem forderte Trump jüngst bei wiederholter Auffälligkeit die Suspendierung von Protestlern ohne Gehaltsfortzahlung. Die Proteste vom Donnerstag dürfte Trump mitbekommen haben, gleichwohl er sich zunächst nicht öffentlich äusserte. Ein bisschen Zeit für den nächsten Eklat bleibt ja noch. Die Saison beginnt erst am 6. September.

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