BODYBUILDING: Ein Model unter den Muskulösen

Kevin Müller strebt in Basel nach dem Schweizer-Meister-Titel. Einen weitaus wichtigeren Kampf hat der 26-jährige Horwer schon für sich entschieden.

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Stählt sechsmal pro Woche seine Muskeln: Kevin Müller am Donnerstag in Horw. (Bild: Eveline Bachmann / Neue LZ)

Stählt sechsmal pro Woche seine Muskeln: Kevin Müller am Donnerstag in Horw. (Bild: Eveline Bachmann / Neue LZ)

Stephan Santschi

«Ich kann mich formen, wie ich will. Ich bin wie ein Bildhauer, der an sich selber arbeitet. Wenn ich das Gefühl habe, dass etwas nicht ganz passt, setze ich im Training einen neuen Fokus.» So umschreibt Kevin Müller seine Leidenschaft für das Bodybuilding. Seit dreieinhalb Jahren stählt er seinen Körper, baut er auf, was ihn schon immer faszinierte: den Muskel. Mittlerweile ist der Horwer 26 Jahre alt, und mit einem Lächeln stellt er fest: «Es hat sich einiges getan. Ich war nie übergewichtig, hatte aber meine Pölsterchen. Die sind definitiv weg, sie würden sich in einem Wettkampf auch nicht gut machen.»

Den Krebs besiegt

Der Wettkampf, den Müller anspricht, geht heute ab 14 Uhr im Congress Center in Basel über die Bühne – der IFBB, einer von mehreren Bodybuilding-Verbänden, lädt zu seiner Schweizer Meisterschaft. Müller wird in der Kategorie bis 80 Kilo am Start stehen. Mit dem Ziel? «Zu gewinnen, auch wenn die Konkurrenz stark ist», wie er selbstbewusst festhält. Vor kurzem wurde er am Swiss Cup in Emmenbrücke im gleichen Teilnehmerfeld Sechster. Den grössten Erfolg feierte er am Cup des Alpes, den er im letzten Mai in Visp gewann.

Sein wichtigster Kampf ist allerdings ein gänzlich anderer und steht weit über dem Stellenwert eines Bodybuilding-Turniers. Im Jahr 2011 bangte Kevin Müller nämlich um sein Leben. «Ich hatte Krebs», sagt er, ohne konkreter werden zu wollen. Zwei Operationen, drei Monate Chemotherapie und eine positive Lebenseinstellung machten ihn wieder gesund. «Es bringt nichts, den Kopf hängen zu lassen», sagte er damals. Und das sagt er auch heute. Ein guter Kollegenkreis und Ausfahrten auf dem Töff halfen ihm, die Schockdiagnose zu verarbeiten. «In so jungen Jahren Krebs zu haben, war schon gewaltig, ich war natürlich baff.» Jetzt, da er die Krankheit überstanden habe, fühle er sich nicht als anderer Mensch. «Ich möchte einfach jeden Tag geniessen und positiv denken. Das war schon vorher so.» Speziell allerdings sei, wie ihn das Schicksal anschliessend wie selbstverständlich auf den Weg zum Bodybuilding führte. «Mein Götti nahm mich mit an die Schweizer Meisterschaft nach Basel. Dort hat es mich total gepackt.» Als kurz darauf der ehemalige Mister Universe und Fitness-Weltmeister Ivan Bucher in Horw, praktisch vor Müllers Haustür, ein Fitnesscenter eröffnete, ergab sich alles Weitere von selbst. «Ich wollte meinen geschwächten Körper wieder in Form bringen», erklärt Müller, der sich daraufhin seinen ersten Trainingsplan aufstellen liess. Inspiriert habe ihn der US-amerikanische Profi-Bodybuilder Jay Cutler. «Ich hätte meinen Oberschenkel neben seine Oberarme halten können und hätte immer noch den Kürzeren gezogen», erinnert er sich. Solch ein «grober Mocken» werde er zwar nie werden. «Auch mir geht es aber darum, das Maximum aus meinem Körper herauszuholen.»

Ausgleich zum Job im Büro

Mittlerweile trainiert Müller sechsmal pro Woche – Rücken, Bauch, Schultern, Brust, Bein, Bizeps, Trizeps und dann noch das Extraschleifen an den Schwachstellen. Das Training mache aber seiner Ansicht nach nur 20 Prozent des Erfolgs aus. «Wichtiger sind eine ausgewogene Ernährung und genug Schlaf. Gerade schlafen tun viele Leute zu wenig.» Bodybuilding sei dabei ein perfekter Ausgleich zum Berufsalltag, der ihm als Avor-Polier der SBB mit der Planung von Unterhaltsbaustellen auf Gleisen viel Büroarbeit bereithalte. Bodybuilding lässt ihm daneben aber auch den Raum für Träume. Von der Teilnahme an Wettkämpfen im Ausland – wie dem Mister Olympia Amateur oder dem Arnold Schwarzenegger Classic.

Zunächst stehen nun aber die Schweizer Meisterschaften auf dem Programm. In der Vorwahl werden die Pflichtposen dargeboten. Übersteht Müller diese Runde, entscheidet die Kür über den Sieger: «Während einer Minute setzt man sich zu selber ausgewählter Musik in Szene.» Anschliessend komme es noch zu einem Showact. «Wir laufen auf der Bühne herum, stellen uns zu Konkurrenten und versuchen uns im Direktvergleich auszustechen», erzählt Müller. Das zeigt: Mit einem wohlgeformten Körper ist es nicht getan. Gefragt ist auch das Talent zur Präsentation im Wettkampf der Models unter den Muskulösen.

Hinweis

Schweizer Meisterschaft (Congress Center, Basel): Vorwahlen (heute 14 Uhr), Finals (19 Uhr). Website: www.power-entertainment.ch